Schon lange finde ich das Wort „Work-Life-Balance“ bizarr. Inzwischen hat sich da noch ein zweites Wort dazu gesellt, dass ich ebenso bizarr finde, aber immer wieder im Blog einer Autorin lese: der Lebensfreudegefährte. Grund genug, jetzt darüber (ein bisschen) zu schreiben!
Warum ich diese Begriffe bizarr finde?
Bei der „Work-Life-Balance“ frage ich mich immer, ob ich, wenn ich arbeite, nicht lebe (und umgekehrt: wenn ich lebe, dann arbeite ich nicht?!). Ich weiß natürlich, was mit diesem „modernen“ Begriff gemeint ist. Nämlich dass im Leben eine ausgewogene Mischung bestehen sollte zwischen Arbeit, also Zeit, in der (hauptsächlich) fremdbestimmt ist, was ich tue, und Freizeit, also Zeit, in der ich selber bestimmen kann, was ich machen möchte (wobei das heute ja auch bei vielen immer weniger der Fall ist). Der Begriff ist in meinen Augen aber einfach völlig falsch, denn zum einen geht es ja nicht um den Wechsel zwischen „Leben“ und „Arbeiten“ und zum anderen gibt es ja auch in der Freizeit „Arbeit“, die aber eben nicht fremdbestimmt ist. Denn wenn ich zum Beispiel im Garten „arbeite“, kann das ja durchaus Freizeit sein und etwas, dass mich entspannt, oder etwa nicht?! (Es muss ja nicht gerade Unkraut jäten sein…!)
Den Begriff „Lebensfreudegefährte“ finde ich bizarr, weil das Leben doch soviele Facetten hat und ich deshalb doch mit meinem Lebensgefährten nicht nur die Freude teilen will (es wäre ja schön, wenn das Leben nur aus Freude bestehen würde!), sondern auch mit ihm durch die leider im Leben unvermeidlichen schwierigen Zeiten gehen möchte (welche dieses Jahr bei uns besonders häufig auftreten…!). Vielleicht verstehe ich aber auch einfach nicht, was die Autorin mit diesem Begriff meint…
P.S. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich herausgefunden habe, wie ich die beiden oben genannten Begriffe beschreiben würde: über seltsam, irritierend und komisch bin ich dann zu bizarr gekommen. Bevor ich mich aber definitiv für „bizarr“ entschieden habe, habe ich doch noch im Duden nachgeschaut, ob das auch wirklich eine korrekte Bezeichnung wäre. Ja, ist es! Denn der Duden schreibt zu „bizarr“ folgendes: „absonderlich [in Form und Gestalt]; ungewöhnlich, eigenwillig, seltsam geformt oder aussehend“ (Beispiele: bizarre Formen, eine bizarre Landschaft) und „absonderlich, eigenwillig verzerrt; wunderlich; schrullenhaft“ (Beispiel: bizarre Gedanken). Vom französischen „bizarre“ und dem italienischen „bizarro“. (www.duden.de/bizarr, zuletzt abgerufen am 19. Okt. 2026)
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Den Lebensfreudegefährten kannte ich gar nicht. Nebenbei: ich fände es sogar bedrückend, vermutlich nicht auszuhalten, bestünde das Leben auf einmal nur aus Freude. Das wird nicht geschehen, da muß ich keine Angst haben: Aber im Ernst: Dafür sind wir nicht gebaut, das hält der Stärkste nicht aus!
Ein Gefährte ist jemand, der mit einem durch dick und dünn und, sofern nötig, zum Pferdestehlen geht. Und nicht ein Spaßkaspar.
Die Balance? Da stimme ich völlig zu. Das Leben findet auch während, egal welcher, Arbeit statt. Und kluge Verwalter solcher Arbeitsstellen achten auch darauf, dass mindestens die Kaffeemaschine läuft und auch sonst den natürlichen Bedürfnissen ein Stück weit entgegen gekommen wird. Und wer in seiner Freizeit tatsächlich maximal noch den Umschaltknopf der Fernbedienung drückt ist ohnehin fürs Leben verloren.
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