Feinsliebchen

Nachdem ich mich so auf das Buch „Verschwundene Wörter“ von Matthias Heine (erschienen im Duden-Verlag) und die im Untertitel angekündigten „181 kuriose Wörter von damals und ihre Geschichten gefreut habe, ist diese Freude inzwischen leider verschwunden. Irgendwie finde ich weder zu den Texten noch zu den ausgewählten Wörtern so richtig Zugang, auch wenn ich nun schon ein paar Beiträge dazu geschrieben habe (siehe dazu „Archaismus“, „Ameisler“, „Beinkleider“ und „Entenhausen“). Natürlich könnte ich das Buch  weglegen und nicht mehr darüber schreiben, aber das widerstrebt mir irgendwie auch. Doch ich werde ab jetzt mehr Buchstaben als bisher in einem Beitrag zusammenfassen (beim „Ameisler“ war es noch nur der Buchstabe „A“, bei den „Beinkleider“ und „Entenhausen“ waren es jeweils schon zwei Buchstaben).

Weiter geht es nun also mit „F“ – wie weit allerdings, weiß ich jetzt zu Beginn des Beitrages noch gar nicht, ich werde vorzu im Buch weiterlesen und solange hier schreiben, bis ich es genug finde für diesmal.

Das Wort „Feinsliebchen“ habe ich vorallem ausgesucht, weil mir dazu beim Fotos einkleben grad ein so passendes Bild begegnet ist – ob die blauen Blümchen auf dem Foto allerdings Feinsliebchen sind, kann ich gar nicht sagen… obwohl das Feinsliebchen allerdings gar nichts mit Blumen zu tun hat, sondern es wird auch „feins Liebchen“ oder „feines Liebchen“ geschrieben, was die (veraltete) Bedeutung ja erahnen lässt: die Liebste oder die Geliebte. Im Gedicht „Des Knaben Wunderhorn“ kommt der Begriff mindestens sechsundzwanzig Mal vor! Ausserhalb der Poesie ist das Wort aber nie aufgetaucht, es war wohl irgendwie nicht alltagstauglich genug.

Das Wort „Fisimatenten“, welches „etwas, das unnötigerweise etwas anderes behindert, verzögert; Umstände; Sperenzchen, Ausflüchte“ bedeutet, wird immer noch über die Herkunft gerätselt – und auch wenn das allerorten geschrieben wird, hat es laut dem Autor des Buches „Verschwundene Wörter“ nichts mit den Verballhornungen der französischen Aussprüche „Visite ma tante!“ (Besuche meine Tante!) oder „Visite ma tente!“ (Besuche mein Zelt!) zu tun.

Die anderen Wörter, welche noch unter dem Buchstaben „F“ aufgeführt werden, sind: fallieren, Fant, Fidibus, Filmbühne, Flatterie, Freudenmädchen, frommen und fürbass.

Das erste Wort unter dem Buchstaben „G“ nehme ich gleich hier in den Beitrag: der „Gassenhauer“ ist sozusagen der Ballermann-Hit von gestern, wobei die Wörterbücher das Wort bis heute als abwertend markieren. In ironischer Verwendung lebt der Gassenhauer inzwischen auch ausserhalb der Musik weiter, wie zum Beispiel in einer Gastrokritik einer Zeitung zu lesen ist: „Zu essen gibt es kulinarische Gassenhauer wie das Schnitzel mit Rahmsoße und Champignons…“

Der Gauch ist ganz einfach ein Narr und der Gesichtserker stand früher für die Nase (gerade)

Goldfinger hat nichts mit dem gleichnamigen James Bond-Film zu tun – und auch nicht mit dem dazugehörigen berühmten Titelsong „Goldfinger“ der unvergleichlichen Shirley Bassey (ist natürlich in unserer Plattensammlung zu finden!), sondern beschreibt ganz einfach den Finger, an dem man üblicherweise Ringe trägt, also den Ringfinger.

Das „H“ beginnt mit dem Wort „Hagestolz“, was weder mit den Begriffen Stolz noch mit behagen oder Behaglichkeit zu tun hat. Der Hagestolz ist das (schöne?) Wort für einen Mann, der sein Leben lang unverheiratet bleibt und deshalb auf seine alten Tage mehr und mehr zum Kauz wird. Der Hagestolz war der „Hagbesitzer“ (Hag hier im Sinne von „Einhegung, Dornbusch, kleiner Wald“): nach altem Erbrecht bekam ja der älteste Sohn den Hof, der jüngere bestenfalls ein kleines, eingefriedetes Anwesen, mit dem er nicht genug Auskommen hatte, um einen eigenen Hausstand zu gründen. In der Schweiz sagt man (oder ich jedenfalls) immer noch „Hag“ zur „Hecke“ oder dem „Gartenzaun“.

Sowohl unter „G“ und „H“ sind natürlich noch weitere Wörter aufgeführt, auf die ich hier aber nicht näher eingehen möchte.

Beim „I“ gibt es nur zwei Begriffe: die Imme (für Biene), das heute nur dichterisch verwendet wird, und das Wort „inkommodieren“, was nichts anderes als „stören“ bedeutet  – früher immerhin netter ausgedrückt…?!

Unter „J“ sind vier Wörter aufgeführt, wobei mir der „Jagdschein“ ins Auge fällt: das Wort findet sich anscheinend mit der Definition „amtliche Bescheinigung der Unzurechnungsfähigkeit“ immer noch in den Wörterbüchern, aber mit dem Zusatz „salopp, scherzhaft“. Was das aber mit heutigen Jagdschein, also der Erlaubnis zum Jagen, zu tun hat, frage ich mich jetzt lieber nicht…!

Beim Weiterblättern im Buch bin ich beim Buchstaben „K“ am Wort „Kohlrabi-Apostel“ hängen geblieben: früher wurde es (abwertend) für jemanden verwendet, „der fanatisch auf gesunde Gemüseernährung schwört“.

Zum Schluss dieses Beitrags noch ein Wort bei „L“: „Leu“ steht (im hochdeutschen) ganz einfach dichterisch für „Löwe“ (in Basel wird der Begriff immer noch verwendet).

Soviel „Verschwundene Wörter“ für heute!

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5 Gedanken zu „Feinsliebchen“

  1. Horch, was kommt von draußen rein,
    wird wohl mein Feinsliebchen sein.
    Holloahi, hollaho lasse ich mal weg (wie auch den Rest).
    „Ich wollte dich nicht inkommodieren“, sage ich heute noch manchmal. Schließlich ist auch die Kommode noch im Gebrauch – die bequeme Truhe, aus der man nicht alles herausräumen muss, um an das heranzukommen, was ganz unten liegt.

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