Ameisler

Im vorherigen Beitrag „Archaismus“ habe ich ja über das Buch „Verschwundene Wörter“ berichtet, dass ich zur Zeit lese (neben einem Roman von Patricia Koelle, mehr zu ihren Büchern im Beitrag „Der Zauber von Büchern“). Inzwischen bin ich mit den verschwundenen Wörtern mit dem Anfangsbuchstaben „A“ durch, das waren neben den beiden, über die ich in diesem Beitrag schreiben möchte, die Wörter Aar, Advokat, Afterglaube, Anstandsdame, Augenglas und ausgepowert.

Erwähnenswert und interessant finde ich Alfanzerei und Ameisler. Die „Alfanzerei“ vor allem deshalb, weil es da einen Zusammenhang zum Arzt Mesmer gibt, über den ich bereits im Beitrag „mesmerized“ geschrieben habe. Denn Stefan Zweig schreibt in seinem Buch „Heilung durch den Geist“ über den Magnetiseur, Arzt und Wunderheiler Franz Anton Mesmer „daß er nicht mit Quacksalbereien und Alfanzerien, sondern mit einem begründeten System operiere“. Der Begriff „Alfanzerei“ geht auf das italienische all’avanco (zum Vorteil) zurück, wurde aber ins Deutsche mit der Bedeutung „Schwindel, Betrug“ übernommen. Später konnte es, zum Beispiel bei Luther, auch die Bedeutung von „Albernheiten, Possen“ haben. Daraus entstand das Verb „alfanzen“, welches in der Reformationsrhetorik bei Luther und Zwingli die jeweiligen theologischen Gegner als „alfanzende“ Schwindler und Narren bezeichnete. Zudem versah Luther das Wort mit der Nachsilbe -rei und verwendete es dann als Substantiv „Alfanzerei“. Das Wort war lange, aber selten in Gebrauch (anscheinend bis in zweite Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts).

Der „Ameisler“ bezeichnet einen Beruf, den es heute nicht mehr gibt – im Gegenteil, heute kann anscheinend das Zerstören eines Ameisenhaufens mit bis zu fünfzigtausend Euro Bußgeld geahndet werden! Ameisler sammelten und dörrten die Ameiseneier, um sie in der Stadt als Futter für Käfigvögel und Zierfische zu verkaufen, in Wien wurde solche Geschäfte zum Beispiel auf dem Naschmarkt getätigt. Die Ameisler sammelten auch die Harzkörper, welche die Tiere in ihren Bau tragen und verkauften ihn als Weihrauchersatz.

Die Informationen zu diesem Beitrag stammen aus dem oben erwähnten Buch „Verschwundene Wörter – 181 kuriose Wörter von damals und ihre Geschichten“ von Matthias Heine, erschienen im Dudenverlag in der ersten Auflage 2025.

P.S. Auch wenn ich mir sicher bin, dass ich in meiner großen Fotosammlung irgendwo ein Foto eines riesigen Ameisenhaufens habe, finde ich es einfach nicht mehr…! Deshalb habe ich mir mit einem Foto, beholfen, dass auf einem Bogenparcours entstanden ist – es zeigt sozusagen die „Dekoration“ einer Station mit zwei riesigen Ameisen.

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5 Gedanken zu „Ameisler“

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