Auch wenn ich überhaupt nicht gerne „shoppe“, so gibt es doch Läden (Buchhandlungen zum Beispiel – oder Schallplattenläden!), in denen ich meist mehr einkaufe als geplant. Der Online-Shop des Duden-Verlags ist (leider!) auch so ein „Laden“ (wer da auch mal stöbern möchte, hier geht es zu den Produkten: www.duden.de/produkte, zuletzt abgerufen am 15. April 2026). Dort habe ich nämlich vor einer Weile – neben anderen „verrückten“ Büchern – das Buch „Schmalz und Rebellion – Der deutsche Pop und seine Sprache (Von den 50er-Jahren bis heute)“ von Jens Balzer entdeckt. (Dort habe ich auch schon das Büchlein „Kleines Kuriositätenkabinett der deutschen Sprache“ entdeckt, über welches ich in den Beiträgen „Kuriositäten“, „Noch mehr Kuriositäten“, „Letzte Kuriositäten“ und „Männergespräch“ schreibe oder auch die interessante Zusammenstellung „Neue Wörter im Duden von 1880 bis heute“ – mehr dazu in den Beiträgen „Rechtschreibung“, „Lemma“, „Honk und so“ und „Eisdiele“).
Obwohl ich mich riesig auf das Buch gefreut hatte, stand es dann doch noch eine ganze Weile auf dem Fenstersims im Wohnzimmer, schließlich hatte ich noch einen anderen „SuB“ (mehr dazu im Beitrag „Tsundoku“) abzutragen… vor ein paar Tagen habe ich aber damit angefangen und was soll ich schreiben? Ich war ehrlich gesagt ziemlich enttäuscht. Nach rund achtzig Seiten – etwa einem Drittel des Buches – hat es mich immer noch nicht gefesselt. Die Musik der (deutschen) Nachkriegszeit – zumeist Schlager (was mir ja auf gar keinen Fall auf den Plattenteller kommt!) – kenne ich (leider?) überhaupt nicht, deshalb habe ich keine Ahnung, worüber der Autor hier schreibt. Alles, was ich bisher verstanden habe, war, dass die Deutschen damals kaum (oder gar kein) Englisch konnten, weshalb viele „Songs“ eingedeutscht wurden (sogar die berühmten Beatles haben deutsch gesungen, von Elvis ganz zu schweigen…). Ansonsten geht es um die Abgrenzung zu den omnipräsenten Amerikanern, der Entnazifizierung (womit ich als Schweizerin einfach nicht so viel anfangen kann, wobei ich das Thema an und für sich wirklich interessant ist und mir natürlich klar ist, dass es hochbrisant ist!) und die musikalischen „Anfänge“ der „modernen“ Musik in der DDR, wobei es hier meist um Verbote von (zu) westlich orientierten Bands geht.
Doch auch wenn die Themen mich vielleicht nicht vom Hocker reissen (und ich die dazugehörige Playlist mangels Spotify-Konto nicht anhören kann), so liest es sich auch einfach sehr sperrig. Auf Seite fünfundzwanzig begegne ich zum Beispiel den Begriffen „Eklektizismus“ (noch nie gehört – was ist das denn für ein sperriges Wort?!) und der sogenannten „Hyperkorrektur“.
Die sogenannte „Hyperkorrektur“ ist eine Technik der Linguistik, in der man den Sprachgebrauch an eine als vorbildlich eingestufe Norm anpasst und deshalb korrekter, deutlicher und distinguierter als Muttersprachler spricht, wobei man trotzdem als fremd zu erkennen ist, weil dadurch die natürlichen Verschleifungen und die angeborene Lässigkeit fehlen, schreibt der Autor. Anscheinend intonierte Caterina Valente „hyperkorrekt“, „was den besonderen Charme, die Koketterie und auch den erotischen Reiz ihres Gesangs ausmachte“, so der Autor weiter. Ich musste dabei allerdings gleich an meinen Vater denken (Caterina Valente höre ich nun wirklich nicht!), denn der war immer besonders stolz auf sein angeblich so „geschliffenes“ Hochdeutsch, das sich in meinen Ohren aber einfach immer nur affig, albern und übertrieben anhörte… (ich hoffe, bei mir hört sich das nicht so an, wenn ich Hochdeutsch spreche… aber das kann ich leider selber nicht beurteilen!).
Der Begriff „Eklektizismus“ bezieht sich auch auf das Singen von Caterina Valente, allerdings wurde der Begriff erst später modern. Der Einfachheit halber könnte man „Eklektizismus“ auch einfach mit „Crossover“ beschreiben, also der (bewussten) Mischung unterschiedlicher Stile, hier die Vermischung der Herkunft der Sängerin mit einer fremden Sprache und einer daraus resultierenden Exotik. Der Duden schreibt zu „Eklektizismus“ folgendes (www.duden.de/Eklektizismus, zuletzt abgerufen am 15. April 2026): Neben der ersten Bedeutung (Philosophie eines Ekletikers) gibt es noch die Bedeutung „unoriginelle, unschöpferische geistige oder künstlerische Arbeitsweise oder Form, bei der Ideen anderer übernommen oder zu einem System zusammengetragen werden“, die „bildungssprachlich abwertend“ verwendet wird, aber auch das was ich eben oben als „Crossover“ bezeichnet habe, nämlich die „Zusammenführung, Auswahl, Mischung unterschiedlicher Ideen, Stile, Stilelemente o. Ä. (z. B. in der Kunst oder Architektur)“, welche ebenfalls „bildungssprachlich“ (aber ohne Abwertung!) verwendet wird.
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Ein Gedanke zu „Eklektizismus“