(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Sprache“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Sprache“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)
Hier kommen nun die (vorerst) letzten Kuriositäten aus dem Büchlein „Kleines Kuriositätenkabinett der deutschen Sprache“ (ich schreibe darüber im Beitrag „Kuriositäten“), wie ich das bereits im vorherigen Beitrag „Noch mehr Kuriositäten“ angekündigt habe.
Hier möchte ich mich vorallem den verschiedenen (seltsamen?) Begriffen widmen, die mir beim Durchblättern aufgefallen sind:
Den Begriff „Oxymoron“ kenne ich ja schon (ich schreibe darüber im Beitrag „Pleonasmus“). Er bedeutet, wenn in einem Wort oder einer Wendung zwei gegensätzliche Dinge miteinander verbunden werden. Meine neuen „Lieblinge“ sind hier: Lebendfossil, Originalkopie, bittersüß, offenes Geheimnis, Hassliebe und – nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennbar – der Walfisch.
Aber was sind nun Kofferwörter, Pangramme, Euphemismen, Homonyme und Homofone?
Bei einem Kofferwort werden zwei Wortsegmente zu einem inhaltlich neuen Begriff verschmolzen: Bionik (aus Biologie und Technik), Denglisch (aus Deutsch und Englisch), Motel (aus Motor und Hotel).
Ein Pangramm ist ein Satz mit möglichst wenig Buchstaben, der aber alle Buchstaben des Alphabets enthält. Früher wurden Pangramme als Prüftext zum Testen von Schreibmaschinen benutzt, heute finden wir sie noch bei der Darstellung von Schriften. Interessant ist, dass es im Englischen, teilweise auch im Französischen deutlich einfacher ist, solche Sätze – Pangramme – zu bilden. Der kürzeste, aber unsinnige Satz im Deutschen lautet: Sylvia wagt quick den Jux bei Pforzheim.
Amüsiert, aber zum Teil auch traurig gestimmt hat mich die Aufzählung verschiedener Euphemismen, denn das sind beschönigende, aufwertende, mäßigende oder verhüllende Umschreibungen von Wörtern und Ausdrücken, die wir als anstößig, tabu, politisch unkorrekt oder als zu negativ empfinden. Für „Abriss“ sagen wir doch lieber ganz schön „Rückbau“, die „Beitragserhöhung“ wird in der „Beitragsanpassung“ verpackt, in der „Seniorenresidenz“ lebt es sich bestimmt netter als im „Altersheim“ und wir gehen doch bitte auch nicht auf die Toilette, sondern uns „frisch machen“…! Und ich bin natürlich nicht „dick“, sondern nur „kräftig gebaut“ und ich „schwitze“ auch nicht (igitt!), sondern „transpiriere“. Die „Verteuerung“ wird zur (sympathischeren) „Preisanpassung“ und überhaupt ist etwas nicht „teuer“, sondern einfach nur „hochpreisig“. Den Kopf geschüttelt habe ich über den „Entsorgungspark“ (statt „Mülldeponie“) und richtig traurig und wütend hat mich die „Friedensmission“ gemacht, die anstelle des „Kriegseinsatzes“ postuliert wird! Geht’s eigentlich noch?!
Deutlich sympathischer ist mir dann die lustig illustrierte Seite, welche dem Wort „Atlas“ gewidmet ist, dem Wort mit den meisten Homonymen im Rechtschreibduden. Ein Homonym ist ein Wort, das ganz unterschiedliche Bedeutungen hat, die aber alle gleich geschrieben und gleich ausgesprochen werden. Der Atlas ist nämlich „ein Gebirge in Nordwestafrika“, eine „Sammlung geografischer Karten in Buchform“, der „1. Halswirbel“, ein „Gebälkträger in Form einer Männerfigur“, ein „Seidengewebe“ und ein „griechischer Titan“. Auch wenn man das vielleicht nicht unbedingt wissen muss, ist das doch interessant, oder nicht?!
Und damit auch klar wird, warum der Rheinfall im Schweizerischen Schaffhausen als Beitragsbild herhalten musste, noch zum Homofon: Homofone sind Wörter, die unterschiedlich geschrieben, aber gleich ausgesprochen werden, also eben der „Reinfall“ und der „Rheinfall“. Sechzehn weitere Beispiele sind auf Seite 136 zu finden…
Erstaunlich fand ich außerdem, dass der Autor – oder die Autorin oder die Autoren – der Meinung sind, dass man den Buchstaben „Y“ abschaffen könnte, wenn er nicht in so vielen Fremdwörtern aus dem Englischen vorkommen würde!
Jetzt ist dieser Beitrag doch schon wieder länger als gedacht geworden, deshalb hier von gewissen interessanten oder auch lustigen Kapitel nur die Überschriften: Zum Beispiel gibt es „40 umgangssprachliche Bezeichnungen für Geld“ oder auch „49 Bezeichnungen für den abgeknabberten Rest des Apfels“. Besonders interessant fand ich, dass es zwar eine ganze Reihe von Begriffen für den Brotanschnitt gibt, aber kein hochdeutsches Wort dafür! Abgerundet wird der Inhalt auch mit Informationen über andere Sprachen der Welt, zum Beispiel im Kapitel „Wissenswerte Fakten über die Sprachen der Welt“.
P.S. Da ich ja sehr viel Musik höre, möchte ich zum Schluss noch dies erwähnen: die Aussprache des Worts „Jazz“ hat sich – in Deutschland – über die Jahre verändert. Während Kennerinnen und Kenner früher „Jats“ gesagt haben, so gilt das heute als veraltet und wird stattdessen – wie im Englischen – als „Dschäs“ ausgesprochen.
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5 Gedanken zu „Letzte Kuriositäten“