Noch mehr Kuriositäten

(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Sprache“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Sprache“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)

Mein neues aktuelles Lieblingsbüchlein „Kleines Kuriositätenkabinett der deutschen Sprache“ (ich schreibe darüber im Beitrag „Kuriositäten“) birgt noch ganz viele interessante und lustige Kapitel, über die ich nun in diesem Beitrag schreiben möchte.

Es geht los mit den längsten deutschen Wörtern. Diese Top Five sind in mindestens fünf unterschiedlichen Texten belegt: Mit 67 Buchstaben belegt die „Grundstückverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung“ den ersten Platz. Auf dem zweiten Platz ein unaussprechlicher walisischer Ortsname mit 58 Buchstaben, den ich nun wirklich nicht abtippen möchte…! Es ist übrigens der längste Ortsname Europas. Interessant ist, dass dieser walisische Ort mit dem Dorf Y in Frankreich verschwistert ist. Allerdings muss sich das Dorf Y den kürzesten Ortsnamen mit mehreren Orten namens Å in Norwegen, Schweden und Dänemark teilen… aber das nur nebenbei. Auf dem dritten Platz haben wir die „Straßenentwässerungsinvestitionskostenschuldendienstumlage“ mit ebenfalls 58 Buchstaben (in der Schweiz würde es dieses Wort auf den zweiten Platz schaffen, da man dort ja statt dem „ß“ zwei „s“ schreiben würde). Der vierte Platz belegt mit 56 Buchstaben das Wort „Kurzfristenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung“. Auf dem fünften und letzten Platz  mit lausigen 47 Buchstaben ist die „Erdachsendeckelscharnierschmiernippelkommission“… bestimmt ein ganz wichtiges Wort!

Ich hoffe, ich habe alles richtig geschrieben und nicht irgendwo einen – wichtigen, weil für die Platzierung relevanten – Buchstaben vergessen…!

Im Kapitel „Sechs Fachbegriffe aus der Druckersprache“ finden sich wirklich kuriose Wörter – oder vielmehr kuriose Bedeutungen von (mehr oder weniger) harmlosen Wörtern… Die „Hochzeit“ bezeichnet hier ein doppelt gesetztes Wort, die „Leiche“ hingegen ein fehlender Buchstabe oder ein fehlendes Wort. Mit „Hurenkind“ ist die letzte Zeile eines Absatzes als erste Zeile einer neuen Seite oder Spalte gemeint, der „Schusterjunge“ hingegen ist die erste Zeile eines neuen Absatzes als letzte Zeile einer Seite oder Spalte. Lustig finde ich den „Fliegenkopf“: es ist ein versehentlich kopfüber gesetzter Buchstabe. Und einige erinnern sich bestimmt noch an die bekannten Bücher des sogenannten „Zwiebelfisch“: in der Druckerspache ist damit ein in einer anderen Schriftart als der restliche Text gesetzte Buchstabe gemeint.

Ob das heute – im Zeitalter der Digitalisierung – allerdings noch jemand braucht oder kennt, frage ich mich…?

Interessant ist auch die Aneinanderreihung von Vokalen oder Konsonanten: Während andere Sprachen ja deutlich mehr aneinandergereihte Vokale kennen, sind es im Deutschen maximal fünf. Da gibt es zum Beispiel die Bioeier oder die Batterieeier, dreieiig und zweieiig, aber auch die Donauauen oder der Niveauausgleich, die Teeeier und der Treueeid. Bei den Konsonanten können hingegen bis zu acht direkt hintereinanderstehen. Meist sind es Begriffe mit „sch“. Im Rechtschreibduden steht nur eines davon: Borschtsch. In anderen Duden-Wörterbüchern finden sich noch selbstschließend und Weihnachtsschmuck. Meist handelt es sich dabei um zusammengesetzte Wörter wie Deutschschweizerin (ein wichtiges Wort…!), Welschschweizerin, Geschichtsschreibung, Rechtsschrift oder Unterrichtsschritt.

Jetzt noch ein paar Superlative, die weiteren Kuriositäten werde ich dann doch in den nächsten Blogbeitrag packen (mehr dazu im Beitrag „Letzte Kuriositäten“), sonst wird dieser Beitrag zu lang… also, das Wort mit den meisten Synonymen im Duden-Synonymwörterbuch ist „schwach“ und das häufigste Wort in festen Redewendungen ist „Hand“. Das Verb mit den meisten Bedeutungen im Duden ist „ziehen“, das Substantiv mit den mit den meisten Bedeutungen im Duden ist – passend dazu – „Zug“. Außerdem sind die 20 häufigsten Substantive, Adjektive und Verben und eine ganze Reihe von Teekesselchen aufgeführt.

So, noch mehr Kuriositäten also wie oben erwähnt im nächsten Beitrag „Letzte Kuriositäten“…!

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7 Gedanken zu „Noch mehr Kuriositäten“

  1. Dass die Verordnungsnamen bei den längsten Wörtern dabei sind, ist für mich auch die Erklärung, warum Juristen bei uns immer ewig lang brauchen, um etwas zu erledigen. Wenn sie erst einmal solche Wortgetüme schaffen und dann damit umgehen müssen, steht das im krassen Gegensatz zur englischen Neigung, alles in möglichst drei Buchstaben zu sagen 😏

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