Progrock

(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Vinyl-Freude“. Hier geht es zum erklärenden Beitrag „Vinyl-Freude“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)

Wenn es bei uns so heiß ist, dass ich tagsüber fast alle Rollläden runterlasse, damit es wenigstens im Haus (ein bisschen) kühler bleibt, dann fand ich das bisher nicht so toll. Ich mag heiße Tage nicht – während der Nachbar halbnackt im Garten herumspringt und gar nicht genug Sonne bekommen kann, ziehe ich mich zurück und frage mich, was ich mit den „dunklen“ Stunden anfangen soll… lesen geht ja nicht so besonders gut mit so wenig Licht, am Laptop sitzen macht auch keinen Spaß (das habe ich ja auch schon in „Eine klebrige Angelegenheit“ beschrieben) und (zu) viel Bewegung treibt einem ja gleich den Schweiß auf die Stirn. Außerdem habe ich immer das Gefühl, ich müsse ja etwas sinnvolles machen…! Aber in den vergangenen Tagen habe ich mich (wenigstens ein bisschen) vom etwas-sinnvolles-machen-müssen-Gefühl verabschiedet und mir endlich Zeit genommen, ein paar Platten anzuhören, die ich meinem Mann nicht zumuten möchte, denn das Subgenre Progrock (oder Progressive Rock) ist nun wirklich nicht seins (zu den Begriffen Genre und Subgenre siehe meinen Beitrag „Subgenres“). Warum ich den Zugang zu diesem Subgenre gefunden habe, liegt an meinem (verstorbenen) Bruder. Wie ich im Beitrag „Hommage à mon frère“ schreibe, hat er mich musikalisch stark geprägt – ich höre deshalb heute Musik, die ich wahrscheinlich nicht hören würde, wenn ich nicht damit aufgewachsen wäre.

Aus der Sparte „Progressive Rock“ gehören das Album „Asia“ von der gleichnamigen Band und das Album „90125“ von Yes dazu. Die Songs hatte ich immer mal wieder im Ohr, aber oft wusste ich gar nicht, was mein Bruder da grad am Laufen hat und so habe ich später immer wieder im Internet nach den Titeln und den Bandnamen gesucht. Zuerst haben die beiden Alben als gebrauchte CDs Eingang in meine Musiksammlung gefunden. Aber nachdem wir ja nun einen „gscheiten“ Plattenspieler haben, war mir klar, die „muss“ ich als LP haben! Gleich an der ersten Schallplattenbörse, die wir besucht haben (das war im November 2024 in Villingen, mehr dazu unter „Treffpunkte“), habe ich die zwei Platten gefunden und gekauft. Danach standen sie ziemlich lange im Regal, bis ich jetzt eben einer der vergangenen heißen Tage genutzt habe, um sie mir endlich auf dem Plattenteller anzuhören.

Auf dem Cover des Albums „Asia“ ist ein blaugrüner Drache zu sehen, wie er aus den Meeresfluten emporsteigt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie mich als Kind dieses Cover beeindruckt hat – noch bevor ich überhaupt Zugang zu dieser Musik hatte. Inzwischen habe ich ein bisschen über das Album recherchiert und folgendes herausgefunden: wie ich bereits anhand des Titels vermutet hatte, handelt es sich um das Debütalbum der (britischen) Rockband Asia. Die Lieder wurden anscheinend allesamt von den fünf Band-Mitgliedern geschrieben. (Quelle: wiki/Asia, zuletzt abgerufen am 24. Juni 2025)

Ob es sich bei diesem Album nun wirklich um Progressive Rock handelt, darüber sind sich die Quellen nicht einig. Ich persönlich rechne es aber dazu.

Eindeutig sind hingegen die Angaben zum Album „90125“ von „Yes“ – hier schreibt Wikipedia bereits in der ersten Zeile des Beitrags, das das 1983 erschienene Album zum Progressive Rock gehört. Die Nummer, die hier als Titel dient, ist die Nummer des Albums im Katalog der Plattenfirma. Das Cover ist ganz schlicht gehalten, auf einem grauen Hintergrund sind das Yes-Logo in den drei Farben gelb, pink und blau zu sehen und ein einfacher Schriftzug. Umso aufwändiger ist die Innenhülle gestaltet, mit Bandinformationen und Songtexten. Es ist das insgesamt fünfzehnte Album von Yes und das elfte – bisher erfolgreichste – Studioalbum. (Quelle: wiki/90125, zuletzt abgerufen am 24. Juni 2025)

Dass ich diese beiden Platten zusammengenommen habe – und sie für mich auch irgendwie zusammengehören – ist interessant, denn inzwischen habe ich herausgefunden, dass die Band Asia von Mitgliedern von Yes (und anderen Bands) gegründet wurde. Vielleicht gefallen mir die beiden Platten deshalb so gut? Wer Abwechslung mag und sich für Gitarren-Riffs und Keyboard-Läufe begeistern kann, ist hier auf jeden Fall genau richtig. Die Songs sind meist über vier Minuten, manchmal bis fünf oder sechs Minuten lang – oder sogar noch länger, also genau richtig, um richtig in diese Musik einzutauchen (und die Hitze draussen zu vergessen…!).

Doch was ist nun eigentlich „Progressive Rock“? Wikipedia schreibt dazu folgendes (zuletzt abgerufen am 24. Juni 2025):

Progressive Rock (kurz Prog oder Progrock) ist eine Musikrichtung, die Ende der 60er-Jahre entstand, als Musiker Rockmusik um stilistische Merkmale anderer musikalischer Gattungen ergänzten. Dabei wurden Kompositionsweisen und Harmonik aus der abendländischen Klassik einbezogen und die Bands griffen auch auf Einflüsse aus Jazz (Jazzrock) und nicht-westlichen Formen zurück (Weltmusik). „Progressiv“ bedeutet „fortschrittlich“: Es ist Musik, die fortschreitet. Sie nimmt eine Idee und entwickelt sie, statt sie einfach zu wiederholen. Pop-Songs bestehen aus Wiederholung, Riffs und Einfachheit. Progressive Musik nimmt ein Riff, kehrt sein Inneres nach außen, stellt es auf den Kopf, spielt es dann wieder andersherum und erkundet so sein Potenzial. Dabei wird der Progressive Rock weniger als stringenten Stil denn als Haltung gesehen.

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