(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Sprache“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Sprache“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)
Auch wenn ich mir vorgenommen habe, endlich meine Liste mit Notizen für die Serie „Sprache“ abzuarbeiten (siehe dazu den Beitrag „Palindrom“), so begegnen mir doch immer wieder andere interessante Wörter, wie zum Beispiel vor ein paar Tagen „Ein Samstagswort“, über die ich dann am liebsten gleich schreibe, denn dann ist die Idee noch frisch und das Schreiben schön flüssig. So ging es mir auch mit dem Stocknagel, der mir gleich am Sonntag nach dem Samstagswort begegnet ist – und zwar im Buch „Die Blumeninsel im Bodensee“ von Eva-Maria Bast (in „Bewegende Lebensgeschichten“ habe ich schon über Bücher von ihr geschrieben). Sie schreibt in diesem Buch über Lennart Bernadotte, den ehemaligen schwedischen Prinzen, der zusammen mit seiner bürgerlichen Frau Karin auf der Insel Mainau das heute so berühmten Blumenparadies erschaffen hat.
Als ab Mitte der Dreissiger Jahre immer mehr Touristen auf die Insel strömen, steigt die Nachfrage nach Postkarten, Stocknägeln – und nach einer Verpflegungsmöglichkeit. (Damals kostete der Eintritt für die Insel Mainau übrigens fünfzig Pfennig pro Person.) Doch ich bleibe am Wort „Stocknägel“ hängen und frage – bevor ich weiterlese und die Erklärung erhalte – meine Mann, ob er weiß, was damit gemeint ist. Erst sagt ihm das Wort auch nichts, aber als ich dann die Erklärung lese, wissen wir, was gemeint ist: die Herren von anno dazumals (oder vielleicht auch heute noch?) hatten natürlich einen hölzernen Stock dabei, der nach und nach mit Stocknägeln „geschmückt“ wurde, also an den kleine Metallplättchen angenagelt wurden, meist mit einem Bild (einer Prägung) des Ortes, um auch allen zeigen zu können, wo man(n) also gewesen war. Ich erinnere mich daran, solche Wanderstöcke mit eben solchen Stocknägeln gesehen zu haben, allerdings ohne das Wort „Stocknagel“ zu kennen.
Als ich so über diese Stocknagel-Souvenir-Sammler sinniere, denke ich, wie lustig, dass früher die Menschen auch zeigen wollten, wo sie gewesen waren – heute machen sie das einfach mit einem Selfie, welches dann in den sozialen Medien gepostet wird! Und dazwischen lagen die bunten Abziehbildchen, die man sich aufs Auto kleben konnte und die ebenfalls zeigten, wir waren schon hier – und hier – und hier…
Interessanterweise verwenden Pilger ja etwas ähnliches wie Stocknägel: für sie gibt es nämlich an verschiedenen Orten des Weges sogenannte Pilgerstempel (zum Beispiel gibt es in der „Kapelle Maria Hügel“ einen solchen) und ich konnte mich dann plötzlich daran erinnern, dass meine (verstorbene) Tante, die auf verschiedenen Pilgerwegen unterwegs war, auch davon erzählt hat. Vom Jakobsweg hatte sie einen Pilgerpass, mit dem sie Stempel gesammelt hat, damit sie in Santiago de Compostela ihre Pilgerurkunde erhielt. Sie durfte damit auch in den offiziellen Pilgerherbergen übernachten. Sie ist übrigens nicht nur in rund drei Monaten von Basel bis Santiago de Compostela gewandert, sondern hat auch diverse Zubringerwege in der Schweiz und Frankreich „erwandert“ (und ist auch in Etappen von Canterbury nach Rom gepilgert). Einen hölzernen Wanderstock hatte sie da aber meines Wissens nicht dabei, aber sie wollte ja auch keine Stocknägel sammeln!
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