Noch mehr Tierisches

(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Redewendungen“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Was macht der Storch im Salat?“ und zur Übersichtsseite.)

Nachdem ich mich im vorigen Beitrag schon mit einer Redewendung mit der Katze beschäftigt habe („Tierisches“), habe ich in meiner Sammlung noch weitere Redewendungen mit Tieren gefunden:

Katzen

Zu „da beißt sich die Katze in den Schwanz“ schreibt der Duden „Redewendungen“ wie ich finde ziemlich geschwollen: „das ist ein Irrkreis, ein Circulus vitiosus“. Zur Erklärung finde ich auf einfachtierisch.de (zuletzt abgerufen am 10. März 2025) folgendes (es gibt dort übrigens auch ein wirklich lustiges Video von kleinen Katzen, die versuchen, ihren Schwanz zu fangen): „Tatsächlich beißen sich Katzen, insbesondere Jungkatzen, gelegentlich selbst in den Schwanz. Dies kann unter anderem aus dem Spieltrieb heraus geschehen oder auch, weil sie nicht immer erkennen, dass der Schwanz wirklich zu ihnen gehört. Bei Hunden ist es übrigens nicht anders. Hunde beißen sich manchmal sogar aufgrund einer Übersprungshandlung in die eigene Rute – daher ergibt das Sprichwort auch mit einem Hund Sinn.

Unsere schwarze Katze ist aufgrund ihres Alters (und ihres Gewichts) inzwischen deutlich schwerfälliger unterwegs, als zu der Zeit, als sie noch ihren (eigenen) Schwanz gejagt hat. Deshalb geht sie nicht mehr so gerne durch die Katzenklappe, die im Badezimmerfenster im Erdgeschoss etwa ein Meter über dem Boden angebracht ist. Um hinaus zu gelangen, muss sie nämlich aufs Klo springen und von dort auf das Brett, das wir vor der Klappe angebracht haben. Draußen ist ebenfalls ein Brett und daran eine Katzentreppe angebracht, so dass sie sicher in den Garten kommen sollte. Doch als eines Sommers unser Haus eingerüstet wird, ist das plötzlich kein Problem mehr, denn direkt vor der Katzenklappe ist die unterste Planke des Gerüsts an unserem Haus und so schafft auch unsere Lucy dies. Als ich das zum ersten Mal sehe, denke ich: „Vom Brett vor der Katzenklappe ist es nur „ein Katzensprung“ auf die Planke des Gerüsts!“ Und das natürlich im wahrsten Sinne des Wortes! Im übertragenen Sinn bedeutet „ein Katzensprung sein“: „eine geringe Entfernung, ein kurzer Weg“  und bezieht sich angeblich auf die blitzschnelle Reaktion von Katzen, wenn ihnen eine Maus über den Weg läuft (Quellen: de.wiktionary.org und wamiz.de, beide zuletzt abgerufen am 10. März 2025)

Unsere Lucy „zeigt“ uns auch immer wieder einmal eine weitere Redewendung, in der zwar keine Tiere vorkommen, aber für mich eben trotzdem hierher passt: „ganz Ohr sein“. Denn erstens haben wir sowieso den Eindruck, dass unsere Katzen jedes Wort verstehen, das wir (mit ihnen) sprechen, und zweites wendet uns Lucy öfters ihr Ohr zu und zwar so, dass wir die komplette Ohrmuschel sehen (die erstaunlich groß ist), eben wie wenn sie uns ganz genau zuhören würde… „ganz Ohr sein“ bedeutet ja umgangssprachlich „gespannt, mit ungeteilter Aufmerksamkeit zuhören“ (Duden Bd. 11). Die Erklärung ist eigentlich logisch: da wir ja mit den Ohren hören, sind wir also besonders aufmerksam, wenn wir eben mit dem ganzen Ohr zuhören – und nicht nur mit dem halben (Ohr), was dann ja umgangssprachlich bedeutet: „ohne rechte Aufmerksamkeit zuhören“ (Duden Bd. 11). Übrigens gibt es im Duden Redewendungen (Band 11) weit über fünfzig weitere Redewendungen mit „Ohr“!

Hunde

Obwohl wir Katzen haben, verwenden wir doch manchmal auch Redewendungen mit „Hund“: zum Beispiel „sind wir auf dem Hund“, wenn wir uns (mal wieder) bei Garten- oder Renovationsarbeiten am Haus total verausgabt haben… (der Duden Bd. 11 schreibt da genauer: (umgangssprachlich)ruiniert, erledigt sein; auf einen Tiefstand gesunken sein“). Eine Erklärung zur Herkunft habe ich leider nicht gefunden, denn es erscheinen nur Suchresultate zur Redewendung „auf den Hund gekommen“, auf die mich übrigens eine Leserin in einem Kommentar zum vorherigen Beitrag „Tierisches“ aufmerksam gemacht hat: „auf den Hund kommen“ bedeutet: (umgangssprachlich) in schlechte Verhältnisse geraten, völlig herunterkommen. Zu dieser Redewendungen gibt es verschiedene Erklärungen zum Ursprung, zum Teil sogar auch widersprüchliche Bedeutungen (Details unter de.wikipedia.org, zuletzt abgerufen am 10. März 2025). Auch hier gibt es rund vierzig weitere Redewendungen im Duden!

Hummel

Und wenn es im Frühling wärmer wird und es beim ersten Sonnenschein alle in den Garten zum Werkeln zieht, des Nachbars Kreissäge kreischt, im nächsten Garten der Häcksler knattert oder fleißig gekärchert wird (mehr zum Verb „kärchern“ schreibe ich im Beitrag „Deonyme“), während ich eigentlich die Sonne ganz in Ruhe in meinem Strandkorb genießen möchte, dann frage ich mich manchmal, ob die alle „Hummeln im Hintern“ haben…! Der Duden (Bd. 11, Redewendungen) schreibt dazu: „nicht ruhig sitzen können, voller Unrast sein“ und „von ruheloser Aktivität erfüllt sein“. Lustig ist, was Pons dazu schreibt (zuletzt abgerufen am 10. März 2025):

Die Hummel könnte eigentlich auch „Summel“ heißen, denn ihr Name lässt sich lautmalerisch auf ihr typisches Summen zurückführen. Da man nun im Mittelalter sowieso so manche Krankheit Krabbeltieren wie Grillen oder Ohrwürmern zuschrieb, ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass man sich dieses Getier auch an Stellen vorstellte, an denen man sie sich lieber nicht vorstellen möchte. Früher drückte man sich da übrigens längst nicht so höflich aus wie zu späteren Zeiten. So ist im „Deutschen Spruchwörter-Lexikon“ von 1870 schon ganz gesittet von „Hummeln im Gesäß“ die Rede, während Martin Luther noch ganz unverblümt diagnostizierte: „Er hat humel ym arse“.

Wenn sogar Luther vom „arse“ gesprochen hat, dann ist es ja vielleicht gar nicht so schlimm, wenn ich mir manchmal (im Strandkorb) unhöfliche Gedanken über meine Nachbarschaftsgärtner/-innen mache… oder?!

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