(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Berührende Bücher“. Hier geht es zum erklärenden Beitrag „Noch mehr berührende Bücher“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)
Manchmal kann ich es kaum erwarten, ein Buch, das ich gekauft habe, endlich lesen zu können. So erging es mir mit den neusten historischen Roman von Astrid Fritz: Die Magd des Medicus. Meist sind mir historische Romane und Krimis zu brutal und blutrünstig (wie ich bereits in „Wo Geschichte lebendig wird“ beschreibe). Das gilt auch für die Freiburger Autorin Astrid Fritz. Doch als ich in einer Buchhandlung ihr neustes Buch „Die Magd des Medicus“ entdecke, ist mein Interesse geweckt, denn die Geschichte beginnt in Basel auf dem Kohlenberg, wo Barbara mit ihrem Vater, der Abdecker ist, lebt. Als der berühmte Arzt Paracelsus Barbara als Magd zu sich nimmt, ist Barbara zuerst nicht begeistert, aber als Tochter des als unehrenhaft geltenden Abdeckers bleibt ihr keine Wahl. Auch von Paracelsus sind nicht alle Bürger immer begeistert: er eckt mit seinen unkonventionellen Methoden immer wieder an – und so beginnt die gemeinsame Geschichte zweier Außenseiter, die spannenden Einblicke in das städtische Leben und die Medizin dieser Zeit gibt. Auch wenn die Figur der Barbara fiktiv ist, so lässt sich die Geschichte wahrscheinlich aus ihrer Sicht doch lebhafter erzählen als nur anhand historischer Fakten.
In Erinnerung geblieben ist mir zum Beispiel das Vorhaben von Paracelsus, an der Universität in Basel Medizin-Vorlesungen in deutscher Sprache zu halten und nicht wie bisher auf Latein – das ruft einen regelrechten Sturm der Entrüstung hervor! Als sich die Bürger in Basel gegen Paracelsus stellen, muss er die Stadt verlassen – und Barbara mit ihm. Nach verschiedenen Stationen findet Paracelsus in der Schweizer Stadt St. Gallen seine Ruhe und verfasst seine letzten Werke. Barbara ist schließich in Regensburg geblieben, hat dort geheiratet und führt mit ihrem Mann eine Badstube – dabei hilft ihr auch das profunde medizinische Wissen, das sie sich in der Zeit bei Paracelsus angeeignet hat, denn irgendwann war sie nicht mehr nur seine Magd, sondern auch seine Gehilfin und hat als Schreiberin seine Aufzeichnungen verfasst. Ein fesselndes Buch – viel zu schnell waren die über fünfhundert Seiten (der Taschenbuchausgabe) ausgelesen – mit vielen interessanten Einblicken in das Leben und Arbeiten von Paracelsus.
Inzwischen habe ich noch andere Bücher von Astrid Fritz gelesen, die ebenfalls interessante Einblicke geben und die ich deshalb hier kurz vorstellen möchte:
Schon länger war ich auf der Suche nach einem historischen Roman, der sich mit den weltweiten Folgen des Ausbruchs des indonesischen Vulkans Tambora im Jahr 1815 beschäftigt. Deshalb habe ich mich umso mehr gefreut, als ich „Der dunkle Himmel“ von Astrid Fritz entdeckt habe, denn es erzählt die Geschichte des Jahrs ohne Sommer (1816), als die riesige Aschewolke Europa erreicht und das Wetter verrückt spielen lässt. Dauerregen, Kälteeinbrüche und andere Wetterkapriolen vernichten eine Ernte nach der anderen und lassen die Menschen hungern und verzweifeln. Niemand ahnt, warum es so ist. Wer kann, wandert nach Amerika aus. Doch es gibt mutige Menschen, die durch ihren Überlebenswillen versuchen, ihr Schicksal zu meistern. Und so finden zum Schluss die getrennten Liebenden zusammen und können gemeinsam in die Zukunft schauen.
Das Buch „Die Räuberbraut“ habe ich deshalb gelesen, weil es der erste historische Roman war, den ich zum Räuberhauptmann „Schinderhannes“ entdeckt habe, der mich angesprochen hat. Als Juliana Blasius an Ostern 1800 Johannes Bückler trifft – so heißt der Schinderhannes mit bürgerlichem Namen – verliebt sie sich in ihn und zieht fortan mit ihm herum. Dass ihr Geliebter unter den Reisenden Angst und Schrecken verbreitet und bald auch den Rückhalt im einfachen Volk verliert, das bisher zu ihm und seiner Räuberbande gehalten hat, macht die Beziehung nicht einfach. Als die Bande gefasst wird und alle ins Zuchthaus kommen, ist das Schicksal der Beteiligten (und zum Teil Unschuldigen) besiegelt…
„Der Pestengel aus Freiburg“ habe ich eigentlich für meinen Mann aus einem Bücherschrank mitgenommen, obwohl mich der Titel nicht so angesprochen hat, ich aber eben den Namen „Astrid Fritz“ erkannt und gewusst habe, dass mein Mann gerne Bücher von ihr liest. Nachdem ich dann zuhause die Beschreibung auf der Rückseite gelesen habe, beschloss ich doch, das Buch zu lesen, denn einmal mehr versprach es interessante Einblicke in eine mir unbekannte Zeit (und Welt). Freiburg im Jahr 1348: Die Pest (und die Panik davor) bricht in der Stadt aus – und es dauert nicht lange, bis die Juden beschuldigt werden, die städtischen Brunnen vergiftet und so den Ausbruch der Seuche verursacht zu haben. Umso verhängnisvoller ist es deshalb, dass der Sohn des Wundarztes der Stadt in das jüdische Nachbarsmädchen verliebt ist. Als der Wundarzt herausfindet, dass die Pest sich durch Ansteckung verbreitet, schickt er seine Familie aus der Stadt. Doch als er selber an der Pest stirbt, übernimmt Clara, seine Frau, die Betreuung der Kranken und beginnt auch gegen den Judenhass zu kämpfen – sie kann schließlich Esther, das Nachbarsmädchen, vor dem Tod bewahren und ihr eine gemeinsame Zukunft mit ihrem Sohn ermöglichen. Ein Buch, das unter die Haut geht, besonders deshalb, weil ich es einfach unglaublich fand, wie schnell Menschen irgendwelchen (abstrusen) Geschichten glauben schenken und dann sofort unbarmherzig den (angeblichen) Sündenbock beschuldigen und verfolgen. Vielleicht ist das einfach nur im Hinblick auf diese (unaufgeklärten) Zeiten zu verstehen… wobei – wenn ich mich heute so umschaue, ist es ja nicht unbedingt besser!
P.S. Astrid Fritz hat natürlich noch viel mehr Bücher geschrieben (und ist immer noch dabei), mein Mann hat zum Beispiel noch „Der Turm aus Licht“ und die Serafina-Reihe gelesen. #nicolettasamira #Worte_die_verzaubern #blog #serie #bücher #berührend #astrid #fritz #freiburg #paracelsus #medizin #tambora #vulkan #ausbruch #räuber #schinderhannes #pest #arzt