(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Berührende Bücher“. Hier geht es zum erklärenden Beitrag „Noch mehr berührende Bücher“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)
Viele Jahre lang habe ich einen großen Bogen um den kleinen Prinzen gemacht. Nachdem wir im Französisch-Unterricht im Gymnasium das Buch „Le petit prince“ von Antoine de Saint-Exupéry bis ins kleinste Detail auseinander genommen hatten, war mir das Buch dermaßen verleidet, dass ich mir sicher war, es nie wieder in die Hand nehmen zu wollen – auch wenn es noch so eine schöne Geschichte mit filigranen Zeichnungen des Autors war.
Tatsächlich habe ich die französische Ausgabe wahrscheinlich schon bei meinem ersten Umzug aussortiert, ich habe sie nämlich schon lange nicht mehr. Interessanterweise habe ich mir ein paar Jahre später eine Blech-Schachtel für Farbstifte mit einem Bild aus dem Buch gekauft und mit in einen Spanisch-Sprachkurs nach Costa Rica genommen. Eine Lehrerin an der Sprachschule hat das Bild sofort erkannt und freudig „El principito!“ ausgerufen. Sie hat das Buch also auch gekannt… doch erst viele Jahre später habe ich mir dann eine deutsche Originalausgabe gekauft (und die sieht auch viel schöner aus als diejenige, welche wir im Französisch-Unterricht hatten). Und so konnte ich endlich ohne Sprachschwierigkeiten ganz in diese bezaubernde Geschichte eintauchen.
Neulich habe ich das Buch wieder einmal in die Hand genommen – und zwar hat mein Mann erwähnt, dass zur Zeit die Geminiden (ein Sternschnuppenschwarm) sichtbar seien. Da habe ich mich daran erinnert, dass die Geminiden eine Besonderheit sind im Gegensatz zu anderen Sternschnuppenschwärmen und dass ich hier im Blog in einem meiner Adventskalender darüber geschrieben habe. Mit der Suchfunktion habe ich den gesuchten Artikel schnell gefunden: er heißt „Sterne“ und ist im letztjährigen Adventskalender am 5. Dezember erschienen. In diesem Artikel beschreibe ich die Sternschnuppenschwärme der Geminiden und der Ursiden. Normalerweise entsteht ein Sternschnuppenschwarm aus den Bruchstücken eines Kometen. Bei den Geminiden hingegen entstehen die Sternschnuppen aus Gesteinsstücken eines Asteroiden. Und hier schließt sich der Kreis zum Buch, denn der kleine Prinz wohnt auf dem Asteroiden B612.
Ich merke gerade, dass es ziemlich schwierig ist zu beschreiben, wovon das Buch „Der kleine Prinz“ eigentlich handelt. Deshalb beschränke ich mich auf eine Kurzfassung: Der kleine Prinz lebt allein auf dem Asteroiden B612. In der kargen Landschaft gibt es nur einen Vulkan, der vom kleinen Prinzen liebevoll gepflegt wird – er putzt ihn täglich. Später kommt dann zwar noch eine (ziemlich anspruchsvolle) Rose dazu, doch irgendwann wird die Sehnsucht nach (echten) Freunden so groß, dass sich der kleine Prinz auf eine Reise durch das Universum begibt. Dabei begegnet er verschiedenen Gestalten auf anderen Planeten und schließlich den Menschen – insbesondere dem Autor des Buches, der Pilot ist und in der Wüste notlanden mußte. Dort lernt er dann den kleinen Prinzen kennen…
Während ich mich mit dem Buch beschäftige, taucht immer wieder die Frage auf: ist das nun ein Kinderbuch oder nicht? Ich kann die Frage nicht beantworten, doch wenn ich an die Zeichnungen im Buch denke und die Interpretationen der Erwachsenen – unvergesslich ist für mich eine der ersten Zeichnungen im Buch, die von den Erwachsenen als Hut „gedeutet“ wird, aber eigentlich eine Schlange darstellt, die einen Elefanten gefressen hat und ebenso das Schaf, das in der Schachtel steckt – dann denke ich manchmal, es ist ein Buch, das von einem Kind für Erwachsene geschrieben wurde, um ihnen die Augen für das Wesentliche zu öffnen, denn wie schreibt Saint-Exupéry so schön: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
Auf jeden Fall beschreibt es wunderschön die Sehnsucht einer einsamen Gestalt nach einer (heilen) Welt, die mehr beinhaltet als nur ein kleiner Vulkan. Deshalb habe ich auch heute diese Geschichte ausgewählt: sie passt für mich ganz wunderbar in die Advents- und Weihnachtszeit, in der wir doch auch nach heimeliger Nähe suchen und uns nach lieben Menschen sehnen.
In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Blogleserinnen und -lesern frohe Feiertage und einen guten Übergang ins neue Jahr – wir lesen uns wieder!
#nicolettasamira #Worte_die_verzaubern #blog #serie #bücher #berührend #prinz #schule #zeichnungen #wüste #vulkan #rose #fuchs #schlange #kinder #erwachsene #pilot
Ich habe das Buch erst als Erwachsener gelesen – zusammen mit meinen Kindern – und ich fand einige Themen bzw. Charaktere, die er trifft, ziemlich schwierig, aber das ist wahrscheinlich die Art, wie wir Erwachsenen darauf blicken (mit viel Ballast aus Erfahrung und dem was alles mitschwingt), während für die Kinder ganz andere Dinge hervorstechen.
LikeLike