(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Berührende Bücher“. Hier geht es zum erklärenden Beitrag „Noch mehr berührende Bücher“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)
Für meinen Mann gehört Marzipan zu Weihnachten – mir schmeckt es hingegen nicht… Doch als wir auf einer unserer Radtouren in Lübeck Station machen, besuchen wir selbstverständlich die weltberühmte Marzipan-Manufaktur (ich möchte hier keinen Markennamen nennen) und bestaunen die menschengroßen Skulpturen aus Marzipan. Besonders faszinierend fand ich es, einer Marzipanschnitzerin bei der Arbeit zuschauen zu dürfen. Und im großen Café, das zur Manufaktur gehört, war die Kuchen- und Tortenauswahl so riesig, dass auch für Nicht-Marzipan-Esser genug Auswahl da war – und so bin ich doch noch ein bisschen vom Marzipan angefressen worden…
Deshalb ist mir auch der Buchtitel „Das Marzipanmädchen“ von Lena Johannson gleich ins Auge gesprungen. Es ist zwar schon eine Weile her, seit ich das Buch entdeckt habe, aber es gehört zu denjenigen, die im Bücherregal bleiben dürfen – das ist bei mir schon eine besondere Ehre, denn da ich (und mein Mann) sehr viel lesen, wird auch vieles aussortiert und weggeben (sonst würden in unserem Haus nur noch Bücherregale stehen…!).
Aber jetzt endlich zur Geschichte: Wir haben das Jahr 1870. Marie, die Balletttänzerin werden möchte, lebt mit ihren Eltern und den zwei älteren Brüdern in Lübeck. Vater und Brüder leiten eine namhafte Konditorei, deren Spezialität die Herstellung von Marzipan ist. Sogar der Zar von Russland bestellt bei ihnen Marzipan. Als beide Brüder von Marie auf tragische Weise ums Leben kommen, soll Marie die Konditorei übernehmen, da der Vater nach dem tragischen Verlust seiner Söhne nicht mehr in der Lage ist, das Geschäft zu führen. Doch Marie hält weiterhin an ihrem Traum fest, Balletttänzerin zu werden, und lässt den schon länger eingestellten Geschäftsführer die Konditorei führen. Erst als es fast zu spät ist, wird ihr bewusst, dass nur ihre Familie im Besitz des geheimen Marzipanrezepts ist, das ihre Konditorei auszeichnet… und so gibt sie schweren Herzens ihre Tanz-Träume auf und widmet sich fortan der Arbeit in der Konditorei. Zuerst von den gestandenen Geschäftsleuten in Lübeck misstrauisch beobachtet, mausert sie sich zur (meist) gleichberechtigen Geschäftsfrau und bringt mit ihren zum Teil auch sehr unkonventionellen Ideen das Geschäft zum Blühen. Bei der Beschreibung ihrer Kreationen ist mir manchmal das Wasser im Munde zusammengelaufen! Nur die Liebe ist in Maries Leben nicht so süß wie ihre Kreationen und sie muss einiges durchmachen, bevor alles zu einem guten Ende kommt. Doch vor allem ihre Kinder helfen ihr und so ist es ihr eine große Freude, dass ihr Sohn am Ende des Buches die Konditorei übernimmt und in ihrem Sinne weiterführt.
P.S. Ich habe auch noch zwei weitere Bücher von Lena Johannson gelesen, die mir zwar nicht so gefallen haben, aber die ich trotzdem noch kurz hier erwähnen möchte, da sie auch ins alte Lübeck „entführen“: „Die Bernsteinsammlerin“ erzählt die Geschichte der begabten Bernsteinschnitzerin Femke, die als Säugling von den reichen Thuraus aufgenommen worden ist, aber nichts davon ahnt, dass ihre „Eltern“ gar nicht ihre richtigen Eltern sind… Im zweiten Band „Die Bernsteinheilerin“ geht die Geschichte mit der Tochter von Femke weiter: Johanna hat zum allgemeinen Bedauern die Fähigkeit zum Bernsteinschnitzen nicht von ihrer Mutter geerbt und versteht deshalb nicht, warum sie eine Lehre als Bernsteinschnitzerin machen soll. Ihre Mutter kann sie nicht mehr fragen, da diese ein paar Tage nach ihrer Geburt gestorben ist. Deshalb weiss Johanna auch nicht, wer ihr Vater ist. Um das herauszufinden, nimmt sie eine beschwerliche und gefährliche Reise auf sich…
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