Wenn mich das Fernweh packt, ich aber grad nicht verreisen kann, zum Beispiel weil wir keinen Urlaub haben oder der geplante und gebuchte Urlaub wegen eines Unfalls ausfällt, dann greife ich zu einem meiner Reisetagebücher und verreise in Gedanken (bereits im Beitrag „Eine unerwartete Wiederentdeckung“ habe ich über meine Reisetagebücher geschrieben).
Kürzlich war das wieder einmal der Fall und da ein Freund von uns mit seinem Cabrio an die Mosel unterwegs war, habe ich zu meinem Reisetagebuch unserer Mosel-Radtour im Juni 2011 gegriffen – wir waren damals allerdings mit Fahrrad und Zelt unterwegs. Auch wenn ich mich an vieles noch erinnere, obwohl das ja schon eine Weile her ist, entdecke ich auch immer wieder Begebenheiten oder Dinge, die ich nicht mehr so genau im Kopf hatte. Oft ist es aber einfach so, dass ich beim Lesen meiner Reisebeschreibungen wieder spüre, wie intensiv die Erlebnisse waren. Wenn man mit Fahrrad und Zelt und somit ständig draußen ist, erlebt man alles sehr viel intensiver – das war zwischendurch manchmal sehr anstrengend, aber auch sehr belebend und vielleicht sind mir gerade deshalb so viele Dinge so stark in Erinnerung geblieben. Rückblickend war die Tour an der Mosel von der Quelle in den Vogesen bis zur Mündung in den Rhein bei Koblenz insofern besonders, als dass sie die letzte unserer mehrwöchigen Radtouren war (wobei wir das damals noch nicht wussten).
Ich nehme nicht nur meine Reisetagebücher immer wieder gerne zur Hand, sondern auch die Fotoalben, die ich dazu gestaltet habe. Und auch wenn wir jetzt nicht mehr mit Fahrrad und Zelt unterwegs sind, so werden es doch weiterhin immer mehr Reisetagebücher und Fotoalben, denn ich schreibe weiterhin die Erlebnisse eines Tages auf, wenn wir unterwegs oder im Urlaub sind. So wächst meine Sammlung an schönen Erinnerungen stetig und ich bin immer wieder erstaunt und unglaublich dankbar dafür, was ich alles schon erleben durfte – und sei es auch nur die Erinnerung an einen netten Engländer, der uns – auf besagter Mosel-Tour – auf einem Campingplatz ein paar Melonenschnitze bringt, als er sieht, wie ausgelaugt wir von einem heißen Tag auf dem Fahrrad sind und nur noch im Schatten sitzen wollen… oder die Erinnerung an Fritzi, ein temperamentvoller Rappe, der auf einem Reiterhof mit Campingplatz an der Donau jedes Mal seine Hufe gegen seine Box donnert und mit den Augen rollt, wenn wir das Klo aufsuchen, das sich genau gegenüber seiner Box befindet… Es sind eben nicht unbedingt (nur) die „großen“ Erlebnisse oder die kulturellen Höhepunkte, die eine (Rad-)Reise unvergesslich machen…!
P.S. Wer keine Reisetagebücher oder schöne Fotoalben besitzt, dem kann ich für das „In Gedanken verreisen“ auch jede Menge guter Bücher empfehlen! In meiner Serie „Berührende Bücher“ schreibe ich Buchempfehlungen – hier geht es zum erklärenden Beitrag „Noch mehr berührende Bücher“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.
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