(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Berührende Bücher“. Hier geht es zum erklärenden Beitrag „Noch mehr berührende Bücher“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)
Sommerzeit ist Ferienzeit ist Lesezeit – deshalb gibt es heute einen längeren Beitrag mit einer ganzen Auswahl von Büchern, denn grad drei Reihen von verschiedenen Verlagen beschäftigen sich mit dem Leben und Arbeiten von Frauen und wie sie dadurch die Welt verändert haben. Ich schreibe bewusst nicht „berühmte Frauen“, denn wer kennt zum Beispiel den Namen „Alice von Battenberg“? Bis ich das Buch über sie entdeckt habe, hatte ich ihn jedenfalls noch nie gehört, obwohl die Prinzessin mit dem griechischen König verheriratet und die Mutter von Prinz Philip (Ehemann von Königin Elizabet II.) war (allerdings kenne ich mit royalen Fragen auch nicht sonderlich aus). Die Bücher sind von verschiedenen Autorinnen und Autoren geschrieben und es erscheinen immer noch neue.
Bei den ersten Büchern bin ich noch davon ausgegangen, dass es sich um ein historisch belegtes und realistisches Zeitdokument handelt, doch nach ein paar Büchern musste ich festgestellen, dass es meist mehr um die Erzählung einer Geschichte mit einem wahren Hintergrund geht (deshalb wird dafür auch oft der Begriff „Romanbiografie“ verwendet). Da wird für einen spannenderen Verlauf der Erzählung schon mal eine fiktive Liebesgeschichte oder eine Romanze eingefügt oder es werden Begebenheiten abgewandelt, um das ganze interessanter zu machen. Fast durchweg sind auch alle Dialoge (frei) erfunden. Wer sich daran nicht stört, wird mit guter Unterhaltung belohnt. Bei den meisten Büchern wird im Nachwort erklärt, was historisch belegt ist (und was nicht).
Ich werde – auch wenn es bei jeder Reihe weit mehr Bücher gibt – nur über diejenigen schreiben, die ich (bisher) selber gelesen habe – und zwar in der Reihenfolge, in der ich sie gelesen habe.
Die Reihe, von der ich bis jetzt am meisten Bücher gelesen habe, heißt:
Bedeutende Frauen, die die Welt verändern (Piper):
In dieser Reihe gibt es inzwischen über 20 Bände, wobei der Titel nicht unbedingt in erster Linie auf den Namen der Frau hinweist, sondern darauf, was sie (aus)gemacht und erreicht haben – zum Beispiel handelt das Buch „Die vergessene Prinzessin“ von Alice von Battenberg (mehr zu ihr siehe oben in der Einleitung). Eine Übersicht über die ganze Reihe „Bedeutende Frauen, die die Welt verändern“ gibt es auf der Internet-Seite des Verlags: www.piper.de (abgerufen am 14. August 2024). Bisher habe ich aus dieser Reihe folgende Bücher gelesen:
Bertha von Suttner – Botschafterin des Friedens (Eva Grübl, erschienen 2022): Sie war die erste weibliche Nobel-Preisträgerin. Sie erhielt den Friedensnobelpreis, der auf ihre Initiative zurück geht, denn sie hat in Paris für Alfred Nobel gearbeitet und damit als verarmte Gräfin selber für ihren Lebensunterhalt gesorgt – damals, im Jahr 1876, schon fast ein Skandal. Doch die Liebe ist stärker und so kehrt sie nach Wien zurück, wo sie sich – während ihrer Arbeit als Gouvernante – in Baron von Suttner verliebt hat und deshalb nach Paris „geflohen“ war. Doch die Familie von Suttner war gegen eine Ehe der beiden, so dass sie heimlich heirateten und danach Jahre im Exil verbrachten. Dort sorgte Bertha mit ihrer schriftstellerischen Tätigkeit für den Lebensunterhalt – besonders ihre Schriften über den Frieden erregen große Aufmerksamkeit.
Die Heilerin vom Rhein (Jørn Precht, erschienen 2023): Als Heilerin vom Rhein wird hier Hildegard von Bingen bezeichnet und interessanterweise bringt mich das Lesen dieses Buches dazu, den historischen Roman „Der Gesang der Bienen“ von Ralf H. Dorweiler zu lesen, da in seiner Geschichte Hildegard von Bingen eine äußerst wichtige Rolle spielt und über Leben und Tod entscheidet (im Beitrag „Wo Geschichte lebendig wird“ schreibe ich mehr darüber). Doch zurück zur „Heilerin vom Rhein“: die junge Hildegard kommt zuerst ins Männerkloster auf dem Disiboden und gründet dort ihre erste Frauengemeinschaft. Die Frauen führen ein karges Leben, da das Geld, das junge Frauen bezahlen, um im Kloster aufgenommen zu werden, an das Männerkloster geht. Doch Hildegard gibt den Traum eines eigenen Frauenklosters mit mehr Selbstbestimmung nicht auf. Als sie die Vision eines Klosters auf dem Rupertsberg oberhalb von Bingen am Rhein ereilt, macht sie sich mit ihren Schwestern auf den Weg ins Ungewisse. Noch heute ist Hildegard von Bingen als Heilkundige bekannt und wird als Heilige verehrt.
Sisis Schwester (Eva-Maria Bast, erschienen 2023): Seit den kitschigen Sissi-Filmen aus den 50-Jahren kenne ich mich ein bisschen mit den Prinzessinnen von Bayern aus und so ist mir der Titel „Sisis Schwester“ natürlich sofort ins Auge gesprungen. Erst habe ich gedacht, dass es sich dabei um die Geschichte ihrer älteren Schwester Helene, der vom österreichischen Kaiser verschmähten „Nené“ handelt (was ja sicher auch sehr spannend wäre), aber es geht im Buch um die jüngste Schwester: Sophie Charlotte von Bayern. Bei den politischen Verhältnisse dieser Zeit blicke ich manchmal nicht ganz durch, aber mir war gleich klar, dass das Leben der erwachsenen Sophie ebenso vom (drohenden) Krieg zwischen Österreich und Deutschland beeinflusst wird wie die Hauptperson des Buches „Die Magd des Gutsherrn“, (mehr dazu im Beitrag „Im Schwarzwald“). Doch zurück zu ihrer (unbeschwerten) Kindheit und Jugend: Mutter Herzogin Ludovika drängt auf eine Vermählung mit König Ludwig II. von Bayern, den Sophie seit Kindsbeinen kennt. Doch Ludwig will gar nicht heiraten (und bleibt dann auch zeitlebens ledig) und löst die Verlobung auf, nachdem bekannt wird, dass Sophie einen Bürgerlichen trifft. Flugs findet sich dann ein französischer Herzog, mit dem sie verlobt wird. Doch das Leben einer fügsamen Ehefrau und Mutter enstpricht ihr einfach nicht und so begehrt sie immer wieder gegen die Konventionen ihrer Zeit und des Adelsstandes auf.
Die Meisterin der Wachsfiguren (Anna-Luise Melle, erschienen 2023): Wer über das Leben von Marie Tussaud lesen möchte, sollte sich nicht vor Blut gruseln, denn es wird nicht nur beschrieben, dass bei der französischen Revolution eine ganze Reihe von Adligen inklusive König und Königin geköpft werden, sondern Marie Tussaud fertigt von den Köpfen auch noch Wachsfiguren an… so sehr mich die Geschichte von Marie Tussaud interessiert und fasziniert hat – sie beginnt im Elsass (bei Strassburg), führt dann nach Paris (und dort für mehrere Jahre an den Königshof in Versailles) bis sie schließlich nach England auswandert, so erschreckend fand ich zwischendurch die Welt, in der sie (über)leben musste. Es ist ausserordentlich bemerkenswert, dass Marie, die mit ihrer Mutter bei Philippe Curtius lebte – er war Wachsbildner, ihre Mutter war seine Haushälterin (und Geliebte) – nach langem Ringen eine Lehre bei ihrem „Onkel“ (wie sie Curtius nannte) machen durfte. Sie arbeitete als unverheiratete Frau und verdiente sich ihren Lebensunterhalt, was für die damalige Zeit mehr als ungewöhnlich war – und auch nicht von allen goutiert wurde. Doch Marie tat, was sie für richtig hielt – und hinterlässt der Welt ein besonderes Vermächtnis. Bis zu ihrem Tod soll sie in ihrem Wachsfigurenkabinett in London gearbeitet haben.
Die Löwin von Kenia (Lea Kampe, erschienen 2022):Erst neulich habe ich beim Stöbern im Internet dieses Buch der Reihe entdeckt (und gleich in meine Lieblingsbuchhandlung, die BuchEule in Kandern bestellt): „Die Löwin von Kenia“ über Karen Blixen (Baroness von Blixen, genannt Tanne), der dänischen Schriftstellerin, die viele Jahre auf einer Kaffeefarm in Kenia gelebt hat. Ich „kenne“ Karen Blixen aus dem Roman „Ein dänischer Winter“, wo sie nicht nur mich, sondern auch das Dienstmädchen beeindruckt (mehr zu diesem Buch im Beitrag „Lesenswerte Bücher“). Umso mehr war ich gespannt auf ihre Geschichte, denn es war für damalige Verhältnisse schon ungewöhnlich, dass eine Dänin allein auf einer Farm in Afrika lebt und sich dort – im ganz im Gegensatz zu anderen Europäern – auch um die einheimischen Arbeiterfamilien kümmert, die auf der Farm leben. Sie baut eine medizinische Versorgung und eine Schule auf. Nicht nur Bücher erzählen ihr ungewöhnliches Leben, sondern auch der Film „Out of Africa“ (Jenseits von Afrika) aus den Achtzigern.
Eine andere Reihe widmet sich mehr den Frauen in der Kunst und nennt sich deshalb:
Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe (atb):
Auch hier gibt es bereits über 20 Bände, welche die ganze Bandbreite künstlerischen Schaffens abdecken: von Malerinnen über Modemacherinnen und Schauspielerinnen bis hin zu Schriftstellerinnen. Eine Übersicht aller Bände gibt es auf der Internet-Seite des Verlags: www.aufbau-verlage.de (abgerufen am 14. August 2024). Bisher habe ich in dieser Reihe folgende Bücher gelesen:
Madame Picasso (Anne Girard, erschienen 2020): Es ist schon eine Weile, seit ich diesen Roman über die junge Eva Gouel gelesen habe. Weil sie den von ihren Eltern ausgesuchten Mann nicht heiraten will, flüchtet sie nach Paris. Dort findet sie dank einer Freundin eine Stelle als Näherin im bekannten Moulin Rouge. Flink bessert sie – sogar in den Pausen der Vorstellung – die Kostüme der Tänzerinnen aus. So wird Mistinguett, der Star der Tanzshow, auf sie aufmerksam und Eva gelangt in den Gesellschaftskreis, in dem sich auch der junge Pablo Picasso bewegt. Sie verliebt sich in den faszinierenden Mann, versucht ihm aber auszuweichen, als sie erfährt, dass er seit Jahren mit Fernande Olivier zusammen ist. Als er sich von Fernande trennt, steht ihrem Glück nichts mehr im Weg. Doch dann wird Eva krank…
Die Malerin des Nordlichts (Lena Johannson, erschienen 2019): Dieses Buch erzählt die Geschichte von Signe Munch, der Nichte von Edvard Munch („Der Schrei“). Als Jugendliche lernt sie bei ihrem Onkel malen und das freie Leben der Olsoer Künstlerszene kennen. Doch ihr Mann hat keinerlei Verständnis für ihre Malerei. Sie lässt sich schließlich scheiden, um sich ganz ihrer Kunst widmen zu können und nimmt Unterricht beim Sohn von Paul Gauguin. Sie will ein Werk hinterlassen, das die Menschen bewegt. Als sie sich in Einar verliebt, der sich vor dem zweiten Weltkrieg dem Widerstand anschließt, nimmt ihr Leben eine tragische Wende.
Astrid Lindgren (Susanne Lieder, erschienen 2022): Wer kennt sie nicht, die Schöpferin der Figuren Ronja Räubertochter, Pippi Langstrumpf, Die Kinder von Bullerbü, Tomte Tumetot, Michel in der Suppenschüssel und wie sie alle heißen? Wobei sie den Namen „Pippi Langstrumpf“ ihrer Tochter Karin verdankt: als diese nämlich krank war, bat sie eines Abends ihre Mutter, ihr von „Pippi Langstrumpf“ zu erzählen – und so hat Astrid Lindgren der Figur ein ganz besonderes Leben eingehaucht, das ihr erstes veröffentlichtes Kinderbuch wurde. Dadurch erhielt sie auch eine Anstellung bei einem Verlag. Ihr Privatleben war allerdings nicht immer so harmonisch, wie es ihre beliebten Kinderbücher vermuten ließen. Viel zu früh bekommt sie ein uneheliches Kind (der Vater ist bereits anderweitig verheiratet) und muss Lasse, wie ihr Sohn heißt, fürs erste bei dänischen Pflegeeltern aufwachsen lassen. Als sie schließlich von einem Automobilclub in Stockholm als Sekretärin angestellt wird, wo sie Sture Lindgren – ihrem späteren Ehemann – begegnet, kann sie Lasse endlich zu sich nehmen und beginnt, ihm abends und wenn er krank ist, Geschichten zu erzählen. Doch das Los einer Alleinerziehenden in Stockholm ist hart und so gibt sie Lasse schließlich zu ihren Eltern auf den Hof, auf dem sie aufgewachsen ist, damit er eine ebenso unbeschwert und frei aufwachsen darf wie sie selber (was ihr später eine unerschöpfliche Inspirationsquelle sein wird). Erst als sie mit Sture Lindgren verheiratet ist, kann sie ihren Sohn wieder zu sich erholen und ihre Tochter Karin wird geboren. Doch auch wenn sie zeit ihres Lebens heitere Kindergeschichten schreibt, so leidet sie doch auch genauso lange an der schwierigen Beziehung zu Lasse und darunter, dass sie sich nicht so um ihn kümmern konnte, wie sie das gerne getan hätte. Vielleicht sind ihre Geschichten gerade deshalb so heiter und unbeschwert, um gerade solchen Kindern, die in schwierigen Verhältnissen aufwachsen, zumindest für eine Weile eine Zuflucht in eine heile Welt zu ermöglichen? Ich lese die Bücher von Astrid Lindgren jedenfalls immer noch sehr gerne (immer wieder), auch wenn ich schon längst erwachsen bin… und vielleicht ist gerade das ihr ganz eigener Zauber.
Bei der dritten Serie ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, welche Bücher dazugehören, da die Bände zum Teil in unterschiedlicher Aufmachung erscheinen, gemeinsam ist ihnen aber das Thema:
Ikonen ihrer Zeit – diese Frauen veränderten die Welt und schrieben Geschichte (ullstein)
In dieser Reihe sind bisher insgesamt 12 Bände erschienen, darunter sind so bekannte Namen wie Marie Curie, Audrey Hepburn, Josephine Baker, Maria Anna Mozart und Blanche Monet. Eine Übersicht gibt über alle Bücher gibt es hier: www.ullstein.de (abgerufen am 21. August 2024).
Bisher habe ich folgende Bände gelesen:
Diana – Königin der Herzen (Julie Heiland, 2021, Band 5): Normalerweise interessiere ich mich nicht besonders für das Leben in den verschiedenen Königshäuser Europas. Doch wen hat das Schicksal von Diana nicht berührt? In diesem Buch erfahren wir mehr über ihre große (und verhängnisvolle) Liebe zu Prinz Charles und auch über ihre (unglückliche) Kindheit (ihr Vater hat sich einen Sohn gewünscht und jetzt wurde es schon wieder nur ein Mädchen!). Auch warum sie immer wieder im Königshaus angeeckt hat: sei es, weil sie sich in der Küche des Buckingham Palace hat blicken lassen (zu diesem Vorfall wurde sie persönlich zur Queen bestellt) oder dass sie einfach an ein Popkonzert geht und dort ausgelassen tanzt (allerdings streng bewacht von ihren Leibwächtern). Das Leben der Märchenprinzessin, dass sie sich nach der Verlobung mit Prinz Charles in den buntesten Farben ausgemalt hat, ist leider nicht so schillernd, wie sie sich das vorgestellt hat. Und so nimmt die tragische Geschichte ihren Lauf…
Margarete Steiff – Teddybären und Kinderträume (Kristina Lüding, 2022, Band 7): Giengen an der Brenz: Als Kleinkind erkrankt sie an Kinderlähmung und kann seitdem ihre Beine und ihren rechten Arm nicht mehr bewegen – so wird Margarete Steiff schon früh zu einer schweren Belastung ihrer Eltern. Um unabhängiger zu werden, besucht sie eine Nähschule und eröffnet schließlich gemeinsam mit ihren beiden Schwestern eine Näherei. Als ihre Schwestern heiraten, führt sie die Näherei im Haus ihrer Eltern allein weiter. Da sie mit der Arbeit – dem Ausbessern von kaputter Kleidung, die ihr die Frauen aus der Nachbarschaft bringen – kaum mehr nachkommt, bittet sie ihren Bruder Fritz, ihr eine Nähmaschine zu besorgen. Da sie die Maschine mit dem rechten Arm aber nicht bedienen kann, dreht sie diese einfach um! Schon bald flickt sie nicht nur, sondern näht auch Kinderkleider und beschäftigt bald die ersten Arbeiterinnen. Als sie in einer Modezeitschrift das Schnittmuster für ein Nadelkissen in Elefantenform sieht, näht sie (nur aus Filzresten aus der Näherei) für einen Markt zwei Säcke voll „Elefäntle“ – jedes bekommt einen andersfarbigen Sattel, die Augen werden von Hand gestickt. Ihr Bruder Fritz, der am Markt teilnimmt, kommt mit zwei leeren Säcken heim – die „Elefäntle“ verkauften sich wie warme Semmeln! Nicht nur die Frauen habe Freude am besonderen Nadelkissen, sondern auch die Kinder sind ganz hingerissen – das erste Stofftier der Marke Steiff ist geboren… der Teddybär folgt erst viel später, als schon längst ihre Neffen Richard und Franz (Söhne von Bruder Fritz) die Firma führen, die inzwischen eine große Fabrik geworden ist.
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