Mit Pfeil und Bogen

(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Berührende Bücher“. Hier geht es zum erklärenden Beitrag „Noch mehr berührende Bücher“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)

Vor ein paar Tagen habe ich wieder einmal zu einem historischen Roman gegriffen. Wie ich schon im Beitrag „Wo Geschichte lebendig wird“ beschrieben habe, sind solche Bücher nicht immer mein Ding. Doch als ich neulich unser Bücherregal aufgeräumt habe, ist mir „Die Bogenschützin“ von Martha Sophie Marcus (erschienen 2013) in die Hände gekommen und das hat natürlich sofort mein Interesse geweckt – wer hier schon länger mitliest, weiß warum: ich bin nämlich selber regelmäßig in Feld und Wald mit Pfeil und Bogen unterwegs (ich schreibe dazu zum Beispiel m Beitrag „Abenteuer in Afrika“). Doch im Gegensatz zu Hedwig, der Hauptperson, natürlich nur zum Spaß und nicht zum Jagen…!

Die Autorin erzählt in diesem Buch die Geschichte von Hedwig von Quitzow. Die Ritterstochter der Burg Friesack in der Mark Brandenburg flieht während eines Kampfes auf der Burg mit ihrer Amme in den nahegelegenen Wald. Die Amme stirbt auf der Flucht und Hedwig landet bei einem Köhler. Von dort wird sie dann aber von Richard, einem geächteten Adligen, der im Wald lebt, weggeholt. Richard bringt ihr nicht nur höfische Manieren bei, sondern auch, wie man im Wald überlebt – und mit dem Bogen Tiere jagt, um etwas zu essen zu haben, aber auch, wie man sich mit dem Bogen verteidigen kann. Erstaunlicherweise scheint niemand Hedwig zu vermissen und sie genießt das neue Leben bei ihrem liebevollen Ziehvater.

Doch als dieser stirbt, muss sie in die Welt hinaus: sie soll Richards Sohn suchen und ihm das Schwert seines verstorbenen – wirklichen – Vaters überreichen (der Sohn weiß nicht, dass Richard sein Vater ist). Mit Hund und Pferd zieht Hedwig also los – in der weiten Welt sind allerdings längst nicht alle begeistert davon, dass Hedwig von Quitzow nach so vielen Jahren plötzlich wieder auftaucht und dazu auch noch so geradlinig und unerschrocken ihren Weg gehen möchte. Denn natürlich steht es einer Edelfrau nicht an, unaufgefordert bei Hofe zu sprechen, allein auszureiten (und das auch noch auf einem feurigen Hengst anstelle eines braven Zelters), sich selber zu helfen oder was Frauen früher alles noch nicht durften. Doch wenn Hedwig sich in Gefahr sieht, dann sind Pfeil und Bogen ihre ständigen Begleiter, die sie nie ablegt, ganz egal, was ihre (männliche) Begleitung dazu meint. Sie hat bei Richard auch gelernt, wie sie einen Bogen bauen kann und weiß, dass Pfeile und Bogen aufeinander abgestimmt sein müssen, damit die Pfeile nicht zerbrechen und auch treffen – was bei einem Turnier, an dem sie teilnimmt, eine große Rolle spielt.

Besonders interessant fand ich auch die Stelle, als Hedwig auf einer Reise in der Nähe der Stadt Ofen (heute Buda als Teil von Budapest in Ungarn) auf eine Frau trifft, die ebenfalls mit Pfeil und Bogen jagt. Im Gegensatz zu Hedwigs langem Bogen (heute Primitivbogen genannt), hat die Frau einen ganz anders geformten Bogen, den man heute Reiterbogen nennt.

Natürlich ist die Geschichte Hedwigs in die Geschichte des damaligen Europas eingebettet, in der verschiedene Könige, vielen Vogteien und Grafschaften, die sogenannten Hussiten und andere Völker eine große Rolle spielen. Ich habe nicht immer ganz durchgeblickt, wer jetzt gegen wen kämpft oder wer mit wem welches Bündnis eingegangen ist oder eingehen wollte, aber das tat der Lesefreude keinen Abbruch. Alles in allem nicht nur für Bogenschützen ein spannender und unterhaltsamer Lesestoff!

P.S. Übrigens noch eine kleine Ergänzung zum Beitrag über die historischen Dorweiler-Romane (Wo Geschichte lebendig wird), den ich im ersten Satz dieses Beitrags erwähne: nachdem mich „Die Bogenschützin“ wieder auf den Geschmack historischer Romane gebracht hat, bin ich inzwischen gerade dabei, den Roman „Das Geheimnis des Glasbläsers“ (erschienen 2018) zu lesen – auch sehr empfehlenswert!

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