(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Redewendungen“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Was macht der Storch im Salat?“ und zur Übersichtsseite.)
Eigentlich möchte ich ja immer passende Redewendungen zusammenfassen und ausführlich zu einem bestimmen Thema schreiben (das wäre hier „Wasser“). Aber meine Liste mit Redewendungen wird pratkisch täglich länger, ganz abgesehen von den vielen Entwürfen, die ich bereits auf dem Computer gespeichert habe.
Ich habe deshalb beschlossen, zwischendurch – wie jetzt eben – auch mal nur kurz und knapp eine einzelne Redewendung zu erklären und zwar solche, die mir grad kürzlich begegnet sind und mir besonders auf- oder gefallen (und deshalb quasi zu „schade“ sind, einfach in eine Liste aufgenommen zu werden).
Wir haben in unserem Garten eine Tamariske (die stand schon dort, als wir das Haus gekauft haben), das ist ein Baum/Strauch aus dem Mittelmeerraum, der im Frühling über und über mit zartrosa Blüten bedeckt ist und danach so eine Art grüne Nadeln ausbildet. Wahrscheinlich hätten wir einen anderen Baum ausgesucht, aber da wir nicht alles abholzen wollten, durfte die Tamariske stehen bleiben. Wir haben sie immer wieder einmal geschnitten – nicht sehr professionell, sondern einfach die Äste weg, die uns im Weg waren. Mit der Zeit sah der arme Baum/Strauch dann eher wie ein Gestrüpp aus. Da wir auch noch eine Buche im Garten haben, die uns über den Kopf wächst, hatten wir neulich den Gärtner da, damit er beide Bäume stutzt. Da wir anderweitig einen Termin hatten, konnten wir bei der Baumschneide-Aktion nicht dabei sein… als wir nach Hause kommen, sieht unsere Tamariske doch deutlich anders aus als zuvor…! Ich bin erst etwas entsetzt, stelle dann aber beim zweiten Blick fest, dass die Tamariske jetzt wieder wie ein Baum aussieht und nicht mehr wie ein Gestrüpp. Als ich dann aber später aus dem Wohnzimmerfenster schaue, rufe ich doch noch mal aus: „Oje, da ist ja der ganze Sichtschutz weg!“ – und da kommt mein Mann mit der lustigen Redewendung um die Kurve! Er sagt nämlich: „Sei doch froh, dass die Tamariske jetzt wieder wie ein Baum aussieht und nicht mehr wie ein Schluck Wasser in der Kurve!“
Im Duden habe ich die Redewendung nicht gefunden, aber unter www.redensarten-index.de (abgerufen am 19.02.2024) finde ich folgenden Eintrag: „Umgangssprachlich. Vermutlich ist es die Vorstellung von Gestaltlosigkeit und Bedeutungslosigkeit einer kleinen Menge Wasser, die sich bei einer Fahrt durch eine Kurve durch die Fliehkraft nach außen verformt. Die Redensart dürfte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden sein.“
Ich habe mich jedenfalls über die Vorstellung von Wasser in einer Kurve amüsiert – und mich inzwischen an unseren „neuen“ Baum im Garten gewöhnt – hoffentlich fängt er bald an zu bühen!
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