Warum die Fasnacht alt sein kann

(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Redewendungen“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Was macht der Storch im Salat?“ und zur Übersichtsseite.)

Als ich neulich in einer Chat-Gruppe auf eine (baseldeutsche) Redewendung stoße, schmunzle ich: es ist schon interessant – und auch lustig! – wo Redensarten auftauchen. An Inspiration fehlt es mir jedenfalls nicht, im Gegenteil, die Notizen stapeln sich bereits fast so hoch wie das Holz für das inzwischen abgebrannte Fasnachtsfeuer (mehr dazu im Beitrag „Ein neues Wort“).

Aber zurück zum Chat: Meine Schwester schreibt in einem Beitrag, sie komme „wie die alti Fasnacht daher“ und meint damit, sie hätte noch einen Nachtrag (zu etwas bereits Geschriebenem). Ich kenne den Ausdruck natürlich, verwende ihn allerdings selten. Auch mein Mann kennt die Redewendung, sagt allerdings im Alemannischen „Fasnet“ (und nicht Fasnacht).

Wie ist es nun zur Redewendung „wie die alti Fasnacht“ gekommen? Die Fastenzeit, die ja (normalerweise) nach der Fasnacht beginnt, dauert vierzig Tage. Früher wurde auch am Sonntag gefastet, doch das wurde irgendwann abgeschafft. Damit trotzdem vierzig Tage gefastet wurde, hat man einfach den Beginn der Fastenzeit um sechs Tage vorverlegt. Dabei zogen nicht alle Regionen mit, sondern behielten ihren ursprünglichen Fastnachtsbeginn bei. Dies wird heute meist Bauernfasnacht genannt – im Gegensatz dazu die „vorverlegte“ Fasnacht „Herrenfasnacht“. Wer es genauer wissen will – ehrlich gesagt habe ich nämlich selber nicht so ganz begriffen, wie das nun genau gezählt wird – hier die Links zu den verschiedenen Quellen, die ich herangezogen habe:

  • Allgemein zum Begriff „Alte Fasnacht“: de.wikipedia.org (abgerufen am 12. Feb. 2024)
  • Eine Erklärung mit der anderen Zählart der Fastentage als früher: www.redensarten-index.de (abgerufen am 12. Feb. 2024)
  • Eine einfache Erklärung gibt es hier: www.geo.de (abgerufen am 12. Feb. 2024)

Die Badische Zeitung schreibt noch dazu: „Die Verschiebung der Fastenzeit um sechs Tage nach vorne konnte sich jedoch am Hochrhein gegenüber der früheren Tradition nicht überall durchsetzen, wie in Basel und in Teilen des Markgräflerlandes, wo man am Termin der „Alten Fastnacht“ als „Bauernfastnacht“ gegenüber der neuen „Herrenfastnacht“ weiter festhielt, so dass hier die Fastnachtszeit erst beginnt, wenn sie anderswo bereits zu Ende ist.“ (www.badische-zeitung.de, abgerufen am 12. Feb. 2024) – wobei ich noch nie gehört habe, dass die Basler Fasnacht als Bauernfasnacht bezeichnet wird. Die Basler Fasnacht – die übrigens heute morgen um vier Uhr in der Früh mit dem „Morgestraich“ begonnen hat – wird  einfach als „die drei scheenschte Dääg“ bezeichnet und wurde übrigens 2017 von der UNESCO in die Liste zum immateriellen Kulturerbe aufgenommen (www.fasnachts-comite.ch, abgerufen am 19. Feb. 2024).

P.S. Wer noch mehr über andere Redensarten im Dialekt wissen möchte: im Beitrag „Was steckt im Dialekt?“ schreibe ich darüber.

4 Gedanken zu „Warum die Fasnacht alt sein kann“

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