(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Sprache“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Sprache“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)
Bereits mehr als mannshoch türmt sich der Holz- und Grünschnitthaufen auf dem Fasnachtsfeuerplatz unserer Gemeinde und lässt erahnen, wie hoch die Flammen des Fasnachtsfeuer lodern werden! Den Brauch des Fasnachtsfeuers kenne ich aus der Schweiz nicht, auch wenn es laut meiner Internet-Recherche zu diesem Thema den Brauch dort in verschiedenen Orten gibt. Bei uns wird das Feuer nicht nur Fasnachts-, sondern auch Scheibenfeuer („Schiibefüür“) genannt, denn es werden auch Holzscheiben im Feuer zum Glühen gebracht und dann in die Landschaft geschleudert, meist begleitet von einem launigen Vers. Bei Wikipedia habe ich einen ausführlichen Artikel zum Thema „Scheibenschlagen“ gefunden, wer sich hierfür interessiert: https://de.wikipedia.org/wiki/Scheibenschlagen (abgerufen am 12. Feb. 2024)
Doch das neue Wort, das ich im Zusammenhang mit dem Fasnachtsfeuerplatzes unserer Gemeinde (kennen-)gelernt habe, hat auf den ersten Blick gar nichts damit zu tun. Am Fasnachtsfeuerplatz gibt es nämlich eine Hütte, oder besser gesagt, es gab eine, die schließlich abgerissen werden musste, weil sie zu marod war. Da aber am Fasnachtsfeuerplatz nicht nur das Fasnachtsfeuer entzündet wird, sondern die Gruppe der Feuerbauer (mehr dazu in „Wintersonnwende“) auch ein Sommer- und ein Wintersonnwendfeuer, manchmal auch ein Herbstfeuer oder im vergangenen Dezember ein Adventsfeuer organisiert, war der Wunsch nach einer neuen Hütte groß, denn an den Feuern gibt es natürlich auch etwas zu essen und zu trinken und dazu braucht es ja irgendwo einen geschützten Platz. Doch leider liegt der Fasnachtsfeuerplatz weitab von jeglicher Bebauung, weshalb nach einer Lösung gesucht wurde, wie ein solcher Bauantrag trotzdem genehmigt werden würde, denn außerhalb der (geschlossenen) Bebauung darf meist nicht gebaut werden. Die Lösung liegt in einem – mir völlig unbekannten – Wort, das vielleicht auch extra für diesen Bauantrag „erfunden“ wurde, vielleicht aber auch wirklich im Vokabular der deutschen Baubehörden existiert (ich habe allerdings keine derartigen Informationen gefunden): es wird nicht irgendeine Hütte gebaut, sondern eine Brauchtums-Schutz-Hütte (Schreibweise gemäß der Einladung zur Einweihung im Gemeindeblatt Vorderes Kandertal vom 5. Dezember 2023) – wobei mir nicht ganz klar ist, ob das nun eine Schutzhütte für diejenigen ist, die das Brauchtum schützen oder ob die Hütte in erster Linie dazu da ist, das Brauchtum zu schützen…??? Egal, das Landratsamt war quasi „ausgetrickst“ und „wir“ haben unsere Hütte am Fasnachtsfeuerplatz bekommen (und ich eine schöne Idee für meinen ersten Beitrag in dieser neuen Serie „Sprache“!) – auch wenn vermutlich kein Mensch jemals dies sperrige Wort „Brauchtums-Schutz-Hütte“ verwenden wird…
P.S. Was mir zum Thema „sperrige“ Wörter noch in den Sinn gekommen ist (und ich auch erst seit meinem Umzug nach Deutschland kenne): die Abkürzung ZOB. Sie steht für „Zentraler Omnibus-Bahnhof“ und als ich diese zum ersten Mal im Zusammenhang mit unserer Gemeinde lese, habe ich mich doch etwas darüber amüsiert, denn was hier ZOB genannt wird, ist einfach eine ganz normale, nicht einmal besonders häufig angefahrene Bushaltestelle…
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