So ein Käse

(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Redewendungen“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Was macht der Storch im Salat?“ und zur Übersichtsseite.)

Als ich neulich die Zeitung „Der Sonntag“ – eine Zeitung, die wir am Wochenende kostenlos erhalten – durchgeblättert habe, bin ich in einem Artikel auf den Begriff „pflanzlicher Käse“ gestoßen und habe gedacht: „So ein Käse!“ Denn für mich ist Käse nun wirklich nicht pflanzlich und Wikipedia stimmt mir da auch zu (de.wikipedia.org, 16.08.2023) – nur der Duden schreibt dazu nichts näheres. Auch wenn ich nachvollziehen kann, dass die Ernährungsmittelindustrie (oder deren Marketing) der Einfachheit halber Begriffe wie eben „pflanzlicher Käse“ oder „vegetarisches Schnitzel“ geprägt hat, so sind sie in meinen Augen doch schlicht und einfach verkehrt – Käse eben! Andererseits – ohne diesen Begriff würde es diesen Blogbeitrag nicht geben… (Übrigens: der sogenannte pflanzliche „Käse“ wird aus Blumenkohl und Cashew-Nüssen hergestellt.)

Interessanterweise schreibt der Duden nichts über die Redewendung „so ein Käse“ (oder auch „das ist Käse“), dafür werde ich bei einem – echten! – Käseproduzenten fündig. Auf www.bergader.de (abgerufen am 16.08.2023) steht folgendes zu „das ist Käse“: „Die Redewendung stammt aus einer Zeit, in der Milch und Milchprodukte überall leicht zu bekommen waren, sie galten als etwas Einfaches, nichts Besonderes. Das Wort Käse wurde daher wahrscheinlich gewählt, um bildlich Geringschätzung auszudrücken.“ Und weil ich ja ein Herz für Wörter habe, die langsam in Vergessenheit zu geraten scheinen, hier noch die Erklärung für den „Dreikäsehoch“: „Ob der „Dreikäsehoch“ – redensartlich die Bezeichnung für ein kleines, etwas vorlautes Kind – wirklich etwas mit Käse zu tun hat, ist heute nicht mehr eindeutig zu klären. Der Begriff stammt aus dem 18. Jahrhundert und könnte auf aufgestapelte Käselaibe als „Maßeinheit“ für freche Knirpse zurückgehen. Abstammen könnte der Begriff aber ebenso vom französischen „caisse“ für Kiste oder Kasten, was die Frechdachse etwas größer machen würde. Übrigens: Der „Dreikäsehoch“ gehört seit 2007 zu einem der „schönsten bedrohten Worte“ der deutschen Sprache.

Übrigens finde ich bei meiner Suche nach „Käse“ im Duden Band 1 (Die deutsche Rechtsschreibung) den Begriff „Käseblatt“. Ich kann mich daran erinnern, dass meine Mutter diesen Ausdruck auch verwendet hat und zwar ganz im Sinne der Erklärung im Duden: „umgangssprachlich für niveaulose (Provinz)zeitung“ – was der obenerwähnte „Der Sonntag“ aber nicht ist – auch wenn darin manchmal Käse steht…

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