(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Redewendungen“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Was macht der Storch im Salat?“ und zur Übersichtsseite.)
Im Beitrag „Auf hoher See“ erwähne ich die Redewendung „weder Fisch noch Vogel“, führe sie dort allerdings nicht weiter aus, weil ich – und meine Großcousine (mehr zu dieser hilfsbereiten und sprach-verrückten Verwandten im Beitrag „Noch mehr zum Sieb“) – so viel Material zusammengetragen haben, dass es für diesen eigenen Beitrag reicht. Denn seltsamerweise stoße ich bei der Suche nach einer genauen Erklärung und einer möglichen Herkunft immer auf die Redewendung „weder Fisch noch Fleisch“ – nur in einem Forum im Interent finde ich den Hinweis, dass „weder Fisch noch Vogel“ vermutlich nur in der Schweiz verwendet wird. Interessanterweise verwendet auch mein Mann die Redewendung „weder Fisch noch Fleisch“, obwohl er alemannisch spricht und das Schweizerdeutsch, das ich spreche, auch eine Form von Alemannisch ist (was nicht auf alle Dialekte in der Schweiz zutrifft). Was stimmt jetzt also?
Meine Großcousine schreibt dazu: „Ich brauche den Ausdruck „weder Fisch noch Vogel“, wenn etwas völlig unklar ist. Nicht greifbar, zu nichts nütz.“ Ihr Bruder mit Berner Dialekt verwendet dafür den Ausdruck „chasch ghüdere“ – (das) kannst (Du) wegwerfen, in den Abfall geben. „Ghüder“ bedeutet auf berndeutsch Abfall. Und zur Herkunft der Redewendung „weder Fisch noch Fleisch“ schreibt sie, dass „der Ausdruck in der Reformationszeit entstanden sei, als die Katholiken ja freitags kein Fleisch (Vögel als Beispiel?) essen durften, aber Fisch schon. Und mit diesem Spruch habe man die Wankelmütigen bloßstellen wollen, die nicht so recht wussten, ob sie katholisch bleiben oder evangelisch werden wollten.“(Quelle: https://de.wikipedia.org/, 17.07.2023) Und weiter: „Den Bedeutungen vom Internet würde ich noch anhängen: unklar, wankelmütig, eben nicht greifbar. Und mir gefällt vom Rhythmus her „weder Fisch noch Vogel“ besser, trotzdem „Fisch noch Fleisch“ eine Alliteration ist. Hat das Hand und Fuss :-))?“ (Anmerkung zur Schreibweise von „Fuss“: in der Schweiz wird der Buchstabe „ß“ nicht verwendet.)
Und damit hat sie mich auf eine weitere (interessante) Redewendung geschickt, die ich hier gleich erklären möchte: „Hand und Fuß haben“ bedeutet „vollständig, in Ordnung sein“ schreibt Gerhard Wagner in „Schwein gehabt!“ auf Seite 14. Weiter schreibt Wagner: „Diese Redensart geht auf eine altdeutsche Rechtsformel zurück, nach der ein Ritter, also ein wehrhafter Mann, nach damaligem Verständnis nur kriegstüchtig war, wenn er noch die rechte Hand und den linken Fuß besaß. Mit der rechten Hand führte er das Schwert, und der Fuß, mit dem er in den Steigbügel trat, um sein Pferd zu besteigen, war der linke. Es war eine äußerst schwere, aber oft verhängte Strafe, wenn ein Missetäter dazu verurteilt wurde, eines der beiden oder gar beides abgeschlagen zu bekommen. … Linkshänder taten übrigens gut daran, diese „Andersartigkeit“ zu verschweigen, denn Minderheiten waren im Mittelalter suspekt und konnten leicht auf dem Scheiterhaufen enden.“
Übrigens schreibt auch der Duden nur von „weder Fisch noch Fleisch sein“ und meint damit: „(umgangssprachlich): nicht zu bestimmen, nicht einzuordnen sein; nichts Eindeutiges sein“. Womit die Antwort auf die Frage „Was stimmt jetzt?“ nicht eindeutig ausfällt, sondern je nach Sprachgebrauch eben „weder Fisch noch Fleisch“ oder „weder Fisch noch Vogel“ ist…! Und ja weder Fisch noch Fleisch noch Vogel Hände oder Füße haben… oder?!
#nicolettasamira #Worte_die_verzaubern #blog #serie #redewendungen #fisch #fleisch #vogel #hand #fuß #material #ritter #mittelalter
8 Gedanken zu „Was stimmt jetzt?“