Auf hoher See

(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Redewendungen“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Was macht der Storch im Salat?“ und zur Übersichtsseite.)

Ich komme schon wieder vom Hundertsten ins Tausendste (siehe auch „Von Hundert zu Tausend mit Adam und Eva“), denn während ich vor dem eigentlichen Schreiben dieses Beitrags für die bereits notierten Redewendungen die Erklärungen in den verschiedenen Quellen zusammen suche, stoße ich auf soviele lustige und interessante weitere Redewendungen, die ich unbedingt noch aufnehmen will, dass der Beitrag vermutlich schon wieder viel zu lang wird, obwohl ich zuerst befürchtet habe, dass er – welch Ironie! – mangels Material zu kurz wird und ich noch weitere Redewendungen meiner Liste dazu genommen habe, auch wenn diese nicht zu hundert Prozent zum Thema dieses Beitrags passen…

Aber ich starte jetzt einfach mal und schaue dann, was ich behalte oder über Bord werfe, womit ich bereits bei dieser ersten – ungeplanten, da erst beim Schreiben in den Sinn gekommenen – Redewendung bin! „Über Bord werfen“ steht für „etwas aufgeben, endgültig fallen lassen“, schreibt der Duden Band 11 S. 136. Zur Herkunft schreibt der Duden nichts, aber ich erkläre mir die Redewendung so, dass bei einem Sturm oder einer anderen Gefahr für ein Schiff alles überflüssige, alles unnnötige über Bord geworfen wurde. Wer noch etwas zur Herkunft dieser Redewendung weiß, darf es gerne in die Kommentare zu diesem Beitrag schreiben!

Als ich kürzlich die Redewendung „die Ratten verlassen das sinkende Schiff“ verwendet habe (in welchem Zusammenhang weiß ich leider nicht mehr – ich werde versuchen, mir zukünftig den Zusammenhang zu merken, in welchem ich eine Redewendung verwende, damit die Beiträge anschaulicher werden), ist mir die Idee für diesen Beitrag gekommen. Der Duden (Band 11, S. 603) schreibt zu dieser Redewendung: „die Unzuverlässigen ziehen sich von einem vom Unglück bedrohten Menschen oder Unternehmen zurück“. Hier wird ein alter Seemannsglaube aufgegriffen, nach dem bei einem drohenden Schiffsuntergang die Ratten als Erste das Schiff verlassen.

Zur nächsten Redewendung auf meiner „Auf hoher See“-Liste gehört „weder Fisch noch Vogel“. Allerdings ist es so, dass ich (und andere) bei der Recherche für diese Redewendung so viel Material zusammengetragen haben, dass ich beschlossen habe, dafür einen eigenen Beitrag zu schreiben (hier geht es zum Beitrag „Was stimmt jetzt?“).

Dafür habe ich bei meiner Suche noch mehr interessantes und lustiges zum Thema „Fische“ gefunden, auch Redewendungen, die ich selber manchmal verwende und deren Herkunft ich sogar schon auf einem Schiffsausflug auf der Nordsee beobachten konnte: „die Fische füttern“ bedeutet – (laut Duden) scherzhaft gemeint – nichts anderes als „sich infolge von Seekrankheit über die Reling des Schiffes erbrechen“ (schreibt der Duden, Band 11, S. 226). Wir waren mit der „Wega II“ unterwegs zum einzigartigen Leuchtturm „Roter Sand“ mitten in der Nordsee und das Schiff ist dermaßen stark in der Dünung gerollt, die aufgrund der vergangenen recht windigen Tage entstanden ist, dass ein großer Teil der Passagiere kräftig die Fische gefüttert hat und von der Umrundung des rot-weissen Leuchtturms mit seinen charakteristischen Ecktürmchen nichts oder nur wenig mitbekommen hat. Die bedauernswerten waren leichenblass und hatten trotz des frischen Windes Schweissperlen im Gesicht – zum Scherzen war ihnen bestimmt nicht mehr zumute!

Zur Nordsee passt auch „Butter bei die Fische“! Auch wenn ich die Redewendung nicht verwende, so kenne ich sie doch aus unseren Urlauben an Nord- und Ostsee und weil sie mir so gut gefällt, wird sie hier aufgenommen: „Butter bei die Fische“ bedeutet „keine halben Sachen!“ und wird anscheinend „landschaftlich umgangssprachlich“ verwendet (Duden, Band 11, S. 159). Die Wendung geht laut Duden auf die Vorstellung zurück, dass zu einem Fischgericht unbedingt eine Buttersauce dazu gehört. Hört sich lecker an… aber besser vor dem nächsten Schiffsausflug nicht zuviel Fisch mit Buttersauce essen!

Sowohl zu Fisch wie auch zu Butter gibt es natürlich noch mehr interessante Redewendungen, aber das würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen – und schon habe ich wieder ein Redewendung zu Papier gebracht, die ich gar nicht vorgesehen habe…! Deshalb erkläre ich sie auch gleich: „den Rahmen sprengen“ bedeutet „nicht innerhalb eines vorgegebenen Bereichs bleiben, bei weitem über das Übliche hinausgehen. Das Gegenstück dazu ist dann „im Rahmen bleiben“: „ein angemessenes Maß nicht überschreiten“. “ Und auf der Suche nach der Herkunft des „Rahmens“ stoße ich noch auf die Redewendung „aus dem Rahmen fallen“: „vom Üblichen deutlich abweichen, bestimmten Normen o.Ä. überhaupt nicht entsprechen“. (Alle Bedeutungen aus dem Duden, Bd. 11, S. 599.) Zur Herkunft der Redewendung „aus dem Rahmen fallen“ finde ich folgende interessante Erklärung, die meines Erachtens für alle der drei genannten Redewendungen mit „Rahmen“ passt: „Die Redewendung stammt aus der Drucktechnik. Beim Setzen einer Druckplatte wurden die Lettern in einem Setzrahmen eingespannt. Wenn man den Rahmen hochnahm und nichts herausfiel, konnte er für den Druck verwendet werden, ohne dass man Gefahr lief, dass sich noch etwas verschob.“ (Quelle: https://www.redensarten-index.de/, 14.07.2023)

Und damit dieser Beitrag nicht Schiffbruch erleidet, weil er viel zu lang wird und ihn deshalb niemand liest („Schiffbruch erleiden“ = „Misserfolg haben, (mit etwas) scheitern“, Duden, Bd. 11, S. 661), bleiben die weiteren Redewendungen, die ich noch für diesen Beitrag vorgesehen habe, bis auf weiteres auf meiner Liste und ich werde dazu später mehr schreiben (die Redewendung weder „Fisch noch Vogel“ erkläre ich im Beitrag „Was stimmt jetzt?“, die anderen im Beitrag „Was steckt im Dialekt?„).

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