Vom Hecht in der Suppe

(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Redewendungen“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Was macht der Storch im Salat?“ und zur Übersichtsseite.)

In diesem Beitrag möchte ich ein paar Redewendungen erklären, die ich nicht unbedingt selber verwende, aber die ich irgendwie lustig, interessant oder spannend finde und auf die ich bei meiner Recherche zu anderen Redewendungen oder im Alltag gestoßen bin oder auf die mich andere in irgendeiner Form aufmerksam gemacht haben. Eine solche Redewendung ist zum Beispiel „So ein Lavendel“ (aus einer Zeitschrift).

Im Buch „Woher kommt das schwarze Schaf?“ (von Wolfgang Seidel), das ich von meiner wie ich sprach-verrückten Verwandten bekommen habe (mehr zu dieser Verwandten im Beitrag „Noch mehr zum Sieb“), habe ich folgende Redewendung (inklusive Erklärung) entdeckt, die ich zwar auch schon gehört habe, aber nicht verwende, doch wirklich lustig finde: Es zieht wie Hechtsuppe. Bitte? Es handelt sich hier um eine missglückte Eindeutschung aus dem Jiddischen. Dort bedeutet „hech supha“ Sturmwind. So einfach ist das manchmal mit den Erklärungen! Schade eigentlich…

Als ich besagter Verwandten – die wirklich sehr viel weiß – bei einem Treffen von der Redewendung „umgekehrt wird ein Schuh draus“ erzähle, die mein Mann kürzlich erwähnt hat, reißt sie erstaunt die Augen auf und blickt mich fragend an – es gibt tatsächlich noch sprachliche Besonderheiten, die sie nicht kennt! Die Erklärung dieser Redewendung ist eigentlich ganz einfach und logisch (sie stammt aus dem Buch „Schwein gehabt!“ von Gerhard Wagner, S. 91): Im Mittelalter wurden Schuhe noch anders hergestellt als heute. Sie waren meist eine Lederhülle, die dem Fuß angepasst wurde. Da sich nur reichere Damen und Herren Schuhe leisten konnten, sollten diese natürlich schön aussehen und damit die unschönen Nähte von außen nicht zu sehen waren, wurde der Schuh „auf links“ genäht und dann das genähte Lederstück gewendet (also das Innere nach außen gestülpt) – und schon war ein Schuh daraus geworden. Damit sind wir auch bei der Bedeutung dieser Redewendung: „Die Sache verhält sich gerade umgekehrt“ und ist – wie wahrscheinlich viele dieser Redewendungen – umgangssprachlich, schreibt der Duden (Band 11, S. 681).

Neulich habe ich über dem Kreuzworträtsel aus der Tageszeitung gebrütet. Es ist eines, bei dem um die Ecke gedacht und kombiniert werden muss, um zur Lösung zu gelangen – also nicht: „Hauptstadt der Malediven“ = Malé, sondern eher im Stil von „eine einzelne macht im Fluss noch nicht St. Patrick’s Day“ = Alge. Dabei galt es aus der Umschreibung auf die Redewendung „dem Ochs ins Horn pfetzen“ („etwas ist sinnlos“) zu kommen, um dann das entsprechende Lösungswort zu finden. „Pfetzen“ bedeutet „kneifen“ und da der Ochse dieses Kneifen nicht bemerken wird, ist es sinnlos.

In einem Artikel der gleichen Tageszeitung stoße ich auf die Redewendungen „auf Kante genäht“ und „die Kuh vom Eis holen“. Aus dem Zusammenhang wird mir die Bedeutung klar, aber ich kenne die Redewendungen nicht. „Auf Kante genäht“ meint, dass etwas sehr knapp bemessen ist und stammt vom Schneidern: wenn zwei Stoffteile so knapp aneinander genäht werden, dass kein Stoff mehr ausgelassen werden kann und somit keine Reserve bei Änderungsbedarf zur Verfügung steht (https://de.wiktionary.org/wiki/, 12.07.2023). Im Artikel geht es darum, dass bei den nun steigenden Zinsen Eigenheimbesitzer, die knapp kalkuliert haben – also eben auf Kante genäht – die Zinsen nicht mehr bezahlen können. Meinem Mann kommt bei dieser Redewendung noch das gleichbedeutende „Spitz auf Knopf“ in den Sinn. Dazu schreibt der Duden (Band 11, S. 717): süddeutsch für „auf Messers Schneide stehen“. Der „Spitz“ bezieht sich in der Redewendung wahrscheinlich auf die Degen- oder Schwertspitze und der „Knopf“ auf den Knauf des Degens oder Schwertes. Weiter geht es im Artikel mit Vorschlägen, wie nun „die Kuh vom Eis geholt“ werden kann, also was zu tun ist, damit die Eigenheimbesitzer ihr Haus nicht verkaufen müssen. Eine Kuh vom Eis zu holen ist ja keine einfache Aufgabe (mit ihren rund 800kg bricht sie leicht ein), deshalb steht die Redewendung für „ein schwieriges Problem lösen“.

Da ich nun bei den Kühen bin, nehme ich doch von meiner Liste gleich noch die Redewendung „das geht auf keine Kuhhaut“ mit, auch wenn die thematisch nicht ganz zu diesem Artikel passt, da ich sie kenne und manchmal auch verwende. Gerhard Wagner schreibt dazu in seinem Buch „Schwein gehabt! Redewendungen des Mittelalters“ auf S. 109: „etwas ist unbeschreiblich, eine Unverschämtheit“. Und zur Herkunft: Die Redewendung ist schon im frühen 13. Jahrhundert belegt. Dabei ist wichtig zu wissen, dass man damals noch auf Tierhäute geschrieben hat. Die Menschen im Mittelalter glaubten, dass während ihres Lebens der Teufel ihre Sünden aufschreiben würde, um sie ihnen dann beim jüngsten Gericht vorzuhalten. Da konnte schon allerhand zusammenkommen! Die Ankündigung, dass selbst die Haut des am größten zur Verfügung stehenden Tieres nicht ausreichen könnte, um alle Sünden eines Menschen aufzuschreiben, war die Drohung zur ewigen Verdammnis.

Zum Glück schreibt der Teufel heute unsere Sünden nicht mehr auf, sonst würde wohl für manchen der Eintritt ins Paradies „Spitz auf Knopf“ stehen und er müsste es vorher noch schaffen, die „Kuh vom Eis zu holen“, aber vielleicht würde das alles nicht mehr nützen und so bliebe nur noch „dem Ochs ins Horn pfetzen“…!

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