Wohl kaum eine andere Zahl ist so mit Advent und dem Monat Dezember verbunden wie die vierundzwanzig. Und auch wenn ich nun wirklich alles andere als ein Fan von Weihnachten bin – ganz im Gegenteil, am liebsten ab auf die (einsame) Insel über die Feiertage oder, wenn das nicht möglich ist, dann bitte wenigstens keine Familienfeier…! – so überkommt mich manchmal doch die Vorfreude, wenn die Tage langsam kürzer werden und ich fange an, Adventskalender zu basteln. Und obwohl ich mir jedes Jahr vornehme, keine Adventskalender mehr zu verschenken, passiert es dann doch wieder, dass ich Lust bekomme, kreativ zu werden oder anderen einfach eine Freude zu machen. Denn natürlich weiß ich, dass sich mein Mann über seine täglichen Marzipanstückchen freut und es war für mich ja fast ein kleines Fest, die vierundzwanzig Gläschen zu dekorieren, in denen ich die süßen Stücke „versteckt“ habe und diese auf dem Bücherregal zu drapieren. Oder ich ertappe mich dabei, wie im Drogeriemarkt ein Tee-Adventskalender in den Einkaufskorb wandert, den ich für einen lieben Freund mitnehme, der gerne Tee trinkt. Und als mir schließlich – ich bin selber ganz erstaunt – auch noch durch einen Post auf Facebook eine Idee für einen Engel-Adventskalender kommt, beschließe ich, damit einer gesundheitlich angeschlagenen Nachbarin eine Freude zu machen. Aber das reicht dann wirklich für dieses Jahr…!*
Doch wenn ich mich dann frage, woher wohl dieser Adventskalender-Tick kommt, dann liegt das vermutlich daran, dass ich als Kind – und zwar soweit ich mich zurück erinnern kann – immer von meiner Großmutter zum ersten Dezember eine Geschenkschachtel bekommen habe (es war jedes Jahr dieselbe und es war einfach ein Schuhkarton oder etwas Ähnliches, den sie liebevoll mit Geschenkpapier eingeschlagen hatte) und darin befanden sich vierundzwanzig kleine Päckchen. Ich kann mich nicht mehr wirklich daran erinnern, was in den Päckchen war, aber so wie ich meine Großmutter kenne, waren es bestimmt keine Süßigkeiten, sondern eher vielleicht mal ein selbstgenähtes Kleidchen für eine Puppenstuben-Figur oder etwas anderes Kleines für die Puppenstube, ein Pixi-Büchlein oder vielleicht auch einfach ein großer bunter „Glugger“ (schweiz. für Murmel) oder andere Kleinigkeiten zum Spielen. Auf jeden Fall war dieser Adventskalender immer etwas Besonderes, auch wenn ich normalerweise noch an der Zimmertüre einen Papierkalender mit Türchen (und möglichst viel Glimmer!) hatte. Denn das Öffnen des Päckchens wurde bei uns allabendlich zelebriert. Unser Adventskranz, den meine Mutter jedes Jahr selber aus Tannenästen band, hing immer unter der Decke im Wohnzimmer, befestigt an vier roten breiten Bändern und mit vier roten Kerzen. Nach dem Abendbrot setzte sich also die ganze Familie ins Wohnzimmer, die richtige Anzahl Kerzen wurde angezündet, dann wurden ein oder zwei (oder auch mehr) Weihnachtslieder gesungen und erst dann durfte ich mein Päckchen öffnen!
Auch wenn bei uns heute das Öffnen des Päckchens (natürlich) nicht mehr so zelebriert wird wie früher bei uns zuhause, so finde ich die Tradition des Adventskalenders – verbunden mit dem täglichen Innehalten in unserer hektischen Zeit – doch irgendwie schön und möchte sie nicht missen. Denn wenn uns der Adventskalender wirklich dazu bewegt, uns jeden Tag ein bisschen Zeit und Ruhe zu gönnen, dann finde ich es wahrlich eine bewahrenswerte Tradition – aber nur dann.
*Erst nachdem ich den Beitrag schon veröffentlicht habe, ist mir in den Sinn gekommen, dass ich ja auch noch einen WhatsApp-Adventskalender mit Winterbildern für einen Kollegen kreiert habe…!
#Worte_die_verzaubern
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