Manchmal nimmt man etwas einfach als (zu) selbstverständlich. Da schreibe ich so viel in meinem Blog über mich und über alle anderen möglichen Themen, aber ich habe noch nie einen Beitrag über meinen Lebensgefährten geschrieben – über den Mann, der es immerhin schon achtzehn Jahre an meiner Seite aushält! (Das hat übrigens vor ihm keiner geschafft…)
Wer „Ein berührender Beginn“ gelesen hat, weiß, dass wir uns sofort auf eine ganz besondere Weise verstanden haben. Und auch heute noch lachen wir oft über dasselbe oder verstehen uns ohne Worte. Er hat eine unglaubliche Ruhe in mein Leben gebracht (das war auch nötig!) und ich bin unglaublich dankbar für all die Unterstützung, die ich von ihm erhalte (auch wenn er manchmal vielleicht überhaupt nicht nachvollziehen kann, warum ich etwas machen möchte!).
Genau das hat sich im vergangenen Jahr besonders gezeigt: als ich ihm nämlich im Herbst des vergangenen Jahres verkündet habe, dass ich mich für den Motorradführerschein Klasse A angemeldet habe, hat er nur gemeint: „Wenn Du das unbedingt machen möchtest, dann tu es.“ Er wäre nie auf die Idee gekommen, mich daran zu hindern, obwohl er es gefährlich findet und er Angst davor hat, mich irgendwann von der Straße oder der Leitplanke kratzen zu müssen. Dass er mit mir zwei Tage lang durch ganz Deutschland fährt, um im Norden mein Traum-Motorrad abzuholen (mehr dazu in „Die (traurige) Vorgeschichte meiner englischen Lady“) – ist bestimmt auch nicht selbstverständlich. Und dass es ihm auch nach meinem Sturz nicht im Entferntesten in den Sinn kommen würde, mir das Motorradfahren zu verbieten (unsere Hausärztin hat mich das nämlich ernsthaft gefragt!), sondern dass er, als ich ihn darauf anspreche, nur meint: „Irgendwann einmal musste das ja passieren und es ist ja glimpflich ausgegangen“ – macht mich (fast) sprachlos und ist nun wirklich alles andere als selbstverständlich!
Auch sonst schüttelt unser Umfeld manchmal den Kopf über unsere Beziehung: wir vergessen zum Beispiel regelmäßig beide unseren Hochzeitstag (falls mein Mann sich plötzlich doch noch im Laufe des Abends daran erinnert, dann nur deshalb, weil seine Schwägerin ihm gerade eine Nachricht mit Glückwünschen geschickt hat). Für uns war der sehr viel größere Moment, als wir Kauf- und Kreditverträge für unser Haus unterschrieben haben: denn wenn man sich erst knapp zwei Jahre kennt und dann einen Kreditvertrag über zwanzig Jahre unterschreibt (mir war damals die Möglichkeit, ein Haus zu kaufen, sowieso utopisch vorgekommen), ist das doch ein besonderes Gefühl und man muss sich seiner Sache ziemlich sicher sein.
Doch manchmal sind es ja einfach die alltäglichen – (kleinen?) – Dinge, die einen Menschen einzigartig machen:
- Er fängt (nervige) Fliegen mit der bloßen (!) Hand und entlässt sie dann aus dem Fenster.
- Er putzt zwei Mal täglich das Katzenklo. Er hat immer Papiertaschentücher (für mich) dabei.
- Er fährt täglich hundert Kilometer mit dem Auto zur Arbeit – obwohl, das ist ja nun wirklich keine Kleinigkeit! – während ich von zuhause aus arbeiten darf.
- Er trägt es mit Fassung, als meine langen Locken einem Buzz Cut zum Opfer fallen. Er findet sich mit meiner Ernährungsumstellung ab.
ER IST EINFACH DA. Ganz egal was passiert. Und das – finde ich – ist (heutzutage) alles andere als selbstverständlich! Und lässt sich auch irgendwie nur schwer beschreiben…
#Worte_die_verzaubern
Ein Gedanke zu „Einfach da – selbstverständlich?“