16. Februar 2019, ein sonniger und für die Jahreszeit ungewöhnlich milder Samstag. Wir nutzen das herrliche Wetter und gehen auf den Parcours zum Bogenschießen. Dass mein Mann ein hervorragender Langbogenschütze ist, weiß ich – und so war mir auch nach kurzer Zeit klar, dass er spätestens in seinem zweiten Jahr im Verein an Turnieren teilnehmen würde (er hat das allerdings immer vehement verneint, aber es ist dann doch so gekommen, wie ich das prophezeit habe…).
Dass er aber vom Verein einfach für die Liga-Meisterschaft im Winter angemeldet wird, findet er dann allerdings doch nicht so lustig, auch wenn er „nur“ als Ersatzmann geführt wird. Bereits nach dem ersten Training sieht das schon anders aus, denn erstens schießt er nicht nur gut, sondern es macht ihm auch Spaß, Teil eines Teams zu sein und zusammen etwas erreichen zu wollen. Beim Liga-Schießen wechseln sich jeweils drei Schützen innerhalb von zwei Minuten ab, wobei jeder insgesamt zwei Pfeile schießt (zwei weitere Schützen sind eben als Ersatz dabei, falls jemand ausfällt oder einfach mal eine Pause braucht). In der Blankbogen-Klasse, zu der der Langbogen gehört, findet die Meisterschaft nur auf Landesebene statt. Es ist kein Auf- oder Abstieg möglich, die Teams messen sich einfach nur untereinander. Ein weiterer Verein aus der Region (auch ein reiner Bogenschützen-Verein, sonst sind die Bogenschützen oft Teil eines Schützenvereins) nimmt ebenfalls an dieser Meisterschaft teil. Und auch wenn es im Sommer ein gemeinsames 3d-Turnier der beiden Vereine gibt und wir dem Verein auch sonst freundschaftlich verbunden sind, so werden die Mannschaften an der Meisterschaft doch vom Ehrgeiz gepackt und wollen sich „beweisen“.
Bei einem Liga-Turnier tritt jede Mannschaft gegen jede andere an. Bei jedem „Match“ (Aufeinandertreffen von zwei Mannschaften) werden maximal fünf Runden geschossen, solange, bis ein Team sechs Punkte erreicht hat. Beim Turnier im Januar – bei dem unser Verein nur mit drei Schützen im Team teilnehmen kann, da die anderen beiden ausfallen – liefern sich die beiden Vereine ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Unser Verein gewinnt schließlich nach fünf Runden den Match und ist sichtlich stolz auf diese Leistung, auch wenn in der Gesamtwertung der andere Verein dann doch vorne liegt.
Doch was hat das jetzt mit diesem schönen Samstag im Februar zu tun? Nun, als wir an der letzten Station des Parcours ankommen, treffen wir auf zwei Schützen des anderen Vereins. Sie warten, bis wir mit der Station fertig sind, damit wir gemeinsam zum Parkplatz zurück wandern können. Da ich die beiden nicht kenne, frage ich nach ihren Namen und wir stellen uns alle vor. Und da sagt doch der eine der beiden zu meinem Mann: „Deinen Namen weiß ich nicht mehr, aber Du bist der gefürchtete Langbogenschütze von S.!“ Wie bitte? Was meint er denn damit? „Nun“, meint er, „als wir beim Liga-Turnier im Januar gesehen haben, dass ihr einen Langbogenschützen im Team habt, haben wir gedacht, dass es reicht, wenn wir unsere zweite Garnitur gegen Euch ins Rennen schicken!“ Offenbar sind sie dem Irrtum aufgesessen, dass Langbogenschützen weniger exakt schießen (können), da sie eine andere Technik als die übrigen Schützen anwenden. Tja, man sollte seinen Gegner nie unterschätzen! Und so ist mein Mann zu seinem ersten Titel im Bogenschießen gekommen… wir sind gespannt auf die Fortsetzung. Schon bald steht die nächste Liga-Meisterschaft an!
#Worte_die_verzaubern