Ich weiß, normalerweise schaut man an Silvester aufs Jahr zurück und lässt das Erlebte und Erreichte Revue passieren.
Doch der jetzige Herbst lässt die Erinnerungen an den Herbst des vergangenen Jahres wieder so stark in mir lebendig werden, dass ich bereits jetzt auf ein ganz besonderes Jahr zurück schauen kann. Ein Jahr, dass mein Leben für immer verändert hat. Dass mich geprägt hat wie wohl kaum ein anderes.
Denn genau heute vor einem Jahr – am 25. Oktober 2018 – habe ich zum ersten Mal als Fahrerin auf einem „großen“ Motorrad – der grellgrünen Kawasaki Z650 der Fahrschule – gesessen. Die erste Motorradfahrstunde hatte ich allerdings schon ein paar Tage früher gehabt, aber ich hatte die ersten Stunden mangels motorisierter Zweirad-Erfahrung auf einer 125er fahren müssen, um erst mal ein Gefühl dafür zu bekommen. Doch nach fünf Stunden war es dann soweit und ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, dass mein Fahrlehrer am Ende der letzten Stunde auf der 125er zu mir gesagt hat (ich war mir nämlich nach den ersten Stunden nicht sicher gewesen, ob ich mich wirklich auf die „Große“ trauen würde): „Entweder Du wechselst jetzt auf die Große oder Du hörst auf.“ Und an aufhören war natürlich nicht zu denken!
Bis zur nächsten Stunde war ich dann auch endlich komplett eingekleidet und musste mir nur noch den Helm der Fahrschule ausleihen (den würde ich mir dann in Ruhe in der Winterpause besorgen). Und so ging es also auf „große“ Fahrt! Denn es wurde in der Tat eine große Fahrt. Nachdem ich die schon bekannten Grundfahraufgaben wie Kreis fahren, Slalom, Stop-and-Go und Gefahrenbremsung geübt hatte und es zurück zur Fahrschule ging, weil sich die Zeit schon wieder dem Ende entgegen neigte (wie schnell doch neunzig Minuten vergehen können!), funkt mich mein Fahrlehrer plötzlich an und sagt: „Du, mir hat grad ein Fahrschüler abgesagt. Wenn Du Zeit und Lust hast, können wir gleich noch eine Überlandfahrt anhängen. Ist ja heute richtiges Kaiserwetter!“ (Übrigens habe ich mich später gefragt, ob er nicht schon von Anfang an gewusst hat, dass er länger Zeit hat, mich aber nicht gleich zu Beginn damit überfordern wollte?) Ich war erst unsicher, denn auch wenn ich mich sofort wohl(er) auf der großen Maschine gefühlt hatte und mir die kleine schon nach wenigen Minuten Fahrt wie ein Spielzeug vorkam, so war ich mir doch nicht sicher, ob drei Stunden dann nicht doch zu viel wären. Andererseits waren die Bedingungen ja nun wirklich ideal und wer wusste schon, ob das vielleicht nicht die letzte Fahrt vor der Winterpause werden würde? (Was es ja dann auch war – leider.) Wir verständigen uns darauf, erstmal zur Fahrschule zurück zu fahren. Doch kaum bin ich abgestiegen, ist mir klar: ich möchte weiterfahren! Wir machen eine kurze Pause, damit ich etwas essen und trinken kann, dann geht es wieder los.
Und so fahre ich gleich beim ersten Mal auf der großen Maschine – bei herrlichem Sonnenschein und tiefblauem Herbsthimmel – durch die Rheinebene und am Hochblauen entlang zurück. Ich kann mein Glück kaum fassen, als ich auf der Strecke, die ich recht gut kenne, durch die Gegend kurve. Und auch wenn ich mich natürlich in erster Linie aufs Fahren konzentriere, so kann ich doch zwischendurch einen kurzen Blick auf die buntgefärbten Bäume neben der Straße werfen und die Aussicht genießen. Wahrlich ein krönender Abschluss meiner ersten „Saison“ als Motorradfahrerin!
Wenn ich nun heute zurück blicke, was ich in diesem (kurzen?) Jahr alles gelernt, erreicht und erlebt habe, dann wundert es mich nicht (mehr), dass die vergangenen Wochen und Monate so schnell vorbei geflogen sind. Welch weiten, oft fordernden, aber immer wieder unbeschreiblich schönen und unvergesslichen Weg habe ich seit der ersten Fahrt auf der grünen Kawa zurück gelegt! Und das nicht nur mit dem Motorrad…
#Worte_die_verzaubern