Manchmal sind es kleine Dinge, die ich tue, die eine unglaublich große Wirkung haben – und zwar sowohl auf mich und wie auch auf andere.
Kürzlich ist so ein kleiner großer Schritt auf dem Bogensportplatz passiert. Ich hatte länger im Verein pausiert, weil ich mich da einfach irgendwie nie richtig wohl gefühlt hatte und während dieser Pause einfach nur für mich und auf dem 3d-Parcours geschossen. Aber irgendwann haben mir dann doch die Weite und die Möglichkeiten des Trainingsgeländes gefehlt
und nachdem ich beim Ostereier-Schießen mitgemacht hatte, beschloss ich, wieder ins Training zu gehen. Inzwischen bin ich auch von meinem Rechtshänderbogen – den habe ich nun verkauft – auf Linkshand umgestiegen. Was erst mal zum Ausprobieren gedacht war, entpuppte sich als regelrechter „Glücksgriff“. Ich hatte mir einen Linkshandbogen (den man übrigens in der rechten Hand hält – die Bezeichnung bezieht sich immer auf die Zughand) gemietet, weil ich die linke Hand trainieren wollte und überhaupt um einen Ausgleich zu schaffen. Am Anfang kam ich damit überhaupt nicht klar, ich legte ihn auch immer mal wieder zur Seite, aber irgendwann klappte es und schon nach kurzer Zeit mit regelmäßigem Üben war meine Treffsicherheit mit dem Linkshänderbogen größer als vorher und ich wagte mich auch bald damit auf den 3d-Parcours. Interessanterweise konnte ich damit auch schießen, wenn ich abends nach der Arbeit müde war und das Gefühl hatte, mich nicht mehr konzentrieren zu können (was mit dem anderen Bogen nicht ging). Es war, wie wenn ich durch den Ausgleich auf der linken Seite mehr in meine Mitte kommen würde. Ich wurde allgemein ruhiger, schoss in meinem eigenen Tempo. Es fühlte sich an, wie wenn das einfach besser passen würde, ohne dass ich (genau) wusste, warum. Es war einfach irgendwie mehr meins als vorher.
Und so kam es, dass wir – mein Mann, mein Fahrlehrer (den hatten wir inzwischen mit dem Bogensport-Virus angesteckt) und ich – zum 3d-Training auf den Platz fuhren. Es waren noch sechs andere Schützen da und nach dem Einschießen verteilten wir uns in zwei Gruppen auf dem Platz. In der einen Gruppe waren vier Schützen, in der anderen – in der wir drei waren – fünf. Nach einer Weile musste einer der Schützen aus der anderen Gruppe gehen, weil er noch einen Termin hatte. Wir trafen uns alle in der Mitte und der Trainingsleiter fragte, wer aus unsere Gruppe jetzt in die andere wechseln würde, damit wir jeweils zu viert waren und so immer zwei und zwei gleichzeitig schießen können. Und irgendwie habe ich einfach gesagt, ich mach das und machte – da ich schon ziemlich in der Mitte stand – einfach einen kleinen Schritt zur anderen Gruppe. Doch für mich fühlte sich das an wie eine Befreiung – eine Befreiung aus der (gefühlten) Abhängigkeit von meinem Mann, eine Befreiung aus der (gefühlten) Abhängigkeit zu meinem Fahrlehrer, zu dem ich ja eine ganz besondere Verbindung habe – eben wie ein riesengroßer Schritt! Ein Schritt, in dem ich komplett bei mir selber angekommen bin – ein Schritt, in dem ich gezeigt habe, dass ich mich auf andere und Neues einlassen kann – ein (der?) Schritt in meine Freiheit, in mein eigenes Leben. Und dieses Gefühl war und ist immer noch so unglaublich kraftvoll! Ich konnte es selber gar nicht glauben, dass ich das wirklich gemacht habe (mein Mann war auch ganz erstaunt, findet es aber auch unglaublich toll).
Und so ist mein Wunsch nach Freiheit in Erfüllung gegangen – und das auf ganz unspektakuläre Art und Weise und an einem Ort, wo ich das nie erwartet hätte. Einfach weil es gepasst hat und ich mich darauf eingelassen habe. Und mir wird (wieder einmal) klar, dass es nicht entscheidend ist, was im Außen geschieht, sondern einzig und allein was in und mit mir passiert. Was bin ich dankbar für diesen kleinen großen Schritt – er hat mein Leben verändert.
#Worte_die_verzaubern