Wer meinen Blogartikel „Rücksicht“ gelesen hat, weiß, dass meine Tante bis vor kurzem im Krankenhaus war. Auch wenn es ihr inzwischen bessergeht, wird die Geduld meines Bruders und mir weiter auf die Probe gestellt. Das fing damit an, dass sie einen Tag nach ihrem Austritt aus dem Krankenhaus einen Termin bei ihrem Hausarzt hatte. Der sollte sich um weitere Nachbehandlungen und Therapien kümmern. Mein Bruder und ich begleiteten unsere Tante zu diesem Termin, da es einfach besser ist, wenn noch mehr Ohren mithören. Die erste Frage, die der Arzt stellte, war: „Warum sind Sie gestürzt?“ Genau das hatte ich meinen Bruder auch gefragt, als er mich im Urlaub angerufen hatte, um mir mitzuteilen, dass unsere alleinstehende Tante gestürzt sei und sich die rechte Schulter ausgerenkt und gebrochen hatte. Bis jetzt konnte diese Frage noch niemand beantworten. Der Arzt erhoffte sich aus den beiden Klinikberichten Aufschluss über diese Frage, aber diese lagen beim Termin noch nicht vor: der Austritt aus der Universitätsklinik war zu diesem Zeitpunkt drei Wochen her! Und da meine Tante nicht von dort nach Hause konnte, war sie für weitere drei Wochen in eine geriatrische Klinik gekommen. Die Praxisassistentin hatte sogar während des Arzttermins in der Uni-Klinik wegen des Berichts angerufen. Ihr wurde mitgeteilt, der Bericht sei noch nicht verschickt worden, da er noch nicht final sei – ich hatte schon damals vermutet (zu Recht, wie sich inzwischen herausgestellt hat) – dass wahrscheinlich ganz einfach die Unterschrift des Professors oder irgendeines anderen Gottes in Weiß fehlte. Nun, da war nichts zu machen. Wir vereinbarten einen weiteren Termin, bis zu dem die Berichte hoffentlich vorliegen würden.
Nachdem ich dann doch noch meine Fahrstunde um einen Tag vorverlegen konnte, wollte ich nicht nochmal ohne Ergebnisse zu einem Arzttermin. Also habe ich mich ans Telefon gesetzt (inzwischen war fast eine ganze weitere Woche vergangen!): Der erste Anruf ging in die Uni-Klinik. Ja, der Bericht sei noch nicht final… na, das kenne ich doch schon! Ich schilderte der Dame am Telefon die Situation (bereits der zweite Arzttermin, mein Bruder und ich berufstätig und würden uns extra Zeit nehmen, und es würde doch um die Weiterbehandlung und eventuell nötige weitere Abklärungen gehen und was mir sonst noch alles an guten Argumenten einfiel). Nach einer Weile gestand sie ein, dass „nicht final“ eben ganz einfach hieß, dass der Bericht zwar fertig war, aber noch die Unterschrift des Professors fehlte. Sie ließ sich schließlich erweichen und sagte mir, sie würde den Bericht ohne Unterschrift an den Hausarzt mailen. Irgendwie wurde ich das Gefühl aber nicht los, dass sie sich dann doch nicht trauen würde, den Bericht ohne Unterschrift wegzuschicken. Deshalb rief ich am Nachmittag in der Hausarztpraxis an. Dort kam ich erst in die Warteschleife, nur um dann – es ist eine Gemeinschaftspraxis – mitgeteilt zu bekommen, dass der entsprechende Arzt heute nicht da sei. Nun, jetzt gehe ich erstmal im meine (schweißtreibende) Fahrstunde. Am nächsten Morgen also wieder in die Arztpraxis angerufen: nein, da sei kein Bericht gekommen… hab‘ ich’s doch gewusst! Also ein weiterer Anruf in die Uni-Klinik. Die Dame entschuldigt sich sehr, dass ihre Kollegin den Bericht nicht geschickt hat und erledigt das gleich. Dass sie nach einer Fax-Nummer (!) gefragt hat und ich nur die Mailadresse der Hausarztpraxis hatte, wundert mich schon gar nicht mehr. Dann rufe ich in die geriatrische Klinik an, weil da ja der Bericht auch noch fehlt. Ich werde auch gleich verbunden, aber die Dame am anderen Ende des Telefons sagt schließlich (wortwörtlich!): „Ich bi hüt scho drei Mol do obe go stürme, die Arztsekretärinne verdraie scho d’Auge, wenn ich chum. Ich cha do nümm go, aber lütte Si doch hüt z`Mittag nomol a, do isch mini Kollegin do, denn cha die go!“ Ich habe keinen Nerv mehr, mit der Dame zu diskutieren und rufe deshalb am Nachmittag nochmal an. Wenigstens haben die in der Warteschleife eine angenehme Musik, den Text des Liedes in der Warteschleife der Hausarztpraxis kenne ich inzwischen auswendig („we all need somebody to le-ean on…“).
Um es kurz zu machen, am Abend – zum Termin um 18.30 Uhr – liegen dem Hausarzt beide Klinikberichte vor… halleluja!
#Worte_die_verzaubern