Zwei einfache Worte – doch welch Potential, welche Herausforderung steckt in ihnen! Gerade kürzlich wurde – und wird es immer noch! – mein Vertrauen auf eine harte Probe gestellt. Und jetzt gilt es, ein Ereignis loszulassen, um weiter gehen zu können. Wer „Loslassen“ gelesen hat, weiß, dass das nicht zu meinen Stärken gehört – wobei es hier und jetzt nicht um einen Menschen geht (zum Glück!), sondern einfach um eine ganz blöde, aber nicht weniger schmerzhafte Situation.
Das Thema „Vertrauen und Loslassen“ begleitet mich nun schon eine ganze Weile. Irgendwann am Anfang dieses Jahres habe ich – inspiriert von einem Podcast-Beitrag – beschlossen, mir ein Jahresthema „zeigen“ zu lassen. In einer Meditation habe ich in mich hineingespürt und dann kam erst das Wort „Vertrauen“ hoch, danach das Wort „loslassen“. Ich habe mich noch ein bisschen gewundert über diese Reihenfolge, weil mein Verstand fand, dass doch erst das Loslassen kommt und danach das Vertrauen. Ich habe dann nochmal tief in mich hineingespürt, aber es blieb dabei. Nun, für meinen Verstand – und vor allem wahrscheinlich für mein Ego! – sind das zwei herausfordernde Themen. Denn sie bedeuten, die Kontrolle aufzugeben! Und wer will das schon? Um die Themen in mich hineinsinken zu lassen und um immer wieder daran erinnert zu werden, habe ich die Worte aufgeschrieben und auch gemalt, in großen bunten Buchstaben. Das hat sich herrlich und vollkommen richtig angefühlt – und ich hatte das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein, aber vor allem auch den Eindruck, dass ich das packen würde.
Nun, ich habe ja zu Jahresbeginn einen geliebten Menschen losgelassen und darauf vertraut, dass sich eine Lösung findet (wer mehr darüber lesen möchte: „Meine größte Angst“, „Loslassen“, „Last, Lust und Los einer Hochsensiblen“) – und die ist ja dann auch gekommen und zwar genauso so, wie ich es mir sehnlichst gewünscht hatte (siehe „Nur noch eine Nacht…“). Was war ich glücklich und erleichtert! Und wie einfach ist es, dann zu vertrauen.
Wenn es aber nicht vorwärtsgeht, oder wenn einfach so gar nichts klappen will im Leben – dann zeigt es sich erst wirklich, ob ich vertrauen und loslassen kann. Und es kommt die bittere Erkenntnis, dass es eben doch nicht so einfach ist. Wenn die Emotionen hochkochen, mir vor Wut und Enttäuschung die Tränen übers Gesicht laufen, ich vor lauter Ungerechtigkeit schreien möchte und ich mir nichts sehnlicher wünsche, als dass der Mensch, der gerade neben mir steht, sich nicht hinter irgendwelchen Regeln und Vorschriften verstecken würde, dann weiß ich, es bleibt noch viel zu tun in Sachen „Vertrauen und Loslassen“!
Und natürlich weiß ich, dass in jedem Erlebnis ein Sinn steckt, der sich mir vielleicht irgendwann, vielleicht aber auch nie, erschließt. Doch dieses Wissen macht den Schmerz – zumindest im Moment – leider auch nicht kleiner, im Gegenteil! Gerade weil es so schmerzhaft ist, taucht immer wieder die Frage nach dem „Warum?“ auf. Und ich kann sie nicht beantworten! Einfach loslassen, taucht da grad in meinem Inneren auf. „Aufstehen, Krönchen richten, weitergehen“, hat eine Freundin von mir gesagt, als ich ihr von dem schmerzhaften Ereignis erzählt habe. Am Boden liege ich nicht mehr, aber das Krönchen sitzt immer noch etwas schief und weitergegangen bin ich auch noch nicht.
Nun, vielleicht sollte und darf ich mir dafür auch einfach noch ein bisschen Zeit lassen. Denn wie heißt es so schön: Die Zeit heilt alle Wunden. Auch wenn ich solche „schlauen“ Sprüche manchmal einfach nur doof finde, dann passt dieser doch irgendwie ganz gut hierher.
Und während draußen die Vögel ihr Morgenlied anstimmen und es am Horizont langsam heller wird, wird mir bewusst, dass ein neuer, ein „unverbrauchter“ Tag anbricht, an dem ich einmal mehr „Vertrauen und Loslassen“ üben darf.
#Worte_die_verzaubern
4 Gedanken zu „Vertrauen und Loslassen“