Nun habe ich so sehnsüchtig die erste Fahrstunde nach der fast unendlich scheinenden Winterpause gewartet und jetzt „beglückt“ mich das Wetter mit Regen! Mein Fahrlehrer fragt mich (ernsthaft), ob ich wirklich fahren will. Nachdem er mir versichert hat, dass die Reifen auch für Regen geeignet sind – es wird einem ja immer erzählt, wie gefährlich das ist, bei Regen Motorrad zu fahren – ist klar: ich will fahren! Mein Fahrlehrer ist so nett und holt mich mit dem Auto zuhause ab: so muss ich nicht im Regen mit dem Fahrrad bis in den nächsten Ort zur Garage fahren, wo die Motorräder stehen und mich auch nicht im Regen vor der Garage umziehen (natürlich könnte ich warten, bis der Fahrlehrer kommt und ich mich in der Garage umziehen kann, aber da geht natürlich wertvolle Fahrstundenzeit verloren und das kommt für mich nicht in Frage!). So kann ich mich in Ruhe zuhause in meine „Ritterrüstung“ einpacken (vor der Garage ist das immer ein bisschen hektisch, weil da grad eine Straße verläuft und auch immer viele Fußgänger und Radfahrer unterwegs sind, die manchmal schon etwas seltsam gucken, wenn man mitten auf dem Parkplatz die Hosen auszieht…).
Bis wir bei der Garage ankommen, hat der Regen fast aufgehört. Damit ich nach der langen Winterpause wieder ein Gefühl fürs Motorrad bekomme, fahren wir erst mal eine große Runde über Land. Nur hat es leider noch nicht überall aufgehört zu Regen und so werde ich ausgiebig „geduscht“. Das habe ich jetzt davon! Ich hatte nämlich in den vergangenen Tagen dem Fahrlehrer immer gesagt, dass es ihm ja egal sein könnte, wie das Wetter ist, denn er würde ja im Auto sitzen… nun, ich glaube, er war am Dienstag zumindest ein kleines bisschen amüsiert, als er mich da durch den Regen gejagt hat (und er selber im warmen und trockenen Auto Musik hören konnte). Am Mittwoch verspricht die Stunde trocken zu werden und ich fahre mit dem Fahrrad hin. Da wir aber wegen Problemen verspätet starten, bekomme ich dann am Ende der Stunde doch noch einen nassen Frack – und darf auch noch mit dem Fahrrad im Regen nach Hause fahren, bäh! Also das sollte mal fürs erste reichen…
Tut es auch! Denn jetzt wird es zwar sonnig, aber dafür ordentlich kalt. Da ich mir noch eine Bergfahrt auf den badischen Blauen (1065m) gewünscht habe, nutzen wir den sonnigen Donnerstag dafür. Herrlich, wie es sich auf der breiten und gut ausgebauten Straße bergauf kurven lässt! Schon lange habe ich beschlossen, dass dies meine Hausstrecke wird. Die Stichstraße auf den Gipfel lassen wir zwar aus, aber auf dem höchsten Punkt der Fahrt sind es trotzdem nur noch ganze 6 Grad… brrr. Das gibt kalte Hände. Die Fahrt hinunter ins Tal ist anspruchsvoll: die enge Straße ist in einem sehr schlechten Zustand, außerdem stellenweise nass und die entgegenkommenden Autos fahren manchmal arg über dem nicht vorhandenen(!) Mittelstreifen. Das geht ordentlich in die Handgelenke. Unten im Tal herrscht in Müllheim allerdings schon wieder Eisdielen-Wetter. Jede Menge Leute und Autos unterwegs. Mir wird ordentlich warm unter dem Helm. Das Visier habe ich (natürlich) geschlossen, weil mir ja vorher kalt war. Nun geht es im Stop-and-Go-Verkehr durch den Ort, und da ich dafür die Hände natürlich weder von der Kupplung (links) noch vom Gas (rechts) nehmen kann, muss ich das Visier geschlossen lassen… nun ja, da hilft nur „Arschbacken zusammenkneifen“! Was ganz gut für mich ist! Ich neige sonst eher dazu, manchmal etwas zimperlich zu sein: Ich muss aufs Klo! Ich habe kalte Hände! Ich habe Durst (Hunger)! – und das wird mir beim Motorradfahren nun definitiv abgewöhnt, denn in der Fahrstunde wird einfach gefahren. Auch am nächsten Tag scheint zwar die Sonne, aber es ist noch kälter und sehr windig. Egal, heute geht es zum ersten Mal auf die Autobahn. Die Geschwindigkeit ist auf 120km/h begrenzt und ich bin darüber nicht unglücklich, denn es beutelt mich ordentlich, wenn ich in diesem Tempo an einem LKW vorbeirausche. Ich bin froh, als die 45 Minuten um sind und wir wieder langsam durch den Ort kurven.
Aber egal wie anstrengend, nass, kalt oder auch heiß (ja, das habe ich letzten Herbst auch schon erlebt) die Stunde war: ich bin nachher immer wie in einem Rausch und finde es nach wie vor so was von unglaublich, dass ich überhaupt Motorrad fahre! Manchmal kommt es mir immer noch wie ein Traum vor. Natürlich ist es noch ein (weiter) Weg bis zum Führerschein, aber schon allein die Tatsache, dass ich überhaupt fahre, ist für mich wie ein Wunder. Und dann auch noch unter teilweise schwierigen Bedingungen und in Situationen, die mich im Auto fast in die Hose machen lassen! Aber es zeigt sich einfach einmal mehr, dass ich fürs Zweirad geboren bin, denn auf dem Motorrad habe ich mich schon heute bei der ersten Autobahnfahrt sicherer gefühlt als je im Auto – und ich glaube, das liegt ganz einfach daran, dass ich es auf dem Motorrad in der „Hand“ habe, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes! Und dieses Gefühl fehlt mir einfach beim Autofahren. Nirgendwo sonst fühle ich mich so lebendig und so vollkommen ich wie wenn ich auf dem Motorrad unterwegs bin. Ich bin dann einfach nur noch – frei und glücklich.
Und wie in einem Rausch ist auch dieser Blogartikel noch zu später Stunde ganz einfach aus mir herausgeflossen… und ich bin so unendlich dankbar dafür, dass ich dies alles erleben darf.
#Worte_die_verzaubern