Wie die Kinder die Nächte bis Weihnachten zählen, so zähle ich im Moment die Nächte bis zu meiner ersten Motorradfahrstunde nach der Winterpause. Unendlich lange dreiundzwanzig Wochen habe ich sehnsüchtig darauf gewartet, endlich wieder fahren zu dürfen. Und jetzt ist es morgen soweit! Was bin ich aufgeregt, aber auch unglaublich erleichtert, denn wenn ich an das Gefühlschaos der letzten Wochen und Monate denke, dann bin ich einfach froh, dass es jetzt endlich weitergeht und zwar so, wie ich mir das von Herzen gewünscht habe.
Wer „Meine größte Angst“ gelesen hat, wird sich nun vielleicht wundern, wie das gekommen ist. Denn dort hatte ich ja um meinen Motorrad-Engel getrauert und mir für dieses Jahr nichts sehnlicher gewünscht, als dass er zurückkommen möge. Nun, offenbar hatten die Engel und das Universum Einsehen, denn die Erklärung ist ganz einfach: Die „Dramaqueen“ ist (wieder einmal!) mit mir durchgegangen und hat erst mal ein großes Drama gemacht und geweint und gejammert, was das Zeug hielt. Erst nachdem ich am 31. Dezember „Meine größte Angst“ geschrieben hatte, bin ich auf die Idee gekommen, dass ich ja einfach versuchen könnte, meinen – verschwunden geglaubten – Fahrlehrer auf dem Geschäftshandy anzurufen. Was ich dann auch getan habe (da war ich anscheinend nicht die Erste) und siehe da, er war ganz einfach krank, als die Fotos für die neue Website der Fahrschule gemacht wurden! Er hat mir da aber auch gesagt, dass er wahrscheinlich länger ausfallen würde und es schon sein könnte, dass ich beim anderen Motorradfahrlehrer, den es noch an der Fahrschule gibt, weitermachen müsse und das war für mich damals der größte Alptraum! Der hatte nämlich jedes Mal, wenn er mich gesehen hat, die Geschichte einer älteren (!) Dame erzählt, die bei ihm Motorradfahren lernen wollte (und diese Geschichte hat kein gutes Ende genommen…). Deshalb hat mein Jahr mit Wochen und Monaten voller Hoffen und Bangen begonnen: Will ich überhaupt weitermachen? Unter welchen Umständen will ich weitermachen? Bin ich bereit zu warten, bis er zurückkommt? Wird er überhaupt zurückkommen? Soll ich es versuchen, beim anderen Fahrlehrer zu fahren? Was, wenn das nicht klappt?
Aber immer wenn die Sehnsucht besonders groß war – das hat sich manchmal wie auf Entzug angefühlt, ehrlich! – und die Aussicht auf eine baldige Rückkehr meines Fahrlehrers besonders vage blieb, habe ich mir natürlich überlegt, zum anderen Motorradfahrlehrer zu wechseln, um möglichst rasch wieder fahren zu können. Irgendwann stand dann aber fest, dass mein Fahrlehrer ab April wieder Fahrstunden geben würde. Und da ich sowieso bis Mitte März im Urlaub war und Ende März noch einen Weisheitszahn (hoffentlich den letzten!) ziehen ließ, beschloss ich, bis dahin zu warten. Trotzdem – und das ist für mich das Wichtigste – bin ich inzwischen sicher, dass ich auch beim anderen Fahrlehrer fahren könnte (das habe ich nämlich lange Zeit nicht geglaubt oder eher: das habe ich mir einfach nicht zugetraut) und das zeigt mir, dass ich mein Ziel nicht aus den Augen verlieren werde, ganz egal, was jetzt noch alles passiert: ich will Motorradfahren und dazu dieses Frühjahr den Motorradführerschein Klasse A machen!
Und jetzt heißt es also nur noch einmal schlafen, bis ich wieder auf „meine“ heißgeliebte Kawa steigen darf (obwohl meine große Liebe ja inzwischen einer Triumph Scrambler gehört…) und ich – mit der Stimme meines Motorrad-Engels im Ohr – durch die Gegend heizen darf! Yippiiieee!!! Und auch wenn natürlich zwischendurch die Angst hochkommt, dass ich alles vergessen habe oder dass ich es dann doch irgendwie nicht packen könnte – schließlich stehen mir die in meinen Augen schwierigen Stunden mit Autobahn und nachts fahren und die schwierigsten Grundfahraufgaben noch bevor, so überwiegt doch die riesige Freude, dass es endlich endlich weitergeht. Und auch wenn ich dem Universum unendlich dankbar bin, dass es mir meinen Motorradengel zurückgeschickt hat, so weiß ich inzwischen doch, dass es auch ohne ihn gehen würde – und zwar einfach, in dem ich vertraue.
#Worte_die_verzaubern