Wie Heilung geschieht

Immer wenn ich glaube, einen ganz großen Schritt nach vorne gemacht und mich von einer besonders schmerzhaften Schicht auf dem Weg zu meinem wahren Kern befreit zu haben, kommt der nächste „Hammer“. Und das stinkt mir manchmal ganz gewaltig! Ein kurzer Aufenthalt in einem ruhigen Hafen – den ich dann gleich am liebsten gar nicht mehr verlassen würde – ist mir meist gegönnt, aber dann geht es schon wieder auf die raue See hinaus. Manchmal frage ich mich, ob ich diesen Kick des immer ganz hart am Wind segeln brauche, also ob ich mir diese Situationen ganz einfach alle selbst erschaffe, um dann damit kämpfen zu müssen und in meinem Schmerz zu „baden“?

Es liegt deshalb nahe, nach einem Schuldigen zu suchen. Wer triggert mich denn immer an, dass sich solcher Schmerz zeigt? Der ist doch schuld daran! Und dann würde ich manchmal am liebsten abhauen, um dem Schmerz auszuweichen, aber weglaufen war noch nie eine Lösung. Und so geschieht irgendwann das Wunder – entweder ich komme selbst drauf oder es zeigt sich in einem klärenden Gespräch – dass ich erkenne, dass mein Gegenüber nicht der Schuldige ist, sondern dass er ganz einfach dazu da ist, meine „Knöpfe“ zu drücken und mir so zu helfen, all die Schichten abzutragen, die mein Innerstes verdunkeln. Und auch wenn das alles andere als angenehm ist, weiß ich doch, dass ich nur so ganz zu mir selbst finden werde.

Denn zum Glück ist inzwischen die Sehnsucht nach dem ruhigen Hafen so groß, dass ich erkannt habe, dass es nicht mehr darum geht, unendlich lange gegen diesen Schmerz zu kämpfen oder ihn zu unterdrücken, sondern dass ich ihn (an-)erkennen darf und dann auch loslassen darf: er darf nun endlich heilen – ich darf nun endlich heilen.

Und dass ich meinen Partner genau deshalb ausgesucht habe, weil ich in der Beziehung zu ihm die größte Chance zur Heilung und Weiterentwicklung finde – auch wenn ich manchmal überhaupt keine Lust (mehr) habe, ständig „Hausaufgaben“ machen zu müssen und er weiterhin im ruhigen Hafen dümpelt. Aber ich werde wohl immer diejenige bleiben, die zu neuen Ufern aufbricht und dann ist es auch ganz angenehm zu wissen, dass es irgendwo auf dieser Welt auch einen ruhigen Hafen gibt, in dem ich mich von den Stürmen des Lebens erholen kann. Und wir werden bestimmt auch das eine oder andere Abenteuer gemeinsam erleben – und wenn es nur bedeutet, die Klippen des Alltags mehr oder weniger elegant zu umschiffen oder auf einer sonnigen Sandbank auszuruhen.

#Worte_die_verzaubern

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