„Das ist gefährlich – lebensgefährlich – zu viel Gefühl“ singt die Band „Ideal“ Anfang der 80er-Jahre. So ist es mir grad gestern wieder mal vorgekommen – und wer „Musik in meinen Ohren“ gelesen hat, weiß, dass sich in meinem Kopf sehr oft einfach grad der richtige „Soundtrack“ zu einer Situation „abspielt“.
Ich konnte vor lauter Freude und Glück nicht schlafen und das ist für mich ganz neu und ungewöhnlich. Normalerweise kann ich nicht schlafen, weil ich von zu vielen Aufgaben gestresst bin, oder weil ich (panische) Angst habe vor einer Situation oder vor Fehlern oder vor dem nächsten Absturz (irgendwann geht es immer wieder nach unten!) oder vor sonst irgendetwas oder ich kann nicht schlafen, weil ich mich frage, was ich hier auf Erden soll, was denn bitte hier meine Aufgabe sein soll, ob es Menschen wie mich hier wirklich braucht. Aber nicht schlafen zu können, weil ich so von Freude erfüllt bin, ja regelrecht trunken vor Glück (auch wenn ich diese alte Redewendung nicht besonders mag, passt sie hier einfach) bin, daran habe ich mich noch nicht gewöhnt. Denn zu schnell kommt trotzdem nachts dann Stress und Angst hoch: ich muss jetzt schlafen, sonst bin ich am nächsten Tag müde, unkonzentriert, unaufmerksam, vergesslich, könnte Fehler machen, bekomme Kopfschmerzen, bin gereizt und noch vieles mehr. Das würde dann ja noch mehr Stress auslösen und das ist dann auch der Punkt, bei dem ich der obigen Songzeile durchaus zustimmen kann und der (manchmal!) der Wunsch kommt, vielleicht einfach nicht so viel fühlen zu können, fühlen zu müssen. Doch diesmal habe ich versucht, es einfach anzunehmen. Zu atmen, zu akzeptieren, dass ich einfach zu aufgeregt zum Schlafen bin und schließlich bin ich dann ja auch irgendwann einfach aufgestanden und habe den Blog-Artikel „Dankbarkeit“ geschrieben.
Interessant war dann der Folgetag: ich war zwar müde und hatte auch Kopfschmerzen, aber es ging (und geht mir immer noch) trotzdem gut! Und ich glaube, ich habe wirklich zum ersten Mal in meinem Leben erfahren dürfen, dass es mir unabhängig von den äußeren Umständen, sogar unabhängig von meiner körperlichen Befindlichkeit einfach gut gehen kann. Wenn ich ganz bei mir bin, wenn ich voller Liebe bin, wenn ich spüre, das alles (s)einen Sinn hat, egal was auch passiert. Und wenn das alles so tiefgeht, dass ich daraus schöpfen kann, dann ist es vollkommen egal, wie es im Außen aussieht oder was im Außen passiert. Und ich darf – ich glaube ebenfalls zum ersten Mal – wirklich erfahren, was passiert, wenn ich loslassen kann. Ich habe ich den letzten Tagen und Wochen so viel losgelassen und jetzt öffnen sich ganz plötzlich und ganz unerwartet Türen, es entsteht Neues und vieles, was schon da war, bekommt plötzlich eine ganz andere, tiefere Qualität.
Und wie ich gestern Nachmittag ganz entspannt und in eine Decke gekuschelt im Strandkorb auf der Terrasse saß und mir die Sonne ins Gesicht scheinen ließ, da formt sich in mir plötzlich folgender Satz: „Wenn Du nichts mehr erwartest, bekommst Du alles geschenkt.“ Und mit Tränen in den Augen mir wird bewusst, dass in den vergangenen Tagen genau das geschehen ist. Und so bin ich nicht nur für diese Erkenntnis unglaublich dankbar, sondern vor allem auch für die wundervollen Geschenke, die mir das Leben in den vergangenen Tagen überreicht hat.
Und es wird mir bewusst, dass ich mich, wenn ich wählen müsste, jetzt – und wohl auch in Zukunft – lieber für das „zu viel“ an Gefühlen entscheiden würde, denn der innere Reichtum (und dann meist auch der äußere) ist so unendlich groß und so unglaublich schön, dass ich nicht mehr darauf verzichten möchte. Jeden Tag kann ich wie eine Blume weiterwachsen und immer mehr zu meinem wahren Ich erblühen. Welch ein Wunder darf ich hier erfahren…
#Worte_die_verzaubern
2 Gedanken zu „Zu viel Gefühl?“