Wenn ich nachts nicht schlafen kann, weil mich der Tag so aufgewühlt hat – und damit meine ich nicht nur schwierige Tage, sondern es kann auch ein unglaublich wundervoller Tag gewesen sein (was es diesmal war) – dann ist es ein wahrer Segen, dass ich mir all dies von der Seele schreiben kann.
Schon immer habe ich gern (und gut) geschrieben. Ich konnte es als Kind kaum erwarten, in die Schule zu kommen, weil ich endlich lesen lernen wollte. Und dann habe ich gelesen was das Zeug hielt – die Gemeindebibliothek und die Nachbarsmädchen im ähnlichen Alter waren da zum Glück unerschöpfliche Quellen. Ob ich mich auch darauf gefreut habe, schreiben zu lernen, weiß ich nicht mehr. Doch ich bin sicher, dass das viele Lesen einen bedeutenden Einfluss auf mein Schreiben hatte und immer noch hat. Darauf hat mich erst irgendwann später eines der ehemaligen Nachbarsmädchen aufmerksam gemacht: sie ist sich nämlich sicher, dass meiner (und ihr) Wortschatz durch das Lesen schon früh so umfangreich geworden ist. Und wenn ich daran denke, wie wenig mir Zahlen, Logik und Analytik liegen, dann glaube ich schon, dass sie recht hat. Denn diese analytischen Themen kann man nicht einfach schon als Kind als schöne Geschichte lesen. Schade eigentlich!
Natürlich fand ich das Schreiben nicht immer toll. Wenn ich im Gymnasium einen Aufsatz über irgendein literarisches Werk schreiben musste, dann war das auch nicht so meine Sache. Aber ich schrieb schon als Kind Gedichte zu Geburtstagen und anderen Anlässen, später hatte ich Brieffreundinnen auf der ganzen Welt oder wenn es im Berufsleben darum ging, eine Karte für eine Kollegin oder einen Kollegen zu schreiben, dann landete die immer auf meinem Schreibtisch (ich schrieb beruflich sowieso dann sehr viel). Und inzwischen verdiene ich auch ab und zu damit Geld, einen Newsletter oder einen anderen Text für jemanden zu schreiben – wobei das Schreiben in diesem Fall für mich einfach ein Handwerk ist, das ich sehr gut beherrsche und das mir leicht von der Hand geht.
Denn die Magie des Schreibens entfaltet sich (meist) nur beim freien Schreiben. Wenn ich – wie jetzt – einfach drauflos schreibe, dann fließt der Text einfach so aus mir heraus. Meist habe ich natürlich irgendeinen Anhaltspunkt im Kopf (heute war es zum Beispiel der Titel), aber die passenden Ideen und Gedanken (und natürlich die passenden Worte) kommen dann erst beim Schreiben. Und in diesem Fluss passiert dann das magische: ich schreibe mir alles von der Seele, es entsteht etwas Neues und – das finde ich das schönste daran – es kann Heilung geschehen! Denn erst beim Bloggen habe ich entdeckt, dass das Schreiben für mich (auch) eine therapeutische Funktion hat: indem ich meine Gedanken, Gefühle, Anliegen und Wünsche „zu Papier“ bringe (oder eher: in die Tasten meines Laptops tippe), löst sich meist ganz viel! Wenn ich zum Beispiel über Angst schreibe (wie in „Wanted: Mut zum Motorradfahren“), dann ist es oft so, dass ich nach dem Schreiben – meist natürlich nicht sofort, das kann schon mal ein paar Tage dauern! – diese Angst überwunden habe: in diesem Fall habe ich mich vier Tage nach der Veröffentlichung des Textes bei der Fahrschule angemeldet! Und das finde ich einfach wundervoll…
Es ist, wie wenn ich mit dem Schreiben zu meiner Essenz vordringen würde, wie wenn ich Schicht um Schicht abtragen würde, die mein wahres Ich versteckt. Und deshalb habe ich jeden Tag mehr das Gefühl: Ich war noch nie so Ich wie jetzt – und werde es immer mehr…
#Worte_die_verzaubern
Ein Gedanke zu „Die Magie des Schreibens“