Gerade fließe ich über vor Dankbarkeit! Denn heute ist ein sehnlicher Wunsch von mir in Erfüllung gegangen. Ich habe einen Menschen wiedergetroffen, von dem ich nicht wirklich geglaubt habe, ihn jemals wieder zu sehen. Und wir haben festgestellt, wie wenig es braucht, um zufrieden zu sein. Die Sonne, die unerwartet durch die Wolken bricht, uns auf unserem Spaziergang wärmt und auf dem Wasser glitzert. Ein gutes Gespräch und das schöne Gefühl, verstanden zu werden. Was bin ich heute reich beschenkt worden!
Natürlich war auch ich nicht immer so drauf. Auch ich habe mich früher aufgeregt, wenn zum Beispiel der Zug Verspätung hatte – während ich mich heute vielleicht darüber freue, dass ich fünf Minuten länger die Sonne genießen kann. Oder mir Zeit für ein kurzes Gespräch mit anderen Wartenden bleibt. Oder ich noch jemandem helfen kann, eine Fahrkarte zu lösen. Wenn ich die Zeit gestresst und genervt verbringe, dann werde ich auch gestresst und genervt am Ziel kommen – an der Tatsache, dass der Zug zu spät kommt, werde ich aber nichts ändern. Wenn ich aber versuche, die Zeit entspannt und positiv zu gestalten, komme ich auch so an – und das ist nicht nur für mich sehr viel angenehmer, sondern auch für mein Umfeld (das ja sowieso nichts dafür kann, wenn mein Zug verspätet ist).
Im Grunde genommen ist es nur eine Frage der Perspektive und leider sind wir (meistens) darauf geeicht, uns zu nerven, unzufrieden zu sein, das Haar in der Suppe zu finden oder was auch immer. Ich will mich da gar nicht davon ausnehmen. Aber irgendwann habe ich beschlossen, meinen Blick auf das zu richten, wofür ich dankbar bin. Dazu war richtiges Training nötig! Ich habe damit angefangen, jeden Abend drei Dinge aufzuschreiben, für die ich dankbar bin. Am Anfang fand ich das echt schwierig und auch heute muss ich mich nach einem schlechten Tag wirklich hinsetzen, den Tag Revue passieren lassen und „herausfiltern“, was jetzt gut daran war. Aber meistens ist es so, dass ich viel viel mehr finde, wofür ich dankbar sein kann – und sei es auch nur etwas Kleines, wie zum Beispiel das Gänseblümchen, das gerade jetzt – mitten im Winter! – bei uns im Garten blüht. Es hilft mir auch, für all die Geschenke des Lebens dankbar zu sein, bei denen ich manchmal nicht immer oder auch nicht sofort erkenne, wie groß sie sind.
Und dann Zeit mit einem Menschen verbringen zu dürfen, der auch diesem Zauber auf die Spur gekommen ist, das ist einfach Balsam für meine Seele. Zu oft habe ich doch (noch) das Gefühl, nicht –oder nicht mehr – „gesellschaftskompatibel“ zu sein, mich nicht mehr „normal“ mit anderen Leuten unterhalten zu können, weil ich einfach nicht mehr bereit bin, an diesem „Gesellschaftsspiel“ mit zu machen, bei dem nur zählt, was man ist (beruflich erfolgreich!) und was man hat (ein teures Auto).
Auch wenn ich in einer Krise manchmal denke, ich hätte gern mein „altes“ Leben zurück, weil da anscheinend alles einfacher war, dann ist mir heute Nachmittag wieder einmal klargeworden, dass ich nie und nimmer mehr tauschen möchte, denn ich bin jetzt unendlich viel reicher als je zuvor und werde so oft vom Leben unglaublich großzügig beschenkt.
Und wenn ich mich (manchmal) frage, warum ich hier auf dieser Welt bin, warum es Menschen gibt wie mich, die solchen Dingen auf die Spur kommen, dann habe ich das heute Nachmittag zum ersten Mal in Worte fassen können: Ich glaube, wir machen die Welt reicher und es ist unsere Aufgabe, den anderen die Augen dafür zu öffnen (ich füge jetzt beim Schreiben hinzu: wenn sie es denn möchten). Auf jeden Fall habe ich in die Sonne geschaut und gesagt: „Ich glaube, es ist unsere Aufgabe, Lichtbringer hier auf dieser Welt zu sein.“ Was für eine wundervolle Aufgabe!
#Worte_die_verzaubern
6 Gedanken zu „Dankbarkeit“