Ein Traum wird wahr

Wer meinen Blogartikel „Wanted: Mut zum Motorradfahren“ gelesen hat, weiß, wie lange ich schon vom Motorradfahren träume und wie schwer ich mich damit tue (oder jetzt eher: getan habe!), diesen Traum zu verwirklichen. Der Engel in Motorradkluft – wie ich ihn mir am Ende des oben erwähnten Artikels gewünscht habe – ist mir zwar nicht erschienen, aber irgendwie fand ich trotzdem Anfang September den Mut, mich bei der Fahrschule für den Führerschein Klasse A anzumelden. Vielleicht hatte es damit zu tun, dass mein Motorradkumpel, bei dem ich schon als Sozia mitfahren durfte, zu mir (in einem anderen Zusammenhang) gesagt hat, dass er an mir meine Zielstrebigkeit bewundere – und das hat mir offensichtlich den nötigen Schubs gegeben. Bis ich aber zum ersten Mal fahren darf, dauert es noch über einen Monat und schnell wird klar: dieses Jahr wird das nix mehr mit der praktischen Prüfung, denn ab November ist Winterpause. Mmpf…

Ich muss nämlich zuerst die vorgeschriebenen Theoriestunden besuchen und die Theorieprüfung bestehen. Da ich bereits einen PKW-Führerschein habe, heisst das: sechs (statt zwölf) Stunden Grundwissen und vier Stunden Motorradtheorie. In der ersten Stunde Motorradtheorie lerne ich auch gleich meinen Fahrlehrer kennen – und bin etwas skeptisch, ob wir miteinander klar kommen werden. Aber nach der Stunde darf ich gleich mal auf der A-Klasse-Maschine (einer leuchtend grünen Kawasaki) Platz nehmen und das fühlt sich dann doch sehr gut an. Trotzdem bleiben Zweifel… Doch nach weiteren Theoriestunden komme ich zu folgendem Schluss: erstens, dass die meisten Fahrlehrer wahrscheinlich einfach nicht viel Bock haben, abends noch Theorieunterricht zu geben, wenn sie schon den ganzen Tag im Auto unterwegs waren und danach oft noch Nachtfahrten haben. Die Fahrschüler sitzen den Theorieunterricht nämlich sowieso nur (unmotiviert) ab, da alle mit einer App auf die theoretische Prüfung lernen. Entsprechend lustlos wirken dann die meisten Fahrlehrer in den Theoriestunden – was ich ja mehr als nachvollziehen kann. Dazu hätte ich echt auch keinen Bock! Die zweite Erkenntnis ist, dass der Fahrlehrer wahrscheinlich einfach zur Sorte „harte Schale, weicher Kern“ gehört (wie so viele Motorradfahrer…) und deshalb anfangs nicht sehr zugänglich wirkt. Ich entspanne mich also wieder, büffle Theorie und kann es kaum erwarten, endlich fahren zu dürfen!

Ende September steht der Termin für die Theorieprüfung fest – an einem Mittwoch Mitte Oktober gilt es ernst. Ich kann es kaum erwarten, nun endlich einen Termin für die erste Fahrstunde auszumachen. Doch auf meine Whatsapp-Nachricht bekomme ich nur folgende Antwort: „Hallo, melde Dich bitte, wenn Du die Theorie bestanden hast.“ Nun werde ich doch etwas ungeduldig, hat mir doch die Angestellte in der Fahrschule gesagt, ich solle mich so bald wie möglich mit dem Fahrlehrer in Verbindung setzen, damit er dann auch nach der Theorieprüfung Stunden für mich einplanen kann. Aber anscheinend läuft das ein bisschen anders, denn als ich am Sonntag(!) vor der Theorieprüfung gemütlich vormittags auf dem Sofa sitze (noch im Schlafanzug mit Kaffee und Zeitung), klingelt mein Handy: mein Fahrlehrer! Am Dienstag – also ein Tag vor der Theorieprüfung – erste Fahrstunde. Was bin ich aufgeregt! Am Montag habe ich abends die letzte Theoriestunde. Zufälligerweise ist mein Fahrlehrer an der Reihe (die Fahrlehrer wechseln sich bei den Theoriestunden ab) und es fühlt sich extrem gut an, am Ende sagen zu können: „Bis Morgen!“

Viel zu früh stehe ich am nächsten Tag vor der Garage, wo die Motorräder geparkt sind. Es dauert eine Weile, bis ich „eingekleidet“ bin. Mein Fahrlehrer fragt mich natürlich noch, warum ich den Motorrad-Führerschein nicht schon längst gemacht habe. Dann darf ich nochmals auf der großen Kawasaki Platz nehmen. Der Fahrlehrer hat mir aber bereits erklärt, dass wir auf der 125er anfangen werden. Ich glaube, er wollte mir nur nochmals zeigen, dass das Sinn macht, in dem er mich die Größe und vor allem das Gewicht der großen Maschine spüren lässt. Doch ich bin mir ganz sicher: die Große ist das Ziel – und das sage ich auch so. Der Fahrlehrer betrachtet mich einen Moment und sagt schliesslich: „Ich finde, wenn man einen Traum hat, dann sollte man versuchen, ihn zu verwirklichen.“ Und so ist – erst ganz unbemerkt – doch noch mein Wunsch nach einem Engel in Erfüllung gegangen, auch wenn dieser Engel – zumindest in den Fahrstunden – gar keine Motorradkluft trägt, da er ja im Auto fährt…!

 

#Worte_die_verzaubern

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