Benzin im Blut

Noch ist es keine drei Wochen seit meiner letzten Fahrstunde her und ich weiß nun, was es heißt, Winterpause machen zu müssen und vor Sehnsucht nach dem Motorradfahren zu vergehen… Die letzten Tage hatte ich ja noch gehofft, dass mein Fahrlehrer vielleicht doch noch Erbarmen hat und mich nochmal fahren lässt, aber dem war leider nicht so…

Das schlimmste daran ist, dass ich ja nicht mal ein Moped im Stall habe, zu dem ich mich hinschleichen und mich draufsetzen kann, wenn ich es ohne nicht mehr aushalte (das ist der Tipp eines Kollegen gegen den Winterblues!). Vielleicht sollte ich mir ein Plüschmotorrad kaufen, mit dem ich kuscheln kann? Mmh, auch irgendwie nicht so prickelnd. Gestern habe ich im Kalender mal gezählt, wie viele Wochen es noch bis zum Frühling dauert: bis Anfang März sind das 16! Keine Ahnung, wie ich diese überstehen soll… Und ich kann ja nicht mal selbst entscheiden, wann die Zwangspause vorbei ist, sondern muss einfach darauf vertrauen, dass mein Fahrlehrer mich nicht vergessen hat und dass irgendwann im Frühling, wenn die Temperaturen wieder entsprechend sind und die Fahrschule die Motorradsaison wieder begonnen hat, mein Handy klingelt und auf dem Display die Nummer meines Fahrlehrers erscheint. Dann weiß ich, dass ich – endlich! – wieder fahren darf.

Schon jetzt steht für mich fest: das wird die (erste und) letzte Winterpause sein! Mein Motorrad bekommt auf jeden Fall eine Ganzjahreszulassung. Ein zweites Mal halte ich das nicht aus.

Doch in der Zwischenzeit bleibt mir nichts anderes übrig, als mein Umfeld (und meine Blogleser?!) mit meiner Sehnsucht zu nerven; Motorradzeitschriften und -reiseberichte zu verschlingen; von eigenen Touren zu träumen; Motorrad-Accounts auf Instagram zu abonnieren und mir die Bilder und Videos der weiten (Motorrad-)Welt reinzuziehen; auf YouTube Filme von Motorradrennen anzusehen (tja, wer hätte das gedacht, dass ich jemals so etwas tun würde?!); jedem Motorrad(-fahrer), den ich sehe, sehnsüchtig hinterher zu schauen und immer wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, mir vorzustellen, dass ich mit dem Motorrad fahren würde (was sich nicht unbedingt positiv auf meinen Fahrstil auswirkt…).

Natürlich habe ich als Hintergrundbild auf dem Laptop ein Foto der beiden Fahrlehrer auf den Schulmaschinen und auf dem Handy eines von mir selber auf der grünen Kawasaki… sozusagen als „Beweisfoto“, dass ich das auch alles nicht nur geträumt habe! Denn manchmal kommt es mir so vor… es hat mich ja außer meinem Fahrlehrer niemand gesehen – was wäre, wenn ich mir das alles nur ausgedacht hätte?! Und das ist glaub grad die größte Qual, dass es außer dem Fahrlehrer gar niemanden gibt, der das mit mir erlebt hat und ich es deshalb auch nicht wirklich (mit-)teilen kann… und vielleicht ist da auch einfach noch die Angst, dass sich dieser Fahrlehrer in der Winterpause aus dem Staub machen könnte und ich dann nie wieder einen finde werde, der ein so untrügliches Gespür dafür hat, was er mir schon zumuten kann und was noch nicht und bei dem ich das Gefühl habe, dass er – während ich fahre – in mir liest wie in einem offenen Buch (was mir manchmal schon fast unheimlich ist!) und bei dem die Fahrstunden einfach riesig Spaß machen, auch wenn ich hinterher komplett durchgeschwitzt bin. Jedes Mal nach der Stunde bin ich mit einem Lächeln auf den Lippen nach Hause geradelt und konnte es nicht erwarten wieder zu fahren!

Wenn ich allerdings daran denke, dass man mich fast hinters Lenkrad eines Autos prügeln muss, weil das einfach so gar nicht meins ist, dann frage ich mich manchmal schon etwas erstaunt, woher diese Faszination fürs Motorradfahren kommt. Wobei: wenn ich mir überlege, dass meine Großmutter noch mit über 50 Autofahren lernen wollte. Oder dass meine Mutter nicht nur eine passionierte, sondern auch eine sehr routinierte Autofahrerin war. Oder dass mein Bruder seine Autos immer getunt, tiefergelegt und mit entsprechender Ausstattung versehen hat und sehr gerne sehr schnell gefahren ist… dann scheine ich eben doch irgendwie Benzin im Blut zu haben!

 

#Worte_die_verzaubern

3 Gedanken zu „Benzin im Blut“

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