In meinem letzten Blogartikel „Grenzen überwinden“ habe ich ja darüber geschrieben, welche Grenzen ich schon überwunden und an welchen ich noch zu „knabbern“ habe.
Die derzeit größte Hürde in meinem Leben zeigt sich im Moment bei einem Vorhaben, das für die meisten wahrscheinlich total Pillepalle ist. Ich möchte nämlich – und das schon wirklich lange! – Motorradfahren lernen. Und was hindert mich daran? Die Antwort ist einfach und mir irgendwie ja auch peinlich, aber es ist einfach so: ich hab‘ ganz einfach Schiss vor den Fahrstunden.
Und das kommt so: ich bin noch nie gern Auto gefahren und wollte schon mit achtzehn den Motorradführerschein machen. Als Schülerin hatte ich dazu natürlich kein Geld und mein Vater war strikt gegen dieses Vorhaben (meine Mutter lebte da bereits nicht mehr). Und so hat mein Vater damals bestimmt, dass ich „brav“ wie meine drei Geschwister den Pkw-Führerschein machen würde. Mein Fahrlehrer war – milde ausgedrückt – nicht gerade der sympathischste Zeitgenosse. Auf Schweizerdeutsch würde ich sagen, er war „rumpelsürig“ und ich durch seine aufbrausende Art rasch verunsichert. Aber da meine drei Geschwister alle beim ersten Versuch die Fahrprüfung bestanden hatten (was damals nicht selbstverständlich war), befand mein Vater diesen Fahrlehrer für kompetent – und somit war die Wahl getroffen. Erst vor ein paar Jahren habe ich mich darüber mal mit meinem ältesten Bruder unterhalten und siehe da – er fand diesen Fahrlehrer genauso unmöglich wie ich! Aber da über solche Themen in unserer Familie ja nicht gesprochen wurde, kam das auch nie zur Sprache – obwohl uns dieser Mensch alle fürs Leben geprägt hat.
Auch ich habe dann auf Anhieb die Prüfung bestanden (auch wenn ich bis heute nicht wirklich gut einparken kann). Trotzdem fühlte ich mich immer unwohl beim Fahren. Dass mein damaliger Freund mir dann auch noch ständig beim Fahren drein redete, machte die Sache auch nicht besser. Irgendwann hörte ich einfach auf zu fahren. Solange ich in der Schweiz lebte, war das kein Problem: selbst das entlegenste Dörfchen ist dort noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar (damals war das zumindest so). In Deutschland auf dem Dorf sieht das allerdings etwas anders aus: da ist es ganz normal, dass es pro erwachsene Person im Haushalt ein Auto gibt (außer bei mir…). Natürlich ist es auch hier möglich, mit Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln mobil zu sein, aber manchmal ist es einfach nur umständlich und ich komme längst nicht überall hin. Und so habe ich zwar irgendwann wieder mit dem Fahren angefangen, aber der Gedanke an ein eigenes Auto verursacht mir echt Unbehagen und so kommt je länger je stärker wieder der Wunsch nach dem Motorradfahren auf. Obwohl ich erst zwei Mal als Sozia unterwegs war, bin ich mir sicher, dass es das richtige Fahrzeug für mich ist. Nur selten habe ich mich so vollkommen am richtigen Platz gefühlt wie bei diesen zwei (kurzen) Touren. Es war ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit und die Gewissheit: hier gehöre ich hin!
Warum ich es dann nicht schon längst gemacht habe? Mmh, gute Frage! Als Schülerin und Studentin hatte ich kein Geld, danach war lange Jahre immer irgendetwas anderes wichtig und wie oben schon erwähnt, einfach kein Thema. Und als ich dann über ein entsprechendes Einkommen verfügt habe, da hatte ich keine Zeit mehr, an meine Träume zu denken.
Dass der Wunsch jetzt wieder so stark aufkommt, hat vermutlich auch damit zu tun, dass ich inzwischen einfach nicht mehr bereit bin, die Verwirklichung meiner Träume auf „später“ zu verschieben – denn der ideale Zeitpunkt ist immer jetzt! Oder er kommt nie!
Und trotzdem schaffe ich es nicht, die Fahrschule, die ich bereits ausgesucht habe, anzurufen und einen Termin für eine Schnupperstunde zu vereinbaren.
Manchmal habe ich fast den Eindruck, dass ich Angst vor der Verwirklichung dieses Traumes habe. Zum Beispiel Angst davor, nach ein paar Fahrstunden festzustellen, dass es doch nicht so toll ist, wie ich mir das vorgestellt habe. Oder die Angst davor, es nicht zu packen und dann Abschied von diesem Traum nehmen zu müssen. Oder dass ich zwar die Prüfung bestehe, mich aber nachher nie traue, allein loszufahren. Oder vielleicht einfach auch Angst vor den Veränderungen, die dieser Schritt auslösen wird?
Während ich diesen Text schreibe, spüre ich, wie ein Schmerz in mir aufsteigt und mir die Tränen in die Augen treibt. Eine schmerzliche Sehnsucht, gelähmt von meiner Angst. Und dabei wird mir bewusst, dass ich mir (vielleicht?) einfach jemanden wünsche, der mit mir diesen Weg geht: jemand, der mit mir diese unbändige Freude teilt, die ich in mir spüre, wenn ich ans Motorradfahren denke oder als Sozia mitfahre, jemand, der meine Ängste versteht und mir hilft, sich ihnen zu stellen – damit ich irgendwann in absehbarer Zukunft den Führerschein Klasse A in den Händen halten kann. Und somit wäre der passendere Titel für diesen Blog-Beitrag vielleicht eher „Wanted: Engel in Motorradkluft“?!
#cleaning_my_Soul
#Worte_die_verzaubern
4 Gedanken zu „Wanted: Mut zum Motorradfahren“