Wer wartet nicht manchmal auf die gute Fee, die drei Wünsche erfüllt oder den edlen Ritter, der uns aus unserer Misere holt und mit dem wir auf dem Schimmel in den Sonnenuntergang reiten können? Tja, da können wir (leider) lange warten… denn inzwischen weiß ich, dass mir diejenigen Menschen am meisten helfen oder geholfen haben, die mir eben gerade nicht „halfen“. Wie ich zu dieser – für mich immer noch erstaunlichen – Erkenntnis gekommen bin, möchte ich Euch in diesem Blogbeitrag erzählen.
September 2011. Meine Welt steht völlig Kopf. Ich weiß nicht mehr, wo oben und unten ist, jeder Tag ist eine Qual. Ich, die ich bisher mit allem fertig geworden bin, verliere völlig den Boden unter den Füssen, als ich meinen Kater eines Morgens tot im Garten finde (das hat den Tropfen des ohnehin bereits vollen Fasses einfach zum Überlaufen gebracht). Ein paar Tage versuche ich noch weiterzumachen, in dem ich mich „zusammenreiße“, aber dann geht irgendwann gar nichts mehr. Die Diagnose: Erschöpfungsdepressionen. Schließlich gehe ich für zwölf Wochen in eine Klinik und bin sicher, dass ich nachher meine Ausbildung zur Berufsschullehrerin wiederaufnehmen kann. Und dass ich nie wieder in eine Klinik gehen muss! Doch es kommt alles anders. Ich bin so von der Rolle, dass irgendwie gar nichts mehr geht. Das alte Leben kann und will ich nicht mehr führen, ein neues bekomme ich aber auch nicht auf die Reihe. Also tue ich mir selber leid und jammere. Ein weiterer Klinikaufenthalt kratzt nur an der Oberfläche und auch in den verschiedenen Therapien bekomme ich die Füße einfach nicht richtig auf den Boden. Inzwischen sind seit meinem ersten Zusammenbruch drei (!) Jahre vergangen.
Und dann kommt der Tag, der mein Leben verändert und mich aus dem Jammertal reißt. Meinem Arzt wird mein Gejammere und Geheule nämlich zu bunt und er schmeißt mich bei einem Kontrolltermin kurzerhand aus seinem Sprechzimmer – seine Wartezimmer sei voll, ich würde seine Zeit verschwenden! Erst bin ich sprachlos und finde diesen „Tritt“ in den Hintern mehr als unverschämt. Doch er hat genau den richtigen Punkt getroffen: in mir beginnt sich nämlich eine Wut über diese Unverschämtheit zu regen und diese Wut setzt so viel positive Energie und Schaffenskraft frei, dass ich endlich den Mut habe, das zu machen, was ich schon lange machen wollte: mich (mit einem Laden) selbständig zu machen! Binnen eines Jahres eröffne ich „Art for us – Kunst & Kunsthandwerk“ und gewinne dadurch an Stabilität, Selbstbewusstsein und Lebensqualität. Der Arzt erinnert sich vielleicht gar nicht mehr an diesen Tag, ich bin ihm aber noch heute dafür dankbar, dass er mich dazu gebracht hat, mit dem Jammern aufzuhören und mir selbst zu helfen (ein anderer tut es nämlich nicht!). Inzwischen hat sich in meinem Leben so viel zum Positiven verändert, dass „Art for us“ bald nur noch ein Nebenerwerb sein wird… und wenn ich wieder mal auf dem Weg ins Jammertal bin, dann weiß ich: ich kann mir selber helfen, wenn ich es denn wirklich und aus vollem Herzen will…
#Worte_die_verzaubern
Ja, das kenne ich auch … manchmal sind es die „harten Tritte“, die dazu bewegen den eigenen Hintern zu bewegen 😀 und mit den Jahren durfte ich erkennen, dass sowieso nichts geschieht, wenn ich nicht damit beginne.
Danke liebe nicolettasamira für dieses Erinnerung.
Herzensgrüße
Sirut Sabine
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