Inzwischen bin ich im Buch „Verschwundene Wörter – 181 kuriose Wörter von damals und ihre Geschichten“ von Matthias Heine aus dem Duden-Verlag (mehr dazu auch in den Beiträgen „Der Uhrzeigersinn“, „Archaismus“ und „Ameisler“) mit den Buchstaben B und C durch.
Unter C ist übrigens nur das Wort „Couponschneider“ aufgeführt, auch welches ich hier aber nicht näher eingehen werde.
Der Buchstabe B ist da ergiebiger: vom Backfisch über das Bahnhofskino, den Bänkelsänger, die Base, den Verben begaben und begäffeln bis zu den Begriffen, die Menschen charakterisieren sollen wie Beutelschneider, Bierverleger, Bilwiss und Blaustrumpf, dazu noch das Bratkartoffelverhältnis und die Brosamen – es ist einiges an Material vorhanden!
Ich entscheide mich dazu, hier „nur“ über den Begriff „Beinkleider“ zu schreiben, denn die Erklärung dazu, wie dieser Begriff entstanden ist, finde ich irgendwie mal wieder typisch für die Spezies Mensch (mehr dazu auch in meinem vorherigen Beitrag „Birding“). Es steht hier nämlich: „Irgendwann im 16. Jahrhundert war klugen Männern das gute, alte deutsche Wort Hose nicht mehr fein genug, und so kreierten sie die etwas gespreizte Neuprägung Beinkleid.“ In einem Wörterbuch aus dem Jahr 1793 wird es folgendermaßen beschrieben: „ein neues Wort, welches man eingeführet hat, seitdem die Benennung der Hosen für niedrig und unanständig gehalten worden“. Der Autor dieses Wörterbuchs rechnet das Wort „Beinkleid“ nun der „anständigen“ (!) Ausdrucksweise zu und nennt es „die Bekleidung der Hüften und Dickbeine“. (Man beachte die „Dickbeine“! Hatten damals alle Männer dicke Beine?! Frauen durften ja zu dieser Zeit außer vielleicht (langen) Unterhosen bestimmt keine Hosen tragen, oder?) In besagtem Wörterbuch erscheint unter dem Stichwort „Hose“ nun folgende Ergänzung: „Eigentlich, wo dieses Wort nur im gemeinen Leben üblich ist, indem man in der anständigern Sprechart sich lieber des Ausdrucks Beinkleider bedienet.“ Ein spöttischer Zeitgenosse des Wörterbuch-Autors meint dazu: „Wer zwei Paar Hosen hat, mache eine zu Geld und schaffe sich dieses Buch (gemeint ist das Wörterbuch) an.“
Allerdings gibt es zahlreiche Belege, welche dafür sprechen, dass diese sperrige Umschreibung für die Hose wirklich verwendet wurde, meist im Plural, denn mindestens bis zum frühen 20. Jahrhundert blieb das Wort (ohne ironischen Unterton) bei großen Schriftstellern wie Kafka, Schnitzler und Mann gebräuchlich. Heute hingegen wird das Wort als gespreizt, scherzhaft oder schlichtweg als veraltend bezeichnet. Manchmal wächst sich also so neumodischer Firlefanz ganz einfach wieder aus… irgendwie beruhigend zu wissen!
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Was es mit dem Schneiden von Coupons früher auf sich hatte (oder heute noch hat?) erklärte mir damals eine Tante, als ich fast noch ein Kind war. Und wenn ich mir heute Hosen im Kaufhaus ansehe, wäre für verschiedene Modelle die Bezeichnung „Beinkleider“ durchaus passend.
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Ich liebe die Worte Backfisch und Backfischjahre.
So viel hübscher als Teenager finde ich ganz persönlich.
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