Neulich kam mein Mann von der Arbeit nach Hause – und da ich ihn ja mit meinem „Sprachfimmel“ inzwischen auch angesteckt habe – meint er, dass er mir unbedingt ein „Gschichtli“ erzählen muss:
Er war im Großraumbüro unterwegs und hört dabei, wie ein Kollege zu dessen Chef sagt: „Wenn ich weiß, dass mein Chef hinter mir steht, dann kann ich ganz anders auftreten.“ Und mein Mann denkt: „Wie schön, wenn einem der Chef nicht im Nacken sitzt!“
Interessant ist hier, dass wenn man jemanden (be-)schützen möchte, müsste man sich ja eigentlich vor diese Person stellen. Die Redewendung „sich hinter jemanden stellen“ wird deshalb nur verwendet, wenn es sich bei dieser Unterstützung um moralische Unterstützung handelt. (www.spiegel.de/zwiebelfisch, zuletzt abgerufen am 15. Jan. 2026)
Die Redewendung „jemandem im Nacken sitzen“ ist da eher von der Körpersprache gemeint: dass man jemandem so bedrängt, dass man diesem quasi im Nacken sitzt. Im Duden, Band 11/Redewendungen, finden sich rund fünfzehn Redewendungen mit dem Wort „Nacken“. Interesant ist dabei, dass es auch die Redewendung „jemandem den Nacken stärken“ gibt, was ja dann wiederum genau das Gegenteil von „jemandem im Nacken sitzen“ ist… übrigens kann einem auch der Schalk im Nacken sitzen…! (Duden, Band 11/Redewendungen, S. 533/534) Übrigens entdecke ich auf der Suche nach dem Erscheinungsjahr der Ausgabe, das ich leider nicht finde, denn da steht nur „2., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage“, dafür den Hinweis „Wörterbuch der deutschen Idiomatik“…! Das ist ja interessant, habe ich doch gerade erst vor ein paar Tagen einen Beitrag zum „Idiom“ geschrieben, den Begriff „Idiomatik“ aber erst jetzt kennengelernt… man lernt eben nie aus!
P.S. Wer mehr über Redewendungen wissen möchte, bis Ende letzten Jahres habe ich dazu eine eigene Serie geführt – die Beiträge dazu gibt es auf der Übersichtseite der Serien. Im Beitrag „Am Aufräumen“ erkläre ich, warum ich inzwischen keine Serien mehr schreibe habe.
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Man sollte jemandem vielleicht lieber den Rücken als nur den Nacken stärken. Wenn man jemandem den Rücken frei hält, meint man üblicherweise auch, dass man ihn vor Angriffen von hinten schützt, es könnte aber auch bedeuten, dass man ihm den Rückzug ermöglicht. — Wenn mein(e) Chef(in) physisch hinter mir stand, fand ich das stets eher unangenehm, auch wenn ich nicht befürchtete, beim Nichtstun oder bei einem Fehler erwischt zu werden.
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