(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Sprache“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Sprache“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)
Neulich beim Abendessen (in der Schweiz würde ich allerdings „Nachtessen“ sagen) in der Küche: mein Mann hatte eine Salami aufgeschnitten, doch alle Scheibchen waren schon wieder aufgefuttert. Deshalb fragt er mich, ob ich noch mehr möchte. „Jo, ich hätt gärn no e paar Schnäfeli“, sage ich. „Das sin doch kaini Schnäfeli, das sin doch Schibli!“, bekomme ich da zur Antwort. Und schon sind wir wieder mitten einer Diskussion unserer leicht verschiedenen Dialekte, obwohl beide Alemannisch sind.
Da ich keine verlässlichen Angaben zu den Wortbedeutungen finde, umbeschreibe ich „unsere“ Definitionen mal so: Ein „Schibli“ ist eine kleine Scheibe. Ein „Schnäfeli“ – und da hat mein Mann schon recht – ist eher kleiner als eine kleine Scheibe, das ist eher so wie wenn von der kleinen Scheibe noch ein Stück fehlt, weil das Messer beim Schneiden abgerutscht ist. Und da mein Mann (im Gegensatz zu mir) mit unseren Messern bestens klar kommt, gibt es bei ihm immer schöne „Schibli“, während es bei mir entweder dicke Scheibchen gibt oder eben „Schnäfeli“, weil ich – im Versuch, wirklich schöne „Schibli“ abzuschneiden, mit dem Messer abgerutscht bin… alles nicht so einfach! Übrigens kommt mir beim Schreiben dieses Textes in den Sinn, dass ich früher in der Metzg – also in der Metzgerei – des Dorf immer ein „Reedli“ (ein Rädchen) Lyoner bekommen habe… Wurst ist also nicht gleich Wurst, aber eigentlich ist es ja „wurscht“, wie wir das nennen, Hauptsache, es schmeckt und wir verstehen, was der andere meint…!
Während des Abendessens und unserer Diskussion kommt mir dann passenderweise noch der Begriff „Salamitaktik“ in der Sinn: interesanterweise finde ich bei der Suche nach einer „offiziellen“ Erklärung des Begriffs im Internet als erstes folgende Definition: „Die Salamitaktik (oder Salami-Slicing-Taktik) ist eine Methode, um große Ziele oder Aufgaben zu erreichen, indem man sie in viele kleine, leicht zu bewältigende Schritte („Scheibchen“) zerlegt und diese nacheinander abarbeitet, anstatt alles auf einmal anzugehen. Ursprünglich politisch genutzt, um schrittweise Macht zu gewinnen, wird die Taktik heute vor allem im Zeitmanagement und bei der Aufgabenbewältigung eingesetzt, um Überforderung zu vermeiden und kontinuierlichen Fortschritt zu erzielen. Sie hilft, große Projekte zu strukturieren und „Aufschieberitis“ zu bekämpfen.“ (www.google.com/search=salami+taktik, zuletzt abgerufen am 8. Dez. 2025)
Doch ich verstehe darunter eher etwas anderes und werde schließlich bei einer Seite fündig, die ich schon öfter für die Erklärung von Redewendungen herangezogen habe, nämlich bei der Zeitschrift Geolino (siehe dazu auch die Beiträge „Noch mehr Kekse“, „Tierisches“, „Der Braten und der Kohl“ und „Warum die Fasnacht alt sein kann“): Timo hat etwas angestellt, will aber nicht gleich mit der Wahrheit heraus rücken. Deshalb macht er folgendes: er erzählt die Wahrheit erst nach und nach und wendet damit eben die Salamitaktik an. Als Erklärung für den Begriff steht hier: „Eine teure Salami wird in hauchdünne Scheiben geschnitten. Dadurch entstand die Redewendung „Die Salamitaktik anwenden“. Damit der Ärger nicht all zu groß wird, versucht man die Wahrheit scheibchenweise zu erzählen. Diese Taktik nutzt auch Timo. Indem er nur Stück für Stück vom Tag erzählt und sich das Missgeschick bis zum Schluss aufspart, erhofft er sich, weniger Ärger zu bekommen.“ (www.geolino/redewendungen, zuletzt abgerufen am 8. Dez. 2025)
P.S. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, wann ich selber die Salamitaktik anwende, dann kommen mir schon auch verschiedene Begebenheiten in den Sinn… Neulich hat nämlich unser HiFi-Kollege (mehr dazu im Beitrag „Vinyl-Freude“) in seinem Status einen schicken Röhrenvollverstärker gepostet und da ich schon lange mit einem solchen liebäugle, weckt das natürlich Begehrlichkeiten… da ich aber weiß, dass mein Mann nicht (noch) mehr in unsere HiFi-Anlage investieren möchte, bin ich jetzt am Überlegen, wie ich ihm das am besten schmackhaft mache… und dazu werde ich auf jeden Fall die Salamitaktik anwenden… (Vielleicht liest er aber auch einfach hier mit und dann weiß er ja auch Bescheid – und das ganz ohne irgendwelche Taktik…!)
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