Letzte Schallplatten

(Dieser Beitrag ist der vorletzte in der Serie „Vinyl-Freude“. Hier geht es zum erklärenden Beitrag „Vinyl-Freude“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)

Wie bereits im vorherigen Beitrag „Am Aufräumen“ angekündigt, bin ich auch dabei, die Serie „Vinyl-Freude“ abzuschließen. Im letzten Beitrag der Serie „Berührende Bücher“ mit dem Titel „Der Zauber von Büchern“ habe ich ja schon beschrieben, wie schwierig ich es finde, wirklich zu vermitteln, was mich an einem Buch, das ich gelesen habe, so fasziniert oder berührt hat. Mit der Musik geht es mir nicht anders und die Geschmäcker sind da ja gefühlt noch verschiedener als bei Büchern.

Ich habe deshalb beschlossen, in diesem Beitrag nur noch kurz ein paar Platten vorzustellen, für die ich mir schon ein paar Notizen gemacht habe, deshalb auch der Titel „Letzte Schallplatten“. Es sind natürlich bei weitem nicht die letzten Schallplatten, die ihren Weg in meine Sammlung gefunden haben! Dieser Beitrag wird der zweitletzte in dieser Serie sein. Der letzte wird dann davon handeln, wie die Musik in meinem Leben schon immer eine Rolle gespielt hat.

Ich starte mit den „Bee Gees“: interessanterweise steht von dieser Brüderband schon lange ein Doppelalbum namens „Bonanza“ in unserem Wohnzimmer. Mein Mann wird es wohl mit in die Ehe gebracht haben, da ich damals keine Schallplatten besaß. Woher er es hat, weiß er nicht mehr. Das Doppelalbum ist ein schön gestaltetes Gatefold (Gatefold bedeutet aufklappbares Cover) mit Prägung auf der Vorderseite und ausführlichen Informationen zu den Bee Gees und zum Album auf den zwei Innenseiten. Als ich es zum ersten Mal auf unserem neuen Plattenspieler auflege, rufe ich kurz nach Beginn der Musik ganz erstaunt aus: „Das tönt jo wie d’Beatles!“ (Über die Beatles schreibe ich im Beitrag „Der Fußgängerstreifen“.) Ich mache mir deshalb die Mühe, den englischen Text im Innenteil zu lesen, wo interessanterweise steht, dass die Bee Gees nicht von den Beatles inspiriert wurden, sondern dass umgekehrt die Beatles von den jungen Bee Gees, die damals in Australien gelebt haben, inspiriert wurden! Was nun stimmt, kann ich nicht beurteilen… auf jeden Fall ist es ein eher ungewohntes Hörerlebnis. Da hört sich das Album „Greatest Hits“ mit dem typischen Falsett-Gesang (die sogenannte Kopfstimme) doch mehr nach den Bee Gees der Achtziger Jahre an – eben so, wie ich sie kennengelernt habe.

Was ich (fast) immer hören kann, sind die „Dire Straits“: der markige Gesang von Mark Knopfler und der unvergleichliche Klang seiner „Dobro“ genannten Gitarre berührt mich immer wieder aus Neue. Das Wort „Dobro“ ist übrigens ein Akronym (mehr dazu im Beitrag „Deonyme“) und wird oft als Synonym für die sogenannte Resonator-Gitarre verwendet (mehr zu dieser besonderen Gitarre gibt es auf www.gitarrebass.de/dobro, zuletzt abgerufen am 2. Dez. 2025). Inzwischen haben wir mehrere Schallplatten von den „Dire Straits“, unter anderem das bekannte Album „Brothers in Arms“ oder „Love over Gold“. Ein Lied, in das ich am liebsten reinliegen würde, ist das fast fünfzehnminütige „Telegraph Road“, das mich jedes Mal von neuem wieder mit seiner Abwechslung begeistert und vor meinem inneren Auge die Geschichte dieser Straße jedes Mal lebendig werden lässt. Wenn ich auf die berühmte einsame Insel zehn Songs mitnehmen dürfte, dann wäre „Telegraph Road“ garantiert dabei!

Von den Softsongs der „Bee Gees“ über die Gitarrenklänge der „Dire Straits“ geht es jetzt zum Hardrock von „Deep Purple“: eine ganze Reihe von Schallplatten stehen inzwischen von dieser britischen Rockband in meinem Regal, die aber allesamt nur anhören darf, wenn mein Mann nicht zuhause ist… außer dem berühmten „Smoke on the Water“ mag er nämlich so gar nichts von dieser einflussreichen Band. Ich hingegen liebe es, beim Autofahren „Deep Purple“ zu hören, vorzugsweise ganz laut in der langsamen 30er-Zone…! Auch sie haben ein sehr langes Lied komponiert: das „Child in Time“ erzählt in rund zehn Minuten eine traurige Geschichte, die mich auch jedes Mal wieder von neuem berührt und von der ich gar nicht genug kriegen kann. Interessant sind (zum Teil) auch die Plattencover. Das 1969 erschiene, schlicht „Deep Purple“ genannte Album zum Beispiel ziert ein schwarz-weißer Ausschnitt des Gemäldes „Die musikalische Hölle“ von Hieronymus Bosch. Auf „Deep Purple in Rock“ sind die Mitglieder der Bands ähnlich den vier Präsidenten der USA im Mount Rushmore in Fels gemeißelt. Ein Plattencover ist komplett in Gold gehalten, nur von schwarzer Schrift durchbrochen. Die Band beherrscht die gesamte Bandbreite von weichen Hardrock-Songs bis zu grellen Heavy Metal-Klängen. Besonders mag ich die kirchenmusikähnlichen Einstiege der Hammond-Orgel – an einem ruhigen Sonntagmorgen erst ein bisschen Kirchenatmosphäre, bevor es dann mit Gitarren und Schlagzeug so richtig zur Sache geht! Nicht immer die Wahl der Stunde, aber manchmal einfach tröstlich, witzig und unwiderstehlich…

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7 Gedanken zu „Letzte Schallplatten“

  1. Mit Deep Purple bin ich aufgewachsen und ‚Made in Japan‘ ist heute noch eine der besten Liveaufnahmen überhaupt, wo alle Songs Überlänge haben und jedes Instrument sein Solo spielen darf. Auch eine meiner Lieblingsplatten. Die Bee Gees kann ich überhaupt nicht abhaben und Mark Knopfler spielt für meine Begriffe zu mainstreamig. Da gehört für mich ein Jimi Hendrix (Band of Gypsys) zur ersten Wahl und von Alan Parsons die „Edgar Allan Poe“ ist für mich kaum zu toppen. Dennoch sage ich: „Du hast einen vorzüglichen Musikgeschmack, denn du präferierst Top-Bands. Die Geschmäcker sind nur verschieden und das ist gut so .. Lieben Gruß an dich und Männe. Long live Rock ’n‘ Roll 🤘🤘🤘

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    1. Ui, mit Live-Alben ist das auch so eine Sache… ich mag sie normalerweise gar nicht (da scheiden sich echt die Geister!)! Einzige Ausnahme: Das Live-Album von Joe Cocker, welches 1990 erschienen ist mit den Aufnahmen vom 5. Oktober 1989 in der Memorial Auditorium in Lowell, Massachusetts. Liebe Grüße Nicole

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