(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Sprache“ und behandelt die 20. „Oder-Frage“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Sprache“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)
Vor ein paar Tagen waren in der Schweiz Polarlichter am Nachthimmel zu bestaunen, wie ich im Blog von MeteoSchweiz gelesen habe (meteoschweiz/polarlichter, zuletzt abgerufen am 17. Nov. 2025). Dort waren natürlich auch herrliche Bilder veröffentlicht und ich war schon ein bisschen neidisch, dass ich noch nie Polarlichter gesehen habe, obwohl die jetzt ja schon in unserer Nähe auftauchen! Dafür haben die faszinierenden Fotos zu einer Diskussion mit meinem Mann geführt: Ich habe nämlich im Blog gesehen, dass die Polarlichter der Schweiz meist einen roten Farbton aufwiesen, auf Bildern zum Beispiel von Lappland war die Himmelserscheinung dagegen eher grün. Deshalb habe ich in etwa folgendes zu meinem Mann gesagt (und ihm die entsprechenden Fotos dazu gezeigt): „Du, in dr Schwiiz sin d’Polarlichter viel röter und in Lappland viel griener.“ Und schon fragen wir uns, ob das Adjektiv rot wirklich so gesteigert wird, wie ich das soeben gemacht habe, also: rot – röter – am rötesten (oder eben doch: rot – roter – am rotesten?). (Übrigens stelle ich grad fest, dass ich hier wieder eine „Oder-Frage“ aufgeworfen habe – bereits die zwanzigste!)
Denn wenn es um die Steigerung von Adjektiven geht, versteht mein Mann keinen Spaß: er kann es zum Beispiel nicht ab, wenn jemand das Adjektiv „aktuell“ steigert! „Ein aktueller Artikel“ ist doch bereits der Artikel, der die neusten Informationen erhält (ich frage mich allerdings beim Wort „neusten“ gerade, ob ich in dieselbe Falle tappe…!).
Doch zurück zu den Farben: laut Duden (duden/rot, zuletzt abgerufen am 17. Nov. 2025) wird rot folgendermaßen gesteigert: röter, rötes|te, seltener roter, rotes|te – also habe ich für einmal recht gehabt. Grün steigert man einfach wie folgt: grün – grüner – am grünsten. Wobei ich bei meiner Recherche durchaus auf Seiten stoße, die finden, man könne eine Farbe gar nicht steigern, sonst würde eine andere Farbe entstehen… aber grammatisch korrekt sind die oben genannten Formen allemal (mehr zum Wort „grammatisch“ im Beitrag „Spitzfindig“).
Um noch ein paar kluge Begriffe von mir geben zu können (die ich allerdings auch erst auf der Internet-Seite freielernplattform.de, zuletzt abgerufen am 17. Nov. 2025, zum ersten Mal gelesen habe), nochmal zurück zum Adjektiv „aktuell“: es gibt sogenannte „Absolutadjektive“, die nicht gesteigert werden können, weil sie bereits eine ausschließende oder eben eine absolute Eigenschaft ausdrücken. Sie gelten entweder ganz oder gar nicht und haben deshalb keine Steigerungsformen. Dazu gehören zum Beispiel tot, leer, absolut, blind, extrem, falsch, maximal, taub, total, schwanger, richtig, fertig, satt, einzig und alle Adjektive auf „-los“ wie kinderlos, arbeitslos, heimatlos, leblos. Wie oben bereits erwähnt, zählt der Beitrag interessanterweise auch die Farben zu den Absolutadjektiven, ohne allerdings näher darauf einzugehen. Wenn solche Adjektive trotzdem gesteigert werden, nennt man diese Form „Hyperlativ“. Diese sind besonders in der Umgangssprache weit verbreitet, wie zum Beispiel „der einzigste Gast“ (zu bemerken ist hier, dass die Rechtschreibprüfung das Wort „einzigste“ tatsächlich als Fehler anzeigt).
Zuletzt haben wir noch den „Elativ“. Das ist eine vierte Steigerungsstufe, die manchmal vorkommt. Der Elativ wird meist in Kombination mit den Begriffen „sehr“, „äußerst“ oder „überaus“ umschrieben (äußerst schönes Wetter) oder es werden Vorsilben benutzt (bildschön, federleicht, hochgebildet).
P.S. Farben sind auch ohne Steigerungsform ein ergiebiges Thema! Mehr dazu gibt es unter anderem in folgenden Beiträgen hier im Blog: „Rot und grün“, „Blau“, „Farbig oder bunt?“ und „Mischfarben“.
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Ich lese immer sehr gerne deine Beiträge zur Sprache. Da wird man dann höhergebildet 😁
Der Superlativ am grünsten ist ja wirklich eine Überlegung wert: Wie sieht das aus? Dichter Urwald vermutlich. Aber ich habe definitiv schon Kühe auf der Weide gesehen in meiner Umgebung, die schwangerer waren als ich es jemals war (sooo ein dicker Bauch!!!!) 😉
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Oh ja, das stimmt: unsere Gottesanbeterin war nämlich auch viel schwangerer als die, welche Du mal gepostet hast – unsere hatte viel den dickeren Bauch 😁
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😄
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Hat jemand ‚Dichter‘ gerufen? Wie kann ich helfen? Mit einem Reim?
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Kannst ja was mit „Wald“ reimen 😉
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Ich werde älter,
da reicht nicht der Wald,
da brauch ich Wälder ..
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Einen wunderbaren Donnerstag. 😉
Spannend, in dem Zusammenhang würde ich jetzt röter oder roter nicht als Steigerung als solches verstehen sondern mehr als vergleich zu einem anderen Rot. Schliesslich gibts da ja so viele Schattierungen. Und das klassische Rot ist für mich röter als ein kaltes das schon in ein Lila übergeht, oder ein Rostrot oder Weinrot… genau so würd ich es bei blauer, grüner, oder gelber ect. verwenden. Also ist das für mich, aber wer bin ich schon, kein Hyperlativ.
aber ja, Sprache ist sowas spannendes wenn man sie mal etwas auseinander dröselt.
Danke für diesen, wieder spannenden, Beitrag.
Liebe Grüsse
Alexandra
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Hallo liebe Alexandra! Ja, ich sehe das bei den Farben ähnlich, finde es aber immer wieder spannend, was es da halt so für andere Ansichten gibt. In Sachen Sprache ist für mich eigentlich sowieso bei der Frage nach richtig oder falsch der Duden maßgebend und der kennt ja die entsprechenden Steigerungsformen. Farben sind ja sowieso Geschmacks- oder Ansichtssache. Bei meinem Mann und mir kommt es durchaus vor, dass ich sage: „Was für ein schönes Rot (oder Grün oder Blau)!“ Und mein Mann dann findet, dass sei doch gar nicht rot (oder grün oder blau)! Liebe Grüße und bis bald, Nicole
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Hallo die liebe Nicole
Ja, wir sehen ja nicht alles das selbe. Nicht nur bei den Farben. Unser Filter im Hirn ist individuell und nichts sieht für andere genau gleich aus.
Liebe Grüsse
Alexandra
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