Söihäfeli, Söideckeli

(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Sprache“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Sprache“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)

Im Buch „Der Reisläufer und das Blutgericht von Zürich“ (mehr dazu im Beitrag „Der Reisläufer“) ist mir auch die Wendung „Söihäfeli, Söideckeli“ aufgefallen, als sich einer der Anwesenden bei Gericht über die (damalige) Vetternwirtschaft in der Stadt Zürich ärgert. Ich verwende den Begriff nicht, ich würde „Vätterliwirtschaft“ sagen.

Die Wendung „Söifhäfeli, Söideckeli“ kommt aus dem Berndeutschen und bedeutet Vetternwirtschaft im Sinne von „Eine Hand wäscht die andere“. „Söihäfeli“ könnte man vielleicht mit „Sauhafen“ übersetzen, also der „Hafen“ im Sinne eines Topfes. Und der dazu passende Deckel ist dann eben der „Saudeckel“ (das „Söideckeli“). Der Schweizer Dialekt „spricht“ manchmal sehr bildlich…

Übrigens taucht der Begriff noch heute auf, zum Beispiel in einem Bericht im Online-Magazin der Universität Bern vom 12. Mai 2025, in dem es um Korruption in der Schweiz geht und dass diese zunimmt (www.unibe.ch/2025/politkolumne, zuletzt abgerufen am 16. Nov. 2025).

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4 Gedanken zu „Söihäfeli, Söideckeli“

  1. Hallo Nicoletta Samira,

    ich finde den Ausdruck Söihäfeli, Söideckeli so viel besser als Vetternwirtschaft. Auch wenns niedlich klingt, sagt er sehr viel mehr aus und klingt nicht so harmlos. Aber bei uns in Zürich sagt man eben „Vetterliwirtschaft“.

    Liebe Grüsse, Alexandra

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    1. Liebe Alexandra, es ist interessant, das im erwähnten Buch der Ausdruck in Zürich verwendet wird, obwohl er Berndeutsch ist! Das habe ich erst durch meine Recherche herausgefunden. Ja, es ist meist so, dass Dialekt-Begriffe „niedlicher“ klingen, es aber trotzdem auf den Punkt bringen und manchmal eben sehr viel bildlicher als im Hochdeutschen. Ich schreibe hier in meinem Blog ja öfter über Dialekt und die Unterschiede zwischen Dialekt und Hochdeutsch. Weiterhin viel Freude beim Lesen wünscht Dir Nicole (Nicoletta Samira)

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      1. Naja, hauptsächlich wird „Vätterliwirtschaft“ verwendet hier in Zürich, ob Söihäfeli Söideckeli oft verwendet wird weiss ich nicht. Ich verwende den einfach immer. Aber kennen tun ihn sicher auch so viele.
        Die Dialekte mischen sich heute ja auch sehr durch. Find ich, da die Schweiz klein ist und man heute nicht mehr zwangsläufig da arbeitet wo man wohnt, da brauchst keine halbe Stunde fahren und du bist in nem anderen Kanton 😂 Ich bin auf alle Fälle gespannt was noch so zu den Dialekten kommt. Find das auch immer wieder spannend.

        Liebe Grüsse
        Alexandra

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      2. Ja, das stelle ich auch fest, dass sich die Dialekte immer mehr vermischen bzw. hier in Deutschland die Dialekte leider mehr und mehr verschwinden. Da ich ja aus der Schweiz komme, ist es für mich ja ganz normal, dass ich Dialekt spreche, das ist ja meine Muttersprache. Was ich zuerst gar nicht wusste, als ich nach (Süd-)Deutschland zog, dass es hier auch so viele (verschiedene) Dialekte gibt! Eine Bekannte aus der Schweiz hat mich damals sogar nach meinem Umzug, der inzwischen allerdings über zwanzig Jahre her ist, (allen Ernstes) gefragt: „Musst Du jetzt immer Hochdeutsch reden?“

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