Der Reisläufer

(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Sprache“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Sprache“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)

Wie schon im Beitrag „Der Zauber von Büchern“ angekündigt, geht es in diesem Beitrag um den Begriff „Reisläufer“, auf den mich der Titel des Buches „Der Reisläufer und das Blutgericht von Zürich“ von Peter Neumann aufmerksam gemacht hat. Das Buch beschäftigt sich mit der historischen Figur von Urs Graf, der die fiktive Geschichte des Reisläufers Samuel Alder von Küsnacht (am „Zürisee“/Zürichsee) erzählt und auch gleich illustriert. Wer sich für diesen Teil der Schweizer Geschichte (oder ich sollte vielleicht eher schreiben: der eidgenössischen Geschichte) interessiert, erhält in diesem Buch einen interessanten und spannenden Einblick.

Nun aber zum Begriff „Reisläufer“: ich habe da an „Reis“ gedacht (also an das Nahrungsmittel), aber mir war aufgrund des Titels schon klar, dass der Begriff nichts mit dem Nahrungsmittel zu tun haben wird. „Reis“ bezieht sich auf das Wort „reisen“ und der Reisläufer ist ganz einfach ein Söldner, also ein Soldat, der auszieht, um einem fremden Herren zu dienen – und wenn er Glück hat (was allerdings nur sehr selten vorkam!), als reicher und somit gemachter Mann in seine meist arme Heimat zurückzukehren. Schon früh wurde hier „Swissness“ gelebt: „Der erste Schweizer Exportschlager waren Krieger. Das hiesige Söldnerwesen machte Einzelne stinkreich und andere tot.“ (srf.ch/geschichte-des-soeldnerwesens, zuletzt abgerufen am 16. Nov. 2025)

Allerdings unterscheiden Historiker die Begriffe „Söldner“ und „Reisläufer“: „Der Neuenburger Emer de Vattel unterschied Mitte des 18. Jahrhunderts zwischen dem Reisläufer und dem Söldner. Der Söldner verpflichtete sich zu einem obrigkeitlich bewilligten Solddienst, während der individuelle militärische Einsatz der Reisläufer von der Obrigkeit nicht gewollt war. Das Reislaufen war im Gegensatz zum Solddienst durch keine offiziellen Verträge oder Kapitulationen reglementiert. Reisläufer konnten sich als Einzelpersonen oder in Gruppen, sogenannten Freikompanien, engagieren.“ So schreibt Alain-Jacques Czouz-Tornare im „Historischen Lexikon der Schweiz (HLS)“. (hls.ch, zuletzt abgerufen am 16. Nov. 2025)

Informativ ist auch der Beitrag „Die echten «Ryslaifer»: Drei Basler Söldner in fremden Kriegsdiensten“ (barfi.ch/Die-echten-Ryslaifer, zuletzt abgerufen am 16. Nov. 2025), unter denen eben dieser „Urs Graf (1485 – 1529)“ aus dem Buch aufgeführt ist.

Übrigens finde ich an am Wort „Reisläufer/Ryslaifer“ nicht das kriegerische (und die ganzen schlimmen Geschichten dazu) spannend, sondern dass es ähnlich dem Wort „Eidechse“ einem zuerst in der Wortherkunft an einen ganz anderen Hintergrund denken lässt.

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