(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Sprache“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Sprache“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)
Auch dieses Wort hat sich trotz „Aufnahmestopp“ (mehr dazu im vorherigen Beitrag „Potentiometer“) in meinem Blog geschlichen… als ich mich neulich mit einem Bogensportkollegen unterhalten habe, hat mir vom „herbschde“ erzählt und mir ist aufgefallen, wie sehr mir dieses alemannische Wort gefällt. Es bedeutet „Weinlese halten“ oder als Substantiv „das Herbschde“ die Weinlese. Wieviel schöner ist doch der alemannische Ausdruck! Er drückt genau aus, dass der Herbst Einzug hält und dann eben die Trauben geerntet werden und das alles in einem einzigen Wort!
Wenn ich das Wort höre, dann enstehen in meinem Kopf ganz viele Bilder: von Trauben, die reif an den Reben hängen; von Menschen im Rebberg, die diese Trauben lesen; von der „Trotti“ (Trotte), die beim Nachbar im Hof steht und ich höre das metallische Klingen, wenn er am Hebel dreht; ich sehe große Anhänger mit den riesigen Bottichen mit den Trauben drin; ich sehe die vielen bunten Herbstfarben, welche die Blätter der Reben überziehen und bunte Reihen an den Hängen entstehen lässt – gelbe Reihen, orange Reihen, dunkelrote Reihen… ein wahres Farbenmeer. Ich sehe die Eidechsli, die noch die letzten wärmenden Sonnenstrahlen auf den Steinen im Rebberg genießen und die Schmetterlinge, die auch noch ein bisschen Sonne erhaschen möchten. Einfach herrlich! Und auch wenn ich selber noch nie beim „herbschden“ geholfen habe, so ist es doch glaub eines meiner Lieblingswörter im Alemannischen! Ich gebe es ja zu, ich bin „dialektverliebt“ – ich freue mich einfach, wenn es noch Menschen in meiner Umgebung gibt, die auch ganz selbstverständlich Mundart sprechen und das nicht als minderwertig oder ungebildet empfinden, sondern das eben halten wie ich: „Ich schwätz wie mir dr Schnabel gwachse isch!“
Übrigens habe ich eine interessante Internet-Seite entdeckt, als ich das Wort „herbschde“ in der Suchmaschine eingegeben habe: www.alemannische-seiten.de (zuletzt abgerufen am 20. Okt. 2025)
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Als Berlioz vom Umland nach Paris zog, behielt er dort gegen alle Widerstände seinen Dialekt bei, was ihm als Künstler noch nebenbei eine ganz eigene Kontur verlieh .. Ich muss auch aufpassen, dass ich mein Hochdeutsch nicht gänzlich verlerne .. Aber: Wozu eigentlich? Der Dialekt richtet sich nach der Zunge, stellt eine Vereinfachung der Sprecharbeit dar und die Muskeln erschlaffen, die man für das Hochteutsche beansprucht. Wenn ich heute Hochdeutsch reden muss, damit etwa ein Hamburger mich versteht, dann verbiegt sich in meinem Sprechapparat alles. Das ist anstrengende Mundgymnastik. „Herbschde“, dieses Wort flutscht hingegen allein aus dem Munde. Und da kommt es schon wieder: „Herbschde“. Hoffentlich bekomm ich keinen Tick: „Herbschde“ — „Herbschde“ — „Herbschde“. Man kann es einfach nicht ausspucken.
Schönen Tag nach meiner kleinen Glosse,
dein Prinz ❤
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Das hätte ich gar nicht gedacht, dass Du Dialekt sprichst! Für mich ist es wirklich fast wie eine Fremdsprache…
Und Du hast mich definitiv – schon frühmorgens- zum Lachen gebracht mit Deinem „Herbschde“…! 🙂 You made my day 🙂 Dir auch einen schönen (Herbschd-)Daag, mein lieber Prinz 🙂
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Ich bin en offebacher Bub. Hochdeutsch nur an de Schul un Hochschul un im Beruf .. 🤫
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