Lälli

(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Sprache“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Sprache“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)

Dieser Beitrag könnte der kürzeste in meinem Blog werden, denn ich könnte einfach nur schreiben: „Lälli“ ist das baseldeutsche Wort für „Zunge“. Aber da das hier ja ein Blog ist und kein Kurznachrichten-Portal, doch noch ein paar Worte zu diesem besonderen Wort oder vielmehr zur besonderen Figur des „Lällekönigs“ in Basel:

Im Haus an der Schifflände 1 befindet sich die Figur eines Königskopfes, der nicht nur mit den Augen rollen, sondern eben auch die Zunge – den Lälli – rausstrecken kann. Weil er das in Richtung Rhein und somit zum gegenüberliegenden Kleinbasler Ufer macht, wurde mir immer erzählt, er würde dem „minderen“ Basel, dem früher als minderwertig betrachteten Kleinbasel auf der anderen Rheinseite, die Zunge rausstrecken, was ja nicht ein Zeichen von Wertschätzung ist, sondern von Verachtung (Missachtung). Heute lese ich im Internet, dass das anscheinend nicht so gemeint ist, aber die alten Geschichten lassen sich nicht so schnell aus dem Kopf löschen! Ich fand als Kind den riesigen Kopf immer etwa unheimlich und habe damals nicht so ganz begriffen, wie etwas so lebloses die Zunge rausstrecken kann. Wahrscheinlich hat mich die Figur an die furchterregende Berner Brunnenfigur des „Chindlifrässer“ (Kinderfresser) erinnert, die ich damals von einem Schweizer Memory kannte und furchtbar fand…

Wer mehr zu den beiden Figuren wissen möchte, findet mehr Informationen zum Lällekönig unter altbasel.ch/laellekoenig und wikipedia.org; zum Chindlifrässerbrunnen historisches-bern.ch und wiki/Kindlifresserbrunnen (alle zuletzt abgerufen am 7. Aug. 2025).

Und wer noch mehr vom Dialekt lesen möchte: dazu gibt es hier im Blog unter anderem mehr dazu in meinen Beiträgen „Schwyzerdütsch“ und „Und no meh Schwyzerdütsch“ (beide Beiträge mit Audio-Dateien); zu Redewendungen im Dialekt schreibe ich in „Was steckt im Dialekt?“ und „Noch mehr vom Dialekt“.

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4 Gedanken zu „Lälli“

  1. Gib mir deine Lälli, Nelly .. Da kommt man auf lustige Wortspielereien. Hermann Hesse hat auch zweimal in Basel gewohnt und die schweizer Staatsbürgerschaft angenommen. Kein Autor, den man unbedingt lesen muss ..

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    1. Ich habe es umgekehrt gemacht: ich komme aus der Schweiz und habe nun, nachdem ich in Deutschland lebe, auch noch die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen (die Schweizer aber behalten). Hesse steht bei mir nicht im Bücherregal, da bin ich ganz Deiner Meinung!

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  2. Lälli für Zunge ist wirklich interessant. Da fiele mir nur Lolly dazu ein. Aber auch ein großer Kopf, der die Zunge zeigt? Was es alles gibt! Ich war als Kind einmal in Basel, aber ich glaube den haben wir nicht gesehen. DARAN würde ich mich erinnern 😊

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    1. Ich habe leider nicht herausgefunden, warum es „Lälli“ heißt, vielleicht von lallen? Der Lällekönig ist zwar sehr bekannt, aber doch etwas versteckt unter einem Dachvorsprung angebracht – und vermutlich nicht unbedingt etwas, das Kinder sehen sollen… die sollen ja nicht glauben, dass das Zunge rausstrecken salonfähig ist… 😉 !

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