Öl und Meer

(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Redewendungen“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Was macht der Storch im Salat?“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)

Am Wochenende gingen in einer WhatsApp-Gruppe die Wogen hoch. Nach einer Weile sagt mein Mann: „Bernd (Name geändert) gießt jetzt Öl auf die Wogen und entschärft das Ganze ein bisschen.“ Ich so: „Was?“ Ich kenne nur die Redewendung „Öl ins Feuer gießen“ und das ist so ziemlich das Gegenteil von „entschärfen“! In diesem Fall würde ich eher „die Wogen glätten“, deshalb glaube ich erst meinem Mann nicht so recht, dass es die Redewendung „Öl auf die Wogen gießen“ gibt. Doch als ich schnell im Internet nachschaue, sehe ich, dass er recht hat! Dabei entdecke ich zum Thema „Öl auf die Wogen gießen“ etwas wirklich interessantes – und so kam die Idee für diesen Blogbeitrag!

Aber jetzt der Reihe nach: „Öl auf die Wogen gießen“ bedeutet „vermittelnd, ausgleichend, besänftigend (in eine Auseinandersetzung) eingreifen (Duden Redewendungen). Und die Herkunft ist ganz einfach erklärt: das hat man früher wirklich gemacht! Denn bei der Recherche bin ich auf den Wikipedia-Artikel „Wellenberuhigungsöl“ gestoßen (zuletzt abgerufen am 14. Juli 2025) und da steht folgendes:

Wellenberuhigungsöl, auch Wellenöl genannt, wird in der Schifffahrt eingesetzt, um den Seegang auf hoher See zu verringern. Traditionell handelte es sich um Olivenöl, später wurden tierische Öle oder Mineralöle eingesetzt. Heute ist die Anwendung dieser Methode wegen der damit verbundenen Gewässerverschmutzung international aufgrund des MARPOL-Abkommens auf den absoluten Notfall beschränkt. …

Da die Öl-Moleküle Wasser abweisen, setzt sich das Öl in einer Schicht auf der Oberfläche ab und breitet sich horizontal darauf aus. Schon geringe Mengen Öl reichen für große Flächen, da die Öl-Moleküle dazu neigen, sich in einer monomolekularen Schicht auf dem Wasser abzusetzen – also ein Molekül neben dem anderen, keine zwei übereinander (…).

Dieser zähe, elastische Ölfilm sorgt dafür, dass an der Oberfläche auftretender Wind mehr Energie verliert, wenn er den Ölfilm und das darunterliegende Wasser bewegt. Dadurch wird die Entstehung von kleineren Wellen unterbunden und über eine Kettenreaktion werden dadurch größere Wellen abgeschwächt. Erste aufgezeichnete Versuche dazu führte der amerikanische Politiker und Wissenschaftler Benjamin Franklin durch. Er stellte fest, dass bei Zugabe eines Teelöffels Olivenöl in einen Teich dieser spiegelglatt wurde.

Spannend, nicht?

Jetzt aber doch noch zum Gegenteil davon: „Öl ins Feuer gießen“ bedeutet ja eben „einen Streit noch verschärfen, jmds. Erregung verstärken“ (Duden Redewendungen). Die Herkunft erklärt sich von selbst, denn wenn ich Öl in ein Feuer gieße, dann brennt es ja noch stärker.

Nachdem also jemand Öl ins Feuer gegossen hat, gingen die Wogen hoch – was bedeutet „man empört, erregt sich“ (Duden Redewendungen). Die Wellen, die hoch gehen, stehen hier sinnbildlich für die hohen Wellengang (auf dem Meer), das kann man sich ja gut vorstellen.

„Die Wogen glätten“ hätte am Wochenende ebenfalls genutzt, denn das bedeutet „beruhigend wirken; die Erregung, Empörung oder Ärger dämpfen“ und „die Wogen glätten sich“ entsprechend „man beruhigt sich; die Erregung, Empörung klingt ab“ (Duden Redewendungen). Die Herkunft ist dieselbe wie bei „Öl auf die Wogen gießen“.

P.S. Zum Thema „Öl“ habe ich übrigens bereits einmal einen Blogbeitrag geschrieben, worum es dort geht lest ihr unter „Die gefürchtete Zahl“.

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Ein Gedanke zu „Öl und Meer“

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