Der Wecker (und mehr)

(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Redewendungen“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Was macht der Storch im Salat?“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)

Im vorherigen Beitrag „Eidechse“ habe ich geschrieben, dass mir die KI-generierten Antworten von Google manchmal auf den Wecker gehen und angekündigt, dass ich mich im folgenden, das wäre dann also dieser Beitrag hier, mit der Redewendung „auf den Wecker gehen“ beschäftigen werde.

Übrigens kann man jemandem nicht nur „auf den Wecker“, sondern auch „auf den Keks“, „auf den Sack“ oder „auf den Geist“ gehen. Der Duden Redewendungen führt alle diese vier Redewendungen auf. Auch wenn wir alle vier wahrscheinlich mehr oder weniger synonym verwenden würden, macht der Duden ein paar (feine) Unterschiede:

Jemandem auf den Wecker gehen“ bedeutet umgangssprachlich „jemandem lästig werden“.

Die beiden Varianten „jemandem auf den Geist gehen“ und „jemandem auf den Keks gehen“ sind zwar auch umgangssprachlich, bedeuten aber laut Duden „jemandem äußerst lästig werden.

Und die Variante „jemandem auf den Sack gehen“ ist derb gemeint, bdeteutet aber wieder einfach nur „jemandem lästig sein“.

Über die Herkunft ist nicht viel herauszufinden. Da uns ein Wecker ja tendenziell stört und lästig ist, stört uns eben jemand, der uns auf den Wecker geht. Die Variante mit dem Keks könnte abmildernd verstanden werden, also dass die Störung gar nicht so schlimm ist (wer übrigens wissen möchte, woher das Wort „Keks“ stammt, kann das im Beitrag „Kekse (and more)“ nachlesen). Der Geist steht hier für Nerven, also man geht jemandem auf die Nerven.

Interessant ist die (mögliche) Herkunft der Redewendung „jemandem auf den Sack gehen“: Der Duden, der ja die Redewendung als „derb“ bezeichnet, schreibt hierzu folgendes: „Mit „Sack“ ist hier der Hodensack gemeint. Die Wendung spielt bildhaft auf die besondere Empfindlichkeit dieses Körperteils an.“ Im Internet lese ich dazu allerdings noch folgendes (leider finde ich die Quelle dazu nicht mehr): Im Mittelalter wurden die Grenzen von Grundstücken mit Leinensäcken markiert. Wenn man also jemandem auf den Sack trat/ging, dann übertrat man eine Grenze, was ja durchaus auch (sehr) lästig sein kann.

Während meiner Internet-Recherche bin ich noch weiteren Varianten begegnet wie „auf die Eier gehen“ (siehe dazu die Erklärungen bei Sack), „jemandem auf Nüsse gehen“ (siehe dazu vermutlich auch die Erklärungen bei Sack), „jemandem auf den Senkel gehen“ (laut Duden ist die Herkunft hier unklar), „jemandem auf den Zeiger gehen“ (das gehört wohl zum Wecker) und „jemandem den letzten Nerv rauben“.

Bevor ich jetzt aber meinen Leserinnen und Lesern mit weiteren Redewendungen auf den Wecker gehe und mir die Redewendungen noch den letzten Nerv rauben, beende ich diesen Beitrag – und gehe lieber Musik hören (mehr dazu schreibe ich in meiner Serie „Vinyl-Freude“)!

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